Landgericht

Opfer leidet noch immer unter psychischen Folgen

Am Freitag sprach die Strafkammer das Urteil.

Am Freitag sprach die Strafkammer das Urteil.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Zweieinhalb Jahre Haft für 42-jährigen Iserlohner

Zweieinhalb Jahre Haft und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung hat die 9. große Strafkammer für einen 42-jährigen Iserlohner angeordnet. Der Hagener Gutachter Dr. Nikolas Grünherz hatte dem geständigen Angeklagten einen Hang zu exzessivem Drogen- und Alkoholkonsum attestiert und eine Drogentherapie empfohlen, um künftig weitere Straftaten zu verhindern.

Was war geschehen? Am 13. September hatte der mehrfach einschlägig vorbestrafte Drogensüchtige sich morgens zwei halbe Liter Bier einverleibt, bevor er sich bei der Ärztin in der Werkstatt im Hinterhof Methadon abholte. „Danach trank er noch weitere fünf halbe Liter Bier, um sich Mut fürs Betteln anzutrinken und konsumierte zwei bis drei Portionen („Bubbles“) Heroin.“ So rekonstruierte Richter Dennis Streck nach der dreitägigen Beweisaufnahme vor dem Hagener Landgericht den Tattag: Auf dem Rewe-Parkplatz am Bädeker Platz bettelte der Iserlohner einen 65-jährigen Rentner um Bargeld an. Als dieser ihn unwirsch abwies, wurde der Bettler ausfallend und zog ein Teppichmesser aus der Hose. „Ich schlachte euch alle ab. Tu die Kohle raus. Tu mich nicht beleidigen“, so drohte er dem Mann. Der befand sich zwischen zwei Autos und konnte nicht ausweichen, als der 42-Jährige vor dessen Kopf mit dem Messer herum fuchtelte.

Der Drogensüchtige forderte das Handy seines Opfers. Der Rentner rückte zehn Euro raus, stieg in sein Auto und fuhr davon. Noch heute leidet der Hemeraner unter den Folgen dieses Überfalls: Er berichtete von Schlafstörungen und extremer Schreckhaftigkeit. Seither befindet er sich in psychiatrischer Behandlung. Der Angeklagte stand bei der Tat unter erheblichem Alkohol- und Drogeneinfluss, befand der Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz, der ihm eine verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Der Überfall geschah nur vier Monate nach seiner letzten Verurteilung wegen Beschaffungskriminalität.

Problematische Kindheitund viele Vorstrafen

Richter Streck sprach von einer „erheblichen Rückfallgeschwindigkeit“ des Drogensüchtigen, der seit seiner schwierigen Kindheit, in der er sexuell missbraucht worden war, vielschichtige Probleme hatte und wegen etlicher Drogen-, Gewalt- und Eigentumsdelikte mehrfach verurteilt worden war. „Mit diesem Urteil bekommen Sie eine Chance, an Ihrer Drogensucht zu arbeiten. Mit der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt können Sie in die Therapie gehen“, unterstrich Richter Strecker. „Wenn die keinen Erfolg hat, müssen Sie zurück ins Gefängnis.“ Verteidigerin Julia Kusztelak betonte abschließend: „Mein Mandant will so schnell wie möglich in die Therapie.“

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