Tradition

Osterfeuer bringen Iserlohn zum Strahlen

„Flamme an“ hieß es am Wochenende in Drüpplingsen und vielen anderen Ortsteilen Iserlohns.

„Flamme an“ hieß es am Wochenende in Drüpplingsen und vielen anderen Ortsteilen Iserlohns.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Vor allem im Norden, aber auch in Wermingsen und Heide-Hombruch wurde am Wochenende gefeiert.

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Das Pilsken scheint zu schmecken, Lars, ein Iserlohner, steht zwischen Feuer und weiten Wiesen, weist auf Sümmern in der Ferne, ein paar Gehöfte, Waldstücke und Felder. Der Himmel ist blau und klar. „Das ist doch großes Kino hier“, sagt er. „Darum komme ich jedes Jahr her.“ Es beginnt gerade zu dämmern auf dem Segelflugplatz Rheinermark, wo der LSV Ruhr-Lenne Iserlohn am Sonntag wieder geladen hat. Vielleicht das kleinste öffentliche Osterfeuer am Wochenende, wahrscheinlich eines der schönsten, ganz sicher aber das mit der besten Aussicht.

In Sachen Osterfeuer ist Iserlohn am Samstag und Sonntag mal wieder fest in „nordischer“ Hand. Die Feuer in den Ortsteilen locken das meiste Publikum an, doch auch in Wermingsen und Heide-Hombruch profitieren die Veranstalter von dem sommerlichen Wetter.

In Kalthof ist am Samstagabend Landwirt Ulrich Brinckmann bei den Kindern der Star, als er am frühen Abend mit dem Traktor auf der Wiese Am Glockenturm vorfährt. Da brennt das Feuer schon längst, muss allerdings später noch eben mit dem landwirtschaftlichen Gerät umgeschichtet werden. Ein Hauch von Festival-Atmosphäre herrscht hier vor, Sitzgruppen auf grüner Wiese hier und da. So lange die Sonne noch scheint, wandert ein Teil der Besucher mit den wärmenden Strahlen vom Schatten weg zu den Feldern hin.

Regionale Produkte und die „Jini ,ausse’ Bottle“

Auftakt ist in Kalthof bereits gegen 18 Uhr mit dem Treffen am Dorfplatz, wo es Fackeln für die Kinder gibt und dann hinüber zur Wiese geht, wo das Osterfeuer erst zum dritten Mal stattfindet. „Wir hatten damals erst Bedenken, ob das angenommen wird“, blickt Michael Maiwald, der Vorsitzende der organisierenden Vereinsgemeinschaft Kalthof-Leckingsen-Refflingsen, zurück. Inzwischen sei aber alles eingespielt. Neben regionaler Bratwurst gibt es Waldstadt-Pils. Regional – „dafür stehen wir hier“, sagt Maiwald.

Ein paar Kilometer weiter in Rheinen steigt bei Alex und Jini („Wie die Jini ,ausse’ Bottle“) ebenfalls am Samstagabend die Stimmung. Das Feuer der Dorfgemeinschaft auf dem Hof am Osterfeldweg mit Verpflegung unterm Scheunendach hat wie immer seinen eigenen Charme, der zahlreiche Besucher lockt. Die Ställe stehen für die jüngeren Besucher zum Gucken offen – die Tochter von Alex ist überglücklich, hat sie doch ihre Herzkuh gefunden, oder zumindest eine Kuh, deren Fell ein entsprechend aussehendes Muster aufweist.

Die Dorfgemeinschaftsvorsitzende Doris Mikus ist stolz auf Dörfchen und Gemeinschaft. Und auch ein bisschen, dass die Rheinener seit 40 Jahren mit dem Feuer etwas auf die Beine stellen, was es im größeren Hennen nicht gibt. „Und ein Osterfeuer kurzärmelig verbracht haben wir auch lange nicht.“

In Sümmern beginnen am Sonntagabend gegen 19Uhr in gegenseitiger (Rauch-)Sichtweite die beiden Traditionsfeuer auf den Höfen Moneke und Drepper. Während es bei Drepper, wo der DJK Sümmern bei gutem Besuch für die Organisation sorgt, eher familiär und ruhig zugeht, hat man bei Moneke quasi die etwas lautstärkere Alternative. Schon von Weitem hört man die Bässe aus den Boxen schallen. Beide Veranstaltungen sind etabliert und eingespielt. „Nur das Stockbrot für die Kinder ist neu“, sagt DJK-Vorsitzender Ansgar Spiekermann, der mit rund 50 Prozent-Kinderanteil einen ausgesprochen jungen Verein vorsteht. Das Erfolgsgeheimnis? „Wir arbeiten daran.“ Das hört man doch gerne. Und sieht strahlende Gesichter überall.

Auch bei Moneke, wo die Jugend der Schützenbruderschaft St. Sebastian federführend ist, ist gute Laune quasi ein Selbstläufer. Jugendleiter und Mitorganisator Yannick Freiburg ist froh über das gute Wetter. „Und darüber, dass wir diesmal keinen Glühwein und Punsch verkaufen müssen.“

Der Weg nach Drüpplingsen als ein Teil des Ziels

In Drüpplingsen ist am Samstagabend für Steffi (37), Marco (34) und Alex (26) der Weg von Hennen über „die Waldeslust“ nach Drüpplingsen zwar nicht das Ziel, aber ein wichtiger Teil davon. „In Rheinen ist von der Dorfgemeinschaft alles super organisiert, aber hier in Drüpplingsen ist es etwas offener“, erklärt Steffi ihre Präferenz für das Osterfeuer des BSV. „Außerdem sind viele Freunde von uns aus der Kolpingsfamilie hier Mitglieder im Schützenverein“, sagt Marco. Man kennt sich halt.

Der Kassierer der 3. Kompanie, Joachim Welzel hofft derweil schon am frühen Abend, das gute Ergebnis von 4000 verkauften Wertmarken wie vor drei Jahren wieder erreichen zu können. Auch Udo Jodat (2. Vorsitzender) und Bernd Neumann (1. Kassierer) sind zufrieden.

Ebenfalls am Samstag zeigt der Zug Wermingsen, die 3. Kompanie des IBSV, dass nicht nur der Iserlohner Norden Osterfeuer kann. Zugführer Ralf Steinbrink freut sich über das „Bombenwetter“, das für die Organisatoren Grund genug war, 30 Prozent mehr Getränke einzukaufen. „Sogar Wasser“, scherzt der gut gelaunte Steinbrink, auch einen zusätzlichen Bierwagen hat man auf dem Sportplatz bereitgestellt, der bereits beim Anfeuern gegen 18 Uhr gut gefüllt ist. Damit alles funktioniert, unterstützen Ehrenamtliche des VfK Iserlohn die Veranstaltung, für die Kinder gibt es ein kleines Extrafeuer mit Stockbrot. Mit dabei ist auch das amtierende Schützenkönigspaar Volker Halfmann und Stefanie Köchig.

Eine weitere nicht-nordische Osterfeuer-Bastion findet sich ebenfalls am Samstag am Jugendtreff Heide-Hombruch, wo die Stadtteilgemeinschaft wieder geladen hat. Ungewöhnlich: Zum Entzünden des Feuers gibt es hier Osterlieder auf dem Kornett zu hören. Würstchen vom Grill, der Osterhase höchstpersönlich und das ein oder andere Kaltgetränk tragen auch hier zur guten Stimmung bei.

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