Globetrotter

Mit Lego, Taucherbrillen und Ukulele

„Die Rucksackfamilie": Thomas, Nora, Tommy und Jackie Zieba startet am 2. August ihre Weltreise. Auf Instagram haben sie unter „Rucksackfamilie“ schon über 1000 Follower.

„Die Rucksackfamilie": Thomas, Nora, Tommy und Jackie Zieba startet am 2. August ihre Weltreise. Auf Instagram haben sie unter „Rucksackfamilie“ schon über 1000 Follower.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Die Rucksäcke stehen bereit. Die Impfungen sind absolviert. Nachdem das Haus und der halbe Hausstand verkauft ist, geht’s bald los.

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Der Countdown läuft. „Wie viele Tage sind es noch?“ Der kleine Tommy will wissen, wann es los geht. „Noch zwei Wochen“, gibt seine Mama Jackie Zieba zur Antwort. Am 2. August startet die vierköpfige Familie Zieba ihre Weltreise. Die meisten Möbel aus ihrem Haus an der Kantstraße sind bereits verkauft. Das Haus ist fast leer, deshalb werden sie die letzten Tage vor ihrer Abreise in der Wohnung eines Verwandten wohnen, der im Urlaub ist.

Im Wohnzimmer ersetzt eine Europalette vor der Eckcouch den Tisch. „Wir schlafen alle im Matratzenlager“, verrät ihr Gatte Thomas. „Das zehrt ganz schön an den Nerven. Man ist den ganzen Tag damit beschäftigt, auszusortieren und auf eBay zu verkaufen.“ Für ihren Hausrat, Spielsachen und Kleidung fanden sich beim Gartenflohmarkt über Pfingsten und bei eBay schon reichlich neue Besitzer (wie berichtet). Bis zum letzten Tag vor der Abreise sortieren die Eheleute noch Sachen aus, die sie vor der Abreise verkaufen wollen. „Es ist zu schade, alles so wegzugeben. Der Rest wird eingelagert“, erzählt der 35-jährige Thomas Zieba.

Von Indonesien und Südostasien nach Neuseeland

Aufgeregt und voller Vorfreude zeigt der vierjährige Tommy im Wohnzimmer auf die Weltkarte an der Wand. Da ist von der Route die erste Reise von Deutschland nach Thailand eingezeichnet. „Die nehmen wir natürlich mit und zeichnen die nächsten Stationen ein. Wir haben einen Direktflug von Frankfurt nach Bangkok“, erklärt seine Mutter. „Von da fliegen wir direkt weiter auf die Insel Koh Samui, wo wir eine Woche bleiben und kleine Inseln besuchen. Wir haben nur die ersten Flüge und Unterkünfte gebucht.“ Für Thailand haben sie einen Monat eingeplant, „von Indonesien und Südostasien arbeiten wir uns vor nach Neuseeland“.

Thomas Zieba ergänzt: „Von unterwegs gucken wir weiter, wie es passt. Dann geht es weiter nach Australien, je nachdem, wie die Flugpreise sind. Wir wollen auch noch eine Safari in Afrika machen. Wir reisen von überall mit Urlaubsvisa ein. Mit dem deutschen Reisepass kommt man in die meisten Länder rein. Wir können nicht alle Visa vorplanen.“

Tommy meldet sich bei der Aufzählung der Ziele. Er möchte unbedingt nochmal nach Kroatien, wo er mit seinen Großeltern schon mal war. „Da gab es einen Eisstand am Strand“, weiß sein Papa, warum der Kleine da erneut hin möchte. Zum Abschied aus dem Kindergarten erhielt Tommy einen Ordner mit Bildern und Bastelsachen. „Die lagern wir ein“, sagt seine Mutter. Irgendwann wollen sie auch Süd- und Mittelamerika besuchen, ergänzt Jackie Zieba. „Dafür haben wir ein halbes Jahr, um etwas Spanisch zu lernen. Dafür suche ich noch eine App.“

Bleibt es dabei, dass sie 50.000 Euro für die Reise veranschlagen? „Ja klar, Luxushotels sind nicht drin. Das Teuerste wird ein Camper in Neuseeland, mit dem wir drei bis vier Wochen über beide Inseln fahren werden “, erklärt der reiselustige Thomas Zieba, der in den letzten zwei Jahren im Urlaub auf diversen Campingplätzen unterwegs war und seinen VW-Kleintransporter T 4 bereits verkauft hat.

