Kultur

Moderner und musikalischer „Robin Hood“

Butler Paul (Lara Ferreira) und Prinz John (Dennis Treck) feilen noch an den letzten Szenen.

Foto: Michael May

Butler Paul (Lara Ferreira) und Prinz John (Dennis Treck) feilen noch an den letzten Szenen.

Iserlohn.   Das Schauspielensemble Iserlohn feiert am Sonntag Premiere mit dem Stück für Zuschauer ab fünf Jahren.

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Die Rampe, die zur Bühne des Parktheaters führt, ist geöffnet. Während draußen noch die Sonne „knallt“, steuern nach und nach Kinder, Teenager und Erwachsene auf den düster wirkenden Eingang zu. Die Jüngsten quasseln unbedarft, den Älteren ist eine gewisse Spannung anzumerken. Matthias Hay steht auf dem schwarzen Bühnenboden, ihm gegenüber eine etwas skeptisch dreinblickende Frau. „Doch“, sagt er eindringlich, „Du schaffst das. Und Du wirst irgendwann richtig Bock drauf kriegen“.

Der Regisseur ist an diesem Abend auch Psychologe, Kummerkasten, Motivator, Antreiber und vieles mehr. Für die neueste Produktion des Schauspielensembles Iserlohn müssen nämlich mehr als 50 Akteure auf Kurs gebracht werden. Einige davon bringen gerade Teile des Bühnenbildes, einen überdimensionalen Thron und mehrere hölzerne Marktstände, aus der Dunkelheit nach vorne. Hay dirigiert: „So, jetzt mal die Marktstände besetzen. Ruhig ein bisschen näher ran, dann können wir noch Verkaufsstände dazu stellen.“ Ganz klar: Hier erwartet die Zuschauer eine Reise in eine ganz andere Zeit.

Das Stück gab es schon einmal auf dem Spielplan

Es geht ins spätmittelalterliche England, genauer gesagt: nach Nottingham. Keine Frage: „Robin Hood“ steht auf dem Spielplan. Nicht zum ersten Mal beim Schauspielensemble, wie Matthias Hay erklärt: „Wir haben es vor elf, zwölf Jahren schon mal gespielt. Wir wechseln immer zwischen Stücken, die wir neu einstudieren, und recyclebaren ab.“ Und nun war Wiederverwertung angesagt. So konnten die Verantwortlichen auf die vier Lieder zurückgreifen, die der ­vereinseigene Komponist Ingmar Temp geschrieben hatte und die damals professionell aufgezeichnet wurden. „Wir haben sie noch einmal neu aufgenommen“, berichtet der Regisseur, der sich über ein neues Gesangstalent freut. Lara Ferreira spielt Prinz Johns Butler Paul, und für sie wurde eigens ein weiteres Lied in das Stück aufgenommen. „Es ist nicht nur deswegen eine komplette Neuinszenierung, sondern auch, weil keiner von der alten Truppe übrig ist, und weil wir von damals um die 40 auf heute mehr als 50 Darsteller gewachsen sind“, erzählt der Regisseur, der seine Augen immer wieder über die Bühne wandern lässt.

Ein Junge steht vor ihm, zappelt ein wenig auf der Stelle. Er fragt: „Hätte ich die Stulpen schon vorher anziehen sollen?“ Hay verdreht kurz die Augen, nickt, lacht und antwortet: „Ja, das wäre besser gewesen.“ Der Kleine zieht ab, setzt sich zu Gleichaltrigen ins Publikum. Bei der Koproduktion mit dem Kulturbüro spielen Kinder für Kinder, die Jüngsten im Ensemble sind gerade acht Jahre alt. Sie spielen unter anderem die Wachen. Nicht nur für sie hat die vereinseigene Nähtruppe „Die flinken Nadeln“ ihrem Namen alle Ehre gemacht. „Es mussten einige Kostüme neu angefertigt werden“, weiß Hay. Er schickt seine Schützlinge nun alle in die Zuschauerreihen des Großen Hauses, um sich einen Überblick verschaffen zu können.

Seit September 2017laufen die Proben

Dann beziehen König Richard (Wolfgang Ehrlich), Prinz John (Dennis Treck), der Sheriff (Tyark Erik Lehmkühler), Lady Lisbeth (Sandra Schmidtchen), Lady Marian (Muriel-Noel Wilkes), Robin Hood (Timo Stark) und Little John (Dionys Poloczek) ihre Positionen, der Vorhang wird geschlossen. So bleibt dem Regisseur wieder kurz Zeit zum Erzählen. Im September 2017 haben die Proben begonnen, zunächst einmal wöchentlich, seit Jahresbeginn zweimal pro Woche. Die von Uta Preuße bearbeitete Geschichte bietet weit mehr als die aus „Robin Hood“ bekannten Abenteuer. Neben der Musik tauchen immer wieder skurrile Gestalten auf, es gibt witzige Überraschungen, und die Sprache wurde in die Gegenwart versetzt. Schließlich, so Hay, sollen nicht nur kleine Zuschauer ab fünf Jahren ihren Spaß bei den Aufführungen haben, sondern auch die Erwachsenen.

Stichwort Zuschauer: Ein wenig enttäuscht zeigt sich der Regisseur über die Resonanz von Seiten der Schulen. „Eine Schulaufführung mussten wir aus Mangel aus Interesse komplett streichen“, sagt er. Es gebe zwar erfreulicherweise „Wiederholungstäter“, jedoch würden andere Einrichtungen eher weiter weg oder überhaupt nicht fahren, um eine Theateraufführung zu sehen.

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