Musik

Musikfreunde schweben auf Wolke Sieben

Beim „DrahtSaitenAkt“ gaben die Musiker in den verschiedenen Spielstätten in Barendorf Einblicke in die facettenreichen Spielarten. Man spürt die Wirkung der Musik aufs Publikum unmittelbar.

Beim „DrahtSaitenAkt“ gaben die Musiker in den verschiedenen Spielstätten in Barendorf Einblicke in die facettenreichen Spielarten. Man spürt die Wirkung der Musik aufs Publikum unmittelbar.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Beim „DrahtSaitenAkt“ feiern Musiker und Besucher ein Fest mit Mischung aus Moderne, Klassik und Romantik.

Sanft klingt die Musik des spanischen Barock-Gitarristen und Komponisten Gaspar Sanz durch Türen und Fenster: Das „Amadeus Guitar Duo“ mit Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff ruft die Besucher zum Konzert. Dem ersten von 27 Konzerten in vier Stunden. Beim 13. Barendorfer Klassik-Fest „DrahtSaitenAkt“ haben Musikfreunde die Qual der Wahl: Es lockt eine Zeitreise durch Jahrhunderte und Stilrichtungen – auf höchstem Niveau und mit viel Spaß und Freude an der Kunst vorgetragen.

Thomas Kirchhoff, zusammen mit Dr. Sandra Hertel, Leiterin der städtischen Museen, einer der Organisatoren des Klassik-Fests, freute sich, auch in diesem Jahr den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm anbieten zu können. „Ich achte immer auf eine gute Mischung aus renommierten Künstlern, die Barendorf bereits einige Male besucht haben, möchte aber auch neuen Talenten die Möglichkeit geben, ihr Können zu zeigen.“ Kaum ist der letzte Ton von Vivaldis Konzert für Gitarre und Orchester verklungen, packt Kirchhoff flugs Notenständer und Instrument und eilt zum nächsten Veranstaltungsort. Denn auch das macht das Festival aus: Die Musiker spielen ein Programm von 30 Minuten Dauer und sind auch gehalten, nicht zu überziehen. Dann gibt es 15 Minuten Pause – genug Zeit für die Besucher, um mit Freunden ein Schwätzchen zu halten oder den Zeitplan zu studieren. Kein Wunder, dass „Und wo gehen wir jetzt hin?“ die meistgestellte Frage des Nachmittags ist.

Einfach genießen und die Musik auf sich wirken lassen

Und noch etwas ist anders: Für die Zuhörer gibt es kein Konzertprogramm auf Papier zum Mitlesen. Einfach genießen und die Musik auf sich wirken lassen – ist das Motto beim „DrahtSaitenAkt“. Die Künstler nennen vor den einzelnen Stücken kurz Komponist, Herkunft und warum ihnen gerade jene Musik ans Herz gewachsen ist. Das schafft eine innere Verbundenheit und Nähe. Diese besondere Stimmung lobt auch Harfenistin Jenny Mayer, die die Zuschauer mit einem Stück des Komponisten Elias Parish Alvars, dem so genannten „Liszt der Harfe“, in eine Welt der Fantasie entführt. Hier zeigt sich die Solo-Harfe als vielfältiges Instrument jenseits von Engel-Romantik und Kitsch, das mit seinem Klang ein ganzes Orchester ersetzen kann. Jenny Mayer war bereits vor drei Jahren in Barendorf zu Gast und ist begeistert: „Bei den üblichen Konzerten sitzen die Zuhörer so weit weg. Hier ist alles greifbar, und man spürt die Wirkung der Musik aufs Publikum unmittelbar.“ Heiner Hoffmann aus Iserlohn hat schon oft das Festival besucht. Sein Rat an alle Besucher und solche, die es im nächsten Jahr werden wollen: „Man muss alles in Ruhe angehen, es darf nicht in Stress ausarten. Ich finde es toll, wie die alten Gebäude der Fabrikanlage, die man schon lange kennt, mit Leben gefüllt werden, da lernt man sie noch einmal ganz neu kennen.“

30 Minuten Musik – das sei eine gute Dauer. Nicht zu lang, und nicht zu kurz, findet Hoffmann. Bei längeren Konzerten komme es immer wieder vor, dass man irgendwann „abschalte“.

Abschalten, Langeweile? Fremdworte bei den Konzerten von Johannes Krampen und den „Fabelhaften Monday Boys“. Sie spielen eine bunte Mischung von Jazz bis Klassik. Die schwungvollen Arrangements laden zum Tanzen ein, und ihre Version von Peggy Lees „Fever“ vertreibt in der offenen Remise die erste herbstliche Kälte. Und schon geht’s zum nächsten Konzert, und weiter und weiter.

Miroslaw Tybora ist von Anfang an dabei

Greta Schaller begeistert auch ohne ihren Partner Simon Roloff am Marimbaphon das Publikum, stattdessen gibt es Saxophon und Akkordeon. Das Duo Skerdjano Keraj (Violine) und Hans-Werner Huppertz (Gitarre) spielt Musik von Niccolò Paganini, bei Gitarristin und Sängerin Yuliya Lonskaya erklingt eine breite Mischung von Folk bis Bossa-Nova-Sound, und Miroslaw Tybora ist mit seinem Akkordeon seit dem ersten „DrahtSaitenAkt“ im Jahr 2007 dabei – kann es einen größeren Liebesbeweis von Veranstalter und Publikum geben?

Das Duo der Brüder David und Marlen Malaev (Violine und Klavier) feiert mit seiner Mischung von Klassik bis Romantik eine Premiere auf dem Festival.

In der urigen Werkstatt von Konrad Horsch duftet es derweil herrlich nach Holz, es ist muckelig warm und gemütlich. Kevin Hemkemeier und Mylène Kroon begeistern mit den Instrumenten Kontrabass und Stimme als Duo „Zatie“. Die Holländerin und der Detmolder sind klassisch ausgebildete Musiker und lernten sich während des Studiums kennen. Ihr Sound lässt den Mainstream links liegen, kling fremd und doch irgendwie vertraut. Die Texte erzählen von der Liebe und stammen aus der Feder von Mylène Kroon. Sanft und verträumt bilden sie den perfekten Ausklang für einen Nachmittag, der Musikliebhaber auf der musikalischen Wolke Sieben nach Hause schweben lässt.

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