Vor dem Abflug geht’s noch zur Impfung gegen Tollwut. „Mir macht das Impfen Spaß“, zeigt sich Nora (8) tapfer. Immerhin haben alle Familienmitglieder schon nach Rücksprache mit einer Ärztin die erforderlichen Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus und Gelbfieber hinter sich. Jackie und Thomas Zieba haben für sich und die Kinder für alle Fälle eine private Langzeitauslandskrankenversicherung abgeschlossen.

Ihre Rucksäcke und Trolleys stehen schon bereit. „Einer fehlt noch“, sagt die 34-jährige Iserlohnerin Jackie Zieba. „Wir wollen zwei 80-Liter-Rucksäcke mitnehmen und vier kleine, da steckt dann unser Leben drin. Wir sehen zu, dass wir anziehmäßig eine Woche hinkommen. Einmal die Woche haben wir dann Waschtag.“ Sie hat komprimierbare Packwürfel gekauft, um die Klamotten optimal verstauen zu können. Was alles reinkommt? Sonnencreme, Mückenschutz, Mikrofaserhandtücher. Und bei den Kindern? „Ein bisschen Lego für Tommy und Schleichpferde und die Unterwasserkamera für Nora. Die hat sie sogar schon in der Badewanne und im Pool getestet. Schulsachen und E-Book-Reader für unsere Bücher, Handys, MP-3-Player, Kopfhörer, eine Kamera“, zählt Grundschullehrerin Jackie Zieba, die sich ein Jahr hat beurlauben lassen, auf.

Und natürlich eine Reiseapotheke mit Malaria-Tabletten. „Wenn wir in Risikogebiete kommen, müssen wir jeden Tag eine nehmen.“ Ihre Kinder scheinen nicht begeistert von dieser Aussicht zu sein. „Ich mag keine Tabletten“, mault der aufgeregte Tommy.

Papa Thomas wählt schnell ein anderes Thema. „Ich habe extra für die Reise noch eine Ukulele gekauft. Die muss auch noch mit. Ich habe schon mal etwas geübt. Wir wollten eigentlich Probepacken, es klingt nach viel Klamotten, was mit muss. Neben der Technik und den Spielsachen wollen wir auch Taucher- und Schnorchelmasken mitnehmen.“ Der Mechatroniker Thomas Zieba hat für die Reise seinen Job gekündigt, um sich und seiner Familie den Traum einer Weltreise zu erfüllen. Er möchte in Thailand einen Tauchschein machen.

Seine Frau, die an der Heidegrundschule in Hohenlimburg ein Sabbatical einlegt, erhielt von ihren Schülern ein gebasteltes Erinnerungsbuch, als sie sich zum Schuljahresende von ihnen verabschiedete. „Ich bin mit dem Versprechen in die Ferien gegangen, dass sie E-Mails bekommen und eine besondere Postkarte. Sie können virtuell mitreisen. Das können unsere Freunde und Bekannten auch: Sie finden uns auf Instagram unter dem Stichwort Rucksackfamilie. Wir haben schon über 1000 Follower.“

Bewegender Abschied von den Mitschülern

„Ich freue mich auf unsere Weltreise“, erklärt die achtjährige Nora. Aber ich bin auch traurig, weil ich meine Freunde so lange nicht mehr sehe.“ Sie berichtet von einem bewegenden Abschied an der Bartholomäusschule von ihren Klassenkameraden, die bald auf weiterführende Schulen gehen. „Einige waren neidisch. Meine Freunde Leon und Oskar wollten am liebsten mitreisen.“ Wie ihre Freunde möchte sie nach der Rückkehr gerne aufs Gymnasium Letmathe wechseln. „Das müssen wir von unterwegs regeln“, sagt ihre Mama.

Und wenn sie im Juli 2020 zurück sind, müssen sie erstmal von vorn anfangen. Da sie ihr Haus verkauft haben, werden sie erst mal im Wohnwagen von Freunden wohnen: „Wir werden da wohnen, wo andere Urlaub machen“, erzählt Nora.

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