Ehrengabe

Pankratius verdrängt Bürgermeister Duesberg

Der Dueberg-Teppich von 1937 schlummert im Magazin des Stadtmuseums. Vor zehn Jahren wurde er in einer Ausstellung gezeigt. Diese Szene zeigt, wie Bürgermeister Henrich Duesberg 1633 die Stadt vor Plünderung bewahrt.

Der Dueberg-Teppich von 1937 schlummert im Magazin des Stadtmuseums. Vor zehn Jahren wurde er in einer Ausstellung gezeigt. Diese Szene zeigt, wie Bürgermeister Henrich Duesberg 1633 die Stadt vor Plünderung bewahrt.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Die neue Ehrengabe für verdiente Bürger Iserlohns, die Pankratius-Medaille, sorgt für Verwirrung.

Der Mann war mutig: Er wollte seine Heimatstadt vor den gierigen Plünderern der Kaiserlichen schützen. Das kostete Henrich Duesberg, früher honoriger Bürgermeister Iserlohns, 1633 das Leben. Seit 1928 hat die Stadt ihm zu Ehren die Duesberg-Plakette für herausragendes bürgerschaftliches Engagement vergeben. Seit einer Woche ist das anders, das Gedenken an Duesberg ist auf Vorschlag von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens Geschichte. Die Pankratius-Medaille wird stattdessen vergeben. Eine Entwicklung, die nicht viele in Iserlohn gutheißen.

Zum Einen ist da der Umstand der Verleihung an den früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Dimitrios Axourgos am Dienstag vor einer Woche. „Eigentlich beschließen wir solche Auszeichnungen im Kreise der Fraktionsvorsitzenden. In diesem Fall gab es nur eine E-Mail vom Bürgermeister, dass Axourgos geehrt werden soll“, weiß der CDU-Fraktionsvorsitzende Fabian Tigges.

Er erinnere sich an den Beschluss des Rates vor zwei Jahren, die Pankratius-Medaille für ausscheidende Ratsmitglieder einzuführen. Dass damit die Abschaffung der Duesberg-Plakette einhergehe, sei ihm und sicher auch einigen anderen Ratsherren so nicht klar gewesen, meint Tigges.

Tatsächlich hat der Rat den Vorschlag des Bürgermeisters am 15. November 2016 beschlossen, künftig eine Pankratius-Plakette zu stiften. Die kann künftig an Bürgerinnen und Bürger vergeben werden, „die sich auf dem Gebiete des bürgerschaftlichen Engagements um die Stadt außergewöhnlich verdient gemacht haben, oder Persönlichkeiten, die mindestens 20 Jahre lang im Vorstand oder in einer anderen herausgehobenen Funktion eines Vereins oder Verbandes ehrenamtlich tätig waren.“

Gegen Duesberg, von dem man sich verabschieden will, habe es Vorbehalte gegeben, erklärt Ingo Niebecker aus dem Büro für Ratsangelegenheiten. „Die Nationalsozialisten haben Duesberg vereinnahmt“, begründet Niebecker die Änderungen bei den Ehrengaben der Stadt. Für Götz Bettge, früherer Stadtarchivar, ist die neue Ehrung „sehr weit hergeholt.“ Das scheine ihm, so sagt er, ein Schnellschuss mit Blick auf die Debatte um den Fritz-Kühn-Platz und die Rolle des Namensgebers während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945. „Die Duesberg-Plakette ist 1928 gestiftet worden, also fünf Jahre vor der NS-Machtübernahme. Sie ist meines Wissens nach auch nie einem hochrangigen Nationalsozialisten verliehen worden. Wenn ich das recht erinnere, tauchte die Ehrung erst nach dem Krieg und damit nach der NS-Zeit wieder auf.“

Als einziger Politiker, so erinnert sich Bettge, sei der Sozialdemokrat Gustav Meese nach 1945 mit der Plakette ausgezeichnet worden.

Duesberg so der frühere Stadtarchivar Bettge, sei durch seinen Tod im Jahre 1633 definitiv unverdächtig, ein Nationalsozialist gewesen zu sein. Dass während der NS-Zeit ein Teppich entstand, der die Sage um den großen Sohn der Stadt bildhaft erzählt, könne man dem alten Bürgermeister auch nicht anlasten. Und selbst Gerd Schäfer, Leiter des Stadtmuseums, hat bei der Eröffnung einer Ausstellung, bei der man den umstrittenen Teppich vor zehn Jahre zeigte, deutlich gemacht: „Eine abschließende Beurteilung, ob es sich bei dem Wandteppich über Henrich Duesbergs Einsatz für die Stadt Iserlohn um ein nationalsozialistisches Kunstwerk handelt, gibt es nicht.“

Nun aber dem heiligen Pankratius eine Ehrenplakette zu widmen, sei verwunderlich, sagt der frühere Archiv-Leiter Götz Bettge. „Er ist zwar Stadtpatron und im Wappen zu sehen, aber das muss man mit Blick auf die Zeit sehen. Es gab viele Städte, die Märtyrer zu Schutzpatronen erkoren haben. Allerdings hat St. Pankratius mit Iserlohn nicht viel zu tun, beim ehemaligen Bürgermeister Henrich Duesberg ist das anders“, wie Bettge berichtet.

CDU will das Themaauf der Tagesordnung

SPD-Fraktionschef Peter Leye sagt, dass ihm nicht ganz klar sei, warum Duesberg „raus musste. Er hat sich doch offenbar ehrenvoll verhalten im 30-jährigen Krieg. Er sei da leidenschaftslos. Linken-Fraktionschef Oliver Ruhnert ist dagegen leidenschaftlich „grundsätzlich gegen solche Ehrungen. Es gibt wichtigere Themen. Man sollte etwas erreicht haben, bevor man geehrt wird.“

Die CDU will das Thema bei einer der nächsten Runden der Fraktionsvorsitzenden jedenfalls wieder auf die Tagesordnung setzen lassen. „Ich habe Gesprächsbedarf“, sagt Fraktionschef Fabian Tigges.

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