Serie „Nachhaltig leben“

Nachhaltig mobil auf zwei RädernNachhaltig mobil auf zwei Rädern

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Foto: Michael May

Iserlohn.   Das umweltschonende Gleiten liegt im Trend – ein Gespräch über Perspektiven des Radverkehrs in Iserlohn.

Wenn man den Erzählungen von Martin Isbruch (Kreisvorsitzender), Bernhard Schomm (Ortsgruppensprecher) und den Kollegen vom ADFC glaubt, müssen die 80er und frühen 90er für Radfahrer in Iserlohn eine recht unerfreuliche Zeit gewesen sein. Stadtplanung hieß allgemein Planung für den Autoverkehr, es galt die Maxime: In Iserlohn kann man eh nicht Rad fahren. Zu weitläufig, zu viel Gefälle.

Spätestens Mitte der 90er begann sich der Wind zu drehen. Mit dem 1994 beschlossenen Radverkehrskonzept bewarb sich die Stadt um einen Platz in der Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Stadt“ und wurde nach Umsetzung eines Sofortmaßnahmen-Programmes zwei Jahre später aufgenommen. Radwege wurden gebaut oder ausgebaut, zwischen Hennen und Kalthof, im Baarbachtal, auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Stadtbahnhof und Hansbergstraße, um nur einige zu nennen.

Dazu kamen Einbahnstraßenöffnungen, Hinweisschilder für von Rädern durchfahrbare Sackgassen – viele Kleinigkeiten, die für Radfahrer als Ganzes ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung bedeuteten. „Damals war Iserlohn Vorreiter“, sagt Isbruch noch heute anerkennend.

Mit dem Aufkommen von Pedelecs, also E-Bikes, aber auch Diesel- und Klima-Problematik hat das Thema in den vergangenen Jahren an Fahrt gewonnen. Grund genug zu schauen, wo in Zukunft noch Verbesserungen her müssen.

„In Iserlohn haben wir noch ein Grundproblem, nämlich alles rund um die Innenstadt und deren Erreichbarkeit“, sagt Isbruch, was vor allem für Schüler relevant ist, die von außerhalb eine der dortigen Schulen mit dem Rad ansteuern. Beispiel Baarstraße, wo hinter der Autobahnunterführung der Radweg endet und Autos parken, Radfahrer also in Schrittgeschwindigkeit auf den Gehweg fahren oder auf die stark frequentierte Fahrbahn ausweichen müssen. Hanns-Peter Springer nennt den Bereich zwischen Stadthotel und Kaufland, wo die Radspur einfach aufhört. An der Rahmenstraße stehen und fahren die Busse oft über den Radweg, am Busbahnhof hört die Radspur plötzlich auf, die Wegführung ist unklar.

Alles nicht dramatisch, aber eben Zeichen dafür, dass der Autoverkehr noch immer vielerorts Vorrang genießt, und es Verbesserungsbedarf gibt. „Wir nehmen wahr, dass die Leute mehr Lust aufs Radfahren haben“, sagt Isbruch.

Ein wichtiges Thema sei es darum, sagt Bernhard Schomm, dass Nutzer Möglichkeiten vorfänden, ihre Räder sicher abzustellen. Anlehnbügel gibt es in Iserlohn zwar in großer Menge. Fahrradboxen allerdings findet man nur als Bike & Ride-Anlagen an Bahnhöfen und Bahnhaltepunkten. Die größte Anlage mit 30 Fahrradboxen und 20 überdachten Anlehnbügeln befindet sich am Stadtbahnhof.

Politisch beschlossen ist außerdem eine diebstahlgesicherte Unterstellmöglichkeit in den Räumen im GfW-Parkhaus gegenüber des Saturn-Marktes. Bis zu 100 Radstellplätze auf 140 Quadratmetern Fläche inklusive einer größeren Anzahl mit Lademöglichkeiten für E-Bikes sollten hier entstehen. Weil nun im Rahmen des Saturn/Decathlon-Umbaus allerdings ein Tank für die Sprinkleranlage hier untergebracht werden muss, werden es weniger Plätze werden. Am grundsätzlichen Plan soll laut GfW aber festgehalten werden.

Radverkehrplanung personell zu schlecht ausgestattet

Der Bedarf sei aber da, glaubt Martin Isbruch. Kunden und Angestellte, die per Pedelec in die Innenstadt fahren – vor allem für letztere ist die Diebstahl-Gefahr ansonsten groß, wenn sie immer wieder draußen an der gleichen Stelle parken.

Allein: Weil in Iserlohn nur ein Planer für den Radverkehr zuständig sei, mit der Zielvorgabe zehn Euro je Bewohner pro Jahr in Radverkehrsmaßnahmen zu investieren, sei es schwierig. „Da brauchen wir zwei Personen“, glaubt Isbruch.

Am 19. Mai will der ADFC nun beim Fahrradfrühling wieder für seine Belange werben. Stellplätze, Zufahrtswege und Lückenschlüsse, der geplante Mountain-Bike-Parcours im Stadtwald, E-Bikes als Diensträder, ausleihbare Lastenräder für Kurzstreckentransporte und vieles mehr. Bernhard Schomm spricht von einem Ineinandergreifen mehrere Faktoren. Freizeit und Arbeit, Umwelt und Gesundheit.

Kaufen im Fachhandel: Dabei auf keinen Fall auf eine ausgiebige Beratung und vor allem Probefahrt verzichten – 20 Minuten oder mehr sind nötig, um ein Gefühl für ein Rad zu bekommen.

Alltagsradler, die mit dem Rad zur Arbeit, zu Freunden oder zum Einkaufen fahren, bekommen ein gutes Modell ab etwa 500 Euro. Wer mehrere Tausend Kilometer pro Jahr fährt, muss mit mindestens dem Doppelten rechnen.

Wer Kinder hat sollte diese langsam an das Radfahren gewöhnen. Gemeinsam Radeln im Urlaub, im Alltag, erst gemeinsam, dann alleine. Für sicheres Fahren sind Routine und Selbstverständlichkeit unverzichtbar – ebenso wie ein Radhelm zumindest für Anfänger.

Empfehlenswert im Hinblick auf Sicherheit im Verkehr ist neben einem Helm ein Tagfahrlicht, das heller ist als ein Dynamo-Licht und darum von Autofahrern besser wahrgenommen wird. Helle Farben bei der Kleidung sollten wie Reflektoren in Bezug auf eine höhere Sicherheit ebenfalls obligatorisch sein.

Bekleidung: Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke (Zwiebelprinzip), außerdem ist atmungsaktive und wasserdichte Kunstfaser- statt Baumwoll-Kleidung empfehlenswert, da diese Schweiß besser abgibt.

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