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Pawel, Paul und der Stolz auf einen von uns

Zum ersten

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Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Seit Samstag ist Paul Ziemiak Generalsekretär der CDU. Wegbegleiter und Freunde erinnern sich.

Als Pawel Ziemiak am 6. September 1985 in der pommerschen Hafenstadt Stettin geboren wird, regiert der General Wojciech Witold Jaruzelski die von den Kommunisten heruntergewirtschaftete Volksrepublik Polen mit eiserner Hand. Drei Jahre später kommt der Junge von der Oder mit seinen Eltern ins Auffanglager Unna-Massen, weniger später zieht die Familie nach Iserlohn. Die Ziemiaks haben sich während einer Reise in die Bundesrepublik entschlossen, hier zu bleiben, der armen und von politischen Wirren erschütterten Heimat den Rücken zu kehren.

Man lebt bescheiden in der neuen Heimat Iserlohn, aus Pawel wird Paul, und im Kindergarten lernt er Deutsch. „Er war immer hochmotiviert“, sagt Petra Lamberts. Sie ist Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Iserlohn und begegnet Paul Ziemiak, der damals 15 Jahre jung und Vorsitzender des ersten Kinder- und Jugendrates ist, der den Jüngsten in der Stadt eine Stimme in Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung gibt. Mit dabei ist damals auch Dimitrios Axourgos, ein anderer Iserlohner, der in der Politik Karriere machen sollte. Der 35-jährige Sozialdemokrat ist heute Bürgermeister in der Nachbarstadt Schwerte, und Petra Lamberts erinnert sich genau, dass sich Ziemiak und Axourgos schon im Kinder- und Jugendrat nicht einig waren. „Politisch hatten die komplett andere Ansichten“, sagt sie und lacht.

„Der Junge hatte Lust,etwas zu verändern“

Petra Lamberts erinnert sich, wie man sprichwörtlich in einem Boot saß. Zur Gruppenbildung paddelt die Straßen-Sozialarbeiterin mit ihren jungen Begleiterinnen und Begleitern auf der Ruhr, sie hinten am Ruder, Ziemiak unermüdlich vorne am Paddeln. „Der Junge hatte Lust, etwas zu verändern, und er hatte damals schon die beeindruckende Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen“, sagt die heute 54-Jährige, die am Sonntag im Büro erreichbar ist, weil sie im Archiv nachsieht, wie das damals anfing mit Paul Ziemiak, der am Samstag zum jüngsten Generalsekretär der Christlich Demokratischen Union Deutschlands gewählt worden ist.

Das Wahlergebnis am Samstag beim Parteitag in Hannover war mit knapp über 60 Prozent nicht überragend. „Andererseits“, sagt Fabian Tigges, „war das ein Parteitag der Strömungen und der Kontroverse. Ich bin sicher, dass er beim nächsten Mal ein deutlich besseres Ergebnis einfährt.“ Als Tigges im Dezember des Jahres 2000 zur Jungen Union in Iserlohn kommt, ist Paul Ziemiak schon dabei. Tigges und Ziemiak sind ein Jahrgang. Tigges ist heute Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat von Iserlohn.

Am morgigen Dienstag ist die letzte Ratssitzung des Jahres. Ziemiak ist als Mitglied der Fraktion immer noch zuverlässig dabei, obschon er seit September 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2014 Bundesvorsitzender der Jungen Union war. Das Amt hat er am Wochenende abgegeben. Er ist jetzt Generalsekretär, wird ein Büro im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin beziehen und der organisatorische und politische Kopf der CDU sein. Annegret Kramp-Karrenbauer, die neue CDU-Vorsitzende, die den Sauerländer Friedrich Merz im Rennen an die Spitze der CDU überholt hat, konnte den Sauerländer Ziemiak überzeugen, sich als Generalsekretär zur Wahl zu stellen.

Er hat das Amt bekommen, jetzt fängt die Arbeit an. „Er wird viel zu tun haben“, sagt Tigges. Die Partei, von der alle politischen Experten sagen, dass sie derzeit die einzige in Deutschland ist, die in der Lage sein wird, die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler zu stellen, ist zu einen. „Er muss auch den Neuanfang organisieren, ein ,Weiter so’ kann es nicht geben“, ist Tigges überzeugt.

Stadtverband würdeVorsitzenden gern behalten

Als Ziemiak Ende der 1990er Jahre zur Jungen Union in Iserlohn kam, da war Karsten Meininghaus schon da. Der 46-jährige Oberstudienrat ist einer der Stellvertreter des Iserlohner CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Paul Ziemiak. Ob er das Amt jetzt abgeben wird, wo so viel mehr Arbeit in Berlin auf ihn wartet? „Wir würden ihn gerne behalten“, sagt Meininghaus, „aber wir werden sehen.“ Der Parteifreund Paul sei ein Naturtalent gewesen. „Von Anfang an“, sagt Meininghaus.

Jetzt ist Ziemiak mehr als ein Talent. Er ist gefragt als Manager der CDU, als Macher, der die Partei nach der Zerrissenheit um die Grundsatzfragen und die Kampfkandidaturen um den Vorsitz auf die neuen Zeiten einschwören, Wahlkämpfe organisieren, die Basis im Blick haben muss. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird seine Gesprächspartnerin sei, die neue Parteivorsitzende Annette Kramp-Karrenbauer, der er treu ergeben sein muss. Das gehört zum Geschäft.

Verlassen konnte man sich immer auf ihn, sagt Petra Lamberts. Paul Ziemiak setzt sich 2001 dafür ein, dass sie die erste Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt wird. „Das ist eine wichtige Position für die jungen Iserlohner“, hat er damals gesagt. Der schmächtige Jugendliche, der er damals war, ist sehr erwachsen geworden, selbst Vater eines kleinen Sohnes, den er vor einigen Wochen beim Besuch der Heimatzeitung dabei hat. Die wenigen freien Stunden und Tage nutzt er für die Zeit mit der Familie und für Gespräche mit den Weggefährten, die ihn gefordert und gefördert haben.

„Paul Ziemiak ist einer von uns. Wir sind sehr stolz, dass einer von uns es so weit nach oben geschafft hat“, sagt Karsten Meininghaus, Vizebürgermeister der Stadt. „Es war einerseits überraschend, dass er CDU-Generalsekretär geworden ist“, sagt der CDU-Politiker Meininghaus. „