Ausschuss

Neues Konzept für sicheren Friedhof

Unschätzbar wertvolles Kulturgut auf dem Iserlohner Hauptfriedhof: „Die Liegende“ von Ulfert Janssen, aktuell aus Sicherheitsgründen abmontiert. Maßnahmen wie diese müssen mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden

Foto: Cornelia Merkel

Unschätzbar wertvolles Kulturgut auf dem Iserlohner Hauptfriedhof: „Die Liegende“ von Ulfert Janssen, aktuell aus Sicherheitsgründen abmontiert. Maßnahmen wie diese müssen mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Finanzausschuss: Haushaltsminus steigt voraussichtlich um weitere 800 000 Euro

Nach der Serie von Diebstählen auf dem Iserlohner Hauptfriedhof soll nun ein neues Gesamtkonzept für mehr Sicherheit vor Diebstählen sorgen. Dies hat am Dienstagabend der Finanzausschuss im Iserlohner Rathaus beschlossen. SPD und CDU hatten entsprechende Anträge gestellt.

Wie berichtet, war es zwischen dem 6. und dem 21. September auf dem Hauptfriedhof zu mehreren Diebstählen von historischen Bronzefiguren, Urnen und Ahnentafeln gekommen – mutmaßlich durch Metalldiebe. Wie ein Sprecher der Polizei am Mittwoch erklärte, liegen aktuell sechs Anzeigen vor. Ein weiterer Vorfall wurde am 28. September aus Oestrich gemeldet. Die Stadt hatte darauf am 21. September einen Sicherheitsdienst engagiert, der seither über den Hauptfriedhof wacht.

„Frage wird sein: ,Was ist uns der Friedhof wert?’“

Peter Leye (SPD) lobte darum die „schnelle Reaktion“ der Stadtverwaltung. Von Seiten der Bevölkerung und von den durch die Grabschändungen betroffenen angehörigen Familien hatte es allerdings zuvor auch Kritik gegeben. Jörg Teckhaus (CDU) beklagte ebenfalls, dass „einiges zu lange gedauert habe“. Man müsse nun ein Signal senden. „Sicherheit, Gebühren, Grabpatenschaften – die Frage wird sein: ,Was ist uns der Friedhof wert?’“ Ganz praktisch soll unter anderem die Zuständigkeit für den Friedhof möglichst einem Gremium übertragen werden, wie Leye und Teckhaus einhellig forderten, um künftig schneller auf ähnliche Vorfälle reagieren zu können.

Wie nun genau das Gesamtkonzept aussehen soll, war am Dienstag nicht Teil der Gespräche, dafür aber der Beschlussvorlage, die den Mitgliedern erst kurzfristig zugegangen war. Im Wesentlichen dürfte es nun auf die im Vorfeld der Sitzung mehrfach diskutierte Videoüberwachung sowie eine bessere Sicherung und Beleuchtung von Eingängen hinauslaufen, wie es die Polizei empfiehlt.

Die Videoüberwachung des Friedhofs nach innen ist während der Schließungszeiten aus Sicht der Verwaltung rechtlich unbedenklich. Dafür sprechen würde, dass die Wege im historischen Friedhofsteil schachbrettartig angelegt sind und somit eine solche Lösung begünstigen würden.

Außerdem könnten künftig in der Nacht einige oder alle der 15 Zuwegungen verschlossen werden. Fünf der Eingänge sind mit Fahrzeugen befahrbar, zehn können lediglich durch Fußgänger genutzt werden. Aktuell werden die fünf befahrbaren Eingänge außerhalb Öffnungszeiten der angrenzenden Betriebe verschlossen. Einer von ihnen war an der Oestricher Straße allerdings offenbar durch die Metalldiebe aufgebrochen worden. Die Verwaltung empfiehlt für die künftige Schließung der Eingänge zeitgeschaltete Drehkreuze. Barrierefreier Zugang soll weiter möglich sein. Die Umsetzung genannter Maßnahmen soll zwischen 150 000 und 250 000 Euro kosten.

Asyl-Unterkünfte nur zu 60 Prozent ausgelastet

Zwiespältig fiel die Antwort der Verwaltung in Sachen Denkmalschutz aus. Wie berichtet, hatte Klaus Fleitmann, einer der von den Schändungen betroffenen Familienangehörigen beklagt, der Denkmalschutz verhindere eine Sicherung wertvoller Teile. Laut Stadt sei dem mitnichten so. Allerdings sei der Abbau und die Verwahrung von Denkmälern an anderer Stelle immer nur „die letzte Lösung“, da diese für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben müssten. „Ein Einsatz von wertlosen Duplikaten ist nicht im Sinne des Denkmalschutzes“, heißt es. Wertgegenstände könnten nach Prüfung nur temporär entfernt werden, „ein Wiederaufbau ist aber erforderlich“.

Planung, Pflege, Denkmalschutz, Sicherheit – Kämmerer Michael Wojtek beklagte, dass die unklaren Zuständigkeiten in Sachen Friedhof für das weitere Vorgehen erschwerend seien. „Das Thema muss eindeutig geregelt werden.“

Außerdem verkündete Wojtek, dass das Haushaltsdefizit der Stadt Iserlohn bis zum Jahresende voraussichtlich um 0,84 Millionen Euro höher ausfallen werde als geplant (Gesamtminus: rund 8,5 Millionen Euro). Ursprünglich war von einem Defizit von rund 7,66 Millionen ausgegangen worden.

Grund seien laut Wojtek höhere Sachaufwendungen (1,66 Millionen Euro). Laut Vorlage sind aktuell aufgrund rückläufiger Asylbewerberzahlen die Unterkünfte nur zu 60 Prozent ausgelastet. Hierdurch könnten „Nutzungsgebühren nicht mehr realisiert werden“.

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