Bauernkirche

Optisch ist sie jetzt schon ein Prachtstück

Von außen sieht sie fertig aus, die Kiste vor der Orgel verrät aber, dass noch ein paar Pfeifen im Inneren fehlen.

Von außen sieht sie fertig aus, die Kiste vor der Orgel verrät aber, dass noch ein paar Pfeifen im Inneren fehlen.

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.  Die neue Orgel der Bauernkirche ist von außen betrachtet fertig, der Intonateur hat aber noch eine Menge zu tun.

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So langsam mache es auch Spaß, auf ihr zu spielen, sagt Matthias Wagner über die neue Orgel, die inzwischen die Bauernkirche beherrscht. Das Gerüst ist verschwunden, der Spieltisch ist bereit, die Prospektpfeifen glänzen und auch das untere Metallgehäuse ist komplett. Sogar die „Spanischen Trompeten“, die über dem Spieltisch zwei Meter weit in den Raum ragen, sind schon angebracht. Die Orgel sieht rein äußerlich jedenfalls fertig aus.

Der Schein trügt aber. Noch immer sind nicht alle Pfeifen im Inneren der Orgel an Ort und Stelle. Und das mit dem Spielen bezieht sich auch eher nur auf einzelne Register, die Orgelbaumeister Matthias Wagner bereits intoniert, also auch klanglich auf Hochglanz gebracht hat. Die Register untereinander harmonieren aber noch nicht. Erst in der letzten Woche vor der Einweihung erfolgt eine erste Generalstimmung. Erst dann wird aus den 2273 Pfeifen ein Instrument. Und erst dann kann man auch den endgültigen Klang beurteilen.

Auch andere Handwerker vollenden noch ihr Werk

Die angesprochene Einweihung rückt indes mit immer größeren Schritten näher. In drei Wochen, am Freitag, 6. Dezember, wird Olivier Latry, Titularorganist an Notre Dame in Paris, nach Iserlohn reisen, um die neue Grenzing-Orgel, die sich ja klanglich an der französischen Orgellandschaft und den großen Instrumenten in Paris orientiert, in einem ersten großen Konzert brausen und in all ihren klanglichen Möglichkeiten hören lassen.

„Die Zeit rast“, meint auch Wagner. Es werde – wie immer bei solchen großen Projekten – am Ende doch knapp. Auch, weil er als Intonateur dieses Orgelneubaus der spanischen Orgelbaufirma Grenzing natürlich nicht der Einzige sei, der kurz vor Schluss noch viel zu tun hat. Neue Scheinwerfer im Altarraum samt Gerüstbau, neue Bestuhlung im ganzen Kirchenschiff, eine motorbetriebene Verdunkelung an dem großen Südseiten-Fenster direkt neben der Orgel, Sanierung der Toiletten und und und – es gibt noch viele letzte Handgriffe zu tun und die Zahl der Handwerker, die tagsüber das Intonieren, also das konzentrierte Hören, erschweren, ist in den letzten Tagen wieder angestiegen.

„Wir weichen immer öfter in die Abend- und Nachtstunden aus, um hier in Ruhe arbeiten zu können“, sagt auch Boscij Nawka, der als zweiter Orgelbaumeister noch vor Ort ist und für die letzte Etappe des Baus der Orgel zuständig ist. Er feilt noch an den Windkanälen, räumt letzte technische Probleme aus und bessert alles aus, was dem Intonateur bei seiner Arbeit noch auffällt – Kleinigkeiten, die oft dazu dienen, den Arbeitsplatz des Intonateurs und damit auch späterer Orgelstimmer im Inneren der immer enger werdenden Orgel zu optimieren, damit man sich dort noch halbwegs gut bewegen und überall Halt finden kann.

Die Pfeifen sprießen wie der Eisenwald von Iserlohn

Von außen betrachtet ist die Orgel aber im Grunde fertig – und jetzt schon ein Prachtstück, das den Kirchenraum nun tatsächlich dominiert. Ein moderner Monolith, wie Matthias Wagner es einmal beschrieben hat, von dem man gar nicht weiß, aus welcher Galaxie er ist und wie er in diese kleine, mittelalterliche Kirche gefallen ist. Ein starker Anblick, der einen beim Eintritt in die Kirche auf jeden Fall fesselt.

Ein Anblick aber auch mit Aussagekraft für Iserlohn. Denn die Orgel als Ganzes soll den Eisenwald, für den der Name Iserlohn ja steht, symbolisieren. Das untere Gehäuse ist mit verrosteten Stahlplatten verkleidet – verrosteter Stahl als Bild für den Grund, auf dem Iserlohn steht.

Ein Material, wie man es inzwischen auch schon an anderen Orten in direkter Nachbarschaft der Bauernkirche sehen kann, etwa auf dem Vorplatz des Stadtbahnhofs oder auf den Kreisverkehren in der südlichen Innenstadt, und das sich langsam aber sicher als gültiges Symbol der Waldstadt etabliert.

Aus dem Eisenfundament sprießen in der Bauernkirche nun die Pfeifen wie ein Wald. Mächtige Bäume, die bis zur Decke ragen, dahinter sind aber, wenn man genau hinsieht, auch die anderen Pfeifen zu erkennen, klitzekleine, mittelgroße und große aus Holz und Metall, ein richtiges Dickicht, wie man es eben auch in einem richtigen Wald sehen kann. Normalerweise, sagt Matthias Wagner, sei dieses „Dickicht“ nicht zu sehen, die eigentliche Orgel hinter den großen, glänzenden Prospektpfeifen werde oft und üblicherweise verkleidet, weil es ordentlicher aussieht. In diesem Fall findet aber auch der Intonateur, dass es ganz schön wäre, wenn man das Leben der Orgel hinter der Fassade sehen könne. Entschieden ist die Frage, Verkleidung ja oder nein, letztendlich aber noch nicht.

Einweihung am 6. Dezember mit Olivier Latry aus Paris

Bis zur Einweihung sind ja noch drei Wochen Zeit. Trotz des wachsenden Drucks sind aber beide Orgelbauer sicher, dass alles fertig wird. Vermutlich muss noch einmal ein Wochenende dran glauben, denn am 6. Dezember muss alles perfekt sein, ein Nachbessern gibt es nicht. „Olivier Latry ist ein wirklich Großer“, sagt Boscij Nawka. Das sei nicht ohne. „Da muss alles tipptopp sein.“

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