Offene Türen – aber weniger Frequenz

Iserlohn. Viel wird derzeit über die Situation in der Gastronomie oder anderen vom „Lockdown light“ betroffenen Branchen gesprochen, weniger über den Einzelhandel. Denn anders als beim umfassenden Lockdown im Frühjahr dürfen die Geschäfte, von kleineren Auflagen abgesehen, geöffnet bleiben. Dabei bekommt auch der Handel die Folgen des November-Lockdowns zu spüren. Weniger Kunden finden den Weg in die Innenstädte.

Von einer unbefriedigenden Situation spricht auch Felix Heutelbeck von B&U an der Unnaer Straße. Zum einen seien nach dem Frühjahrs-Lockdown auch im Sommer nie wieder die Umsätze wie vor der Corona-Krise erreicht worden. Und mit dem November-Lockdown seien sie nochmals stark zurückgegangen. Als eine wesentliche Ursache sieht Heutelbeck auch die Schließung der Gastronomie. Dadurch leide die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erheblich, was zu entsprechenden Rückgängen bei der Besucherfrequenz führe. Und auch andere Kunden würden vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen offenbar den Weg in die Innenstädte scheuen.

Ganz ist das Iserlohner Traditionshaus B&U auch im Sommer nicht aus der Kurzarbeit herausgekommen. Und die aktuelle Entwicklung, so Felix Heutelbeck, zwinge dazu, nunmehr die Kurzarbeit wieder auszudehnen. Mit Spannung wartet der Kaufmann darauf, welche Beschlüsse bei der nächsten Corona-Runde im Kanzleramt am 25. November gefasst werden. Denn die Einzelhändler würden dringend auf ein unter den Umständen halbwegs ordentliches Weihnachtsgeschäft hoffen. Auch deshalb: Die aktuelle Winterware wurde bei B&U bereits im Januar/Februar eingekauft. Und die Ware ist nun da. Nach Ausbruch der Coronakrise hätte bei den Bestellungen auch nur noch wenig nachjustiert werden können.

Claudio Vurro, Verkaufsleiter des Iserlohner Saturn-Marktes, hat ebenfalls einen deutlichen Rückgang bei der innerstädtischen Besucherfrequenz ausgemacht. Auch Vurro sieht eine der Ursachen in der Schließung der Gastronomie, auch wenn diese noch außer Haus verkaufen dürfe. Und auch der Weihnachtsmarkt als wichtiger Besucheranker in der bevorstehenden Adventszeit werde fehlen. „Es ist eine schwierige Zeit. Sowohl der Kunde als auch wir müssen mit der Situation irgendwie zurechtkommen“, sagt Vurro, und: „Wir könnten momentan sicherlich deutlich mehr Umsatz machen, aber die Gesundheit der Menschen hat derzeit Vorrang.“ Man müsse irgendwie durch diese Zeit kommen. Bei Saturn versuche man, die geltenden Corona-Spielregeln sehr konsequent umzusetzen. Dazu gehöre auch ein digitales Kundenzählsystem, mit dem sichergestellt werde, dass sich nie mehr als 115 Kunden gleichzeitig im Markt aufhielten.

Um Kundenströme noch besser entzerren zu können, so Vurro, habe man ab kommender Woche wieder das frühere Ladenlokal von Cantus an der Unnaer Straße angemietet. Dort soll dann unter anderem die Abholung von vorbestellter Ware abgewickelt werden.

Auch Claudio Vurro ist sehr gespannt, welche Beschlüsse in der kommenden Woche vor dem Hintergrund weiterhin hoher Infektionszahlen gefasst werden.

Positives Einkaufserlebnisfür Kunden schaffen

Volker Hellhake, Vorsitzender der Iserlohner Werbegemeinschaft, spricht von Bemühungen, trotz aller Widrigkeiten ein positives Einkaufserlebnis für die Kunden zu schaffen. Dazu gehört die Überlegung, die zahlreich aufgestellten Weihnachtsbäume nach Möglichkeit noch zu schmücken. Hoffnung setzt man auch auf den Antrag, erneut kostenloses Parken in der Innenstadt anbieten zu können.

Aktuell verzeichnet Hellhake, Inhaber von Life-Sport, sinkende Kundenresonanz vor allem unter der Woche, während es freitags und samstags momentan noch halbwegs zufriedenstellend laufe. Von einer ähnlichen Tendenz würden auch Händlerkollegen sprechen. Auswirkungen des November-Lockdowns und der Maskenpflicht seien klar zu spüren. Kunden würden immer öfter nur noch bei unmittelbarem Bedarf kaufen.

Über lange Zeit werde der stationäre Innenstadthandel die aktuelle Situation nicht mehr aushalten. Skeptische Kunden, so Hellhake, könnten auch selbst zu einer Entzerrung beitragen, in dem dann eingekauft werde, wenn tendenziell mit weniger Frequenz zu rechnen sei, also beispielsweise unter der Woche, siehe oben.

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