Kriminalität

Opfer-Familie wurde mehrfach belästigt

Im Kreuzungsbereich Alexander-/Südstraße hatte ein Lebensretter den verletzten Gastronomen Samstagnacht eingesammelt und ins Krankenhaus gebracht.

Foto: Cornelia Merkel

Im Kreuzungsbereich Alexander-/Südstraße hatte ein Lebensretter den verletzten Gastronomen Samstagnacht eingesammelt und ins Krankenhaus gebracht. Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Der geständige Messerstecher (61) ist bereits als Gewalttäter aktenkundig.

Warum sich der Zorn eines 61-jährigen Iserlohners ausgerechnet gegen den 59-jährigen Gastronomen gerichtet hat, so dass er diesem am vergangenen Samstagabend aufgelauert und ihn mit einem Küchenmesser niedergestochen hat, gibt den Ermittlern Rätsel auf – auch wenn er bei der ersten Vernehmung die Bluttat gestanden hat (wie berichtet).

Der Beschuldigte, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt, ist nämlich „nur ein Bekannter der Familie“. Die fast tödliche Messerattacke hat mit dem Opfer direkt nichts zu tun, sondern scheint ein Racheakt gegen eine Familie zu sein, die seit 30 Jahren in Iserlohn lebt. Das erklärte ein Sohn des Opfers beim Besuch in unserer Redaktion.

Anzeigen wegen Handgreiflichkeiten

Dem Vernehmen nach soll der arbeitslose Angreifer Mitglieder der Iserlohner Familie aber schon über einen längeren Zeitraum terrorisiert und gestalkt haben. Die Betroffenen hätten deswegen Anzeigen wegen Handgreiflichkeiten und Stalkings gegen ihn bei der Polizei erstattet, war zu erfahren. Der Beschuldigte habe auch Gäste ihres Lokals belästigt und dort auch Hausverbot vom Besitzer des Geschäftes erhalten.

„Der Beschuldigte ist bei der Polizei als Gewalttäter aktenkundig“, erklärte Staatsanwalt Bernd Maas am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. „Die Mordkommission ermittelt noch. Er ist strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten und hat vier Vorstrafen wegen Körperverletzungsdelikten aus den Jahren 2006 bis 2012. Außerdem findet sich dort ein Eintrag wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz.“ Wie zu erfahren war, ging es dabei auch um häusliche Gewalt. Das Gewaltschutzgesetz bezweckt den Schutz einer Person vor allen Formen von Gewalt im privaten häuslichen Umfeld. Seit der Neuregelung können Personen, von der eine Gewaltgefährdung ausgeht, polizeilich der Wohnung verwiesen werden, während das Opfer häuslicher Gewalt bleibt und nicht woanders Zuflucht suchen muss.

Möglicher Zusammenhang der „Beziehungstat“, bei der der Täter neben Pfefferspray ein Messer gegen den Anwohner der Südstraße vor dessen Wohnungstür eingesetzt hat: Die Exfrau des geständigen Messerstechers ist seit Jahren mit dem Bruder des Opfers liiert und hat früher bei der Familie als Aushilfe gearbeitet.

Überfallener Pizzabäcker ist auf dem Weg der Besserung

Der zunächst lebensgefährlich verletzte Pizzeria-Besitzer, dem der Beschuldigte mit einem Küchenmesser drei Stiche in Bauch und Rücken versetzt hatte, ist nach einer Notoperation außer Lebensgefahr.

„Meinem Vater geht es mittlerweile deutlich besser“, sagte ein Sohn gegenüber unserer Zeitung. „Er kann schon wieder laufen.“ Er nutzte die Gelegenheit, sich öffentlich bei dem Mann zu bedanken, der seinen verletzten, stark blutenden Vater am Samstag gegen 23 Uhr im Kreuzungsbereich Süd-/Alexanderstraße aufgelesen und mit seinem Wagen ins Bethanien-Krankenhaus gebracht hatte, von wo aus das Opfer ins St.-Elisabeth-Hospital verlegt worden war: „Wir wissen nicht, wie es ausgegangen wäre, wenn er nicht angehalten hätte. Der Mann hat ihm das Leben gerettet“, sagte der Sohn des Opfers. Vor dem Haus erinnert nur noch ein von der Spurensicherung auf das Pflaster gesprühter weißer Kreis an den Tatort, wo dem Opfer der Schlüssel aus der Hand fiel.

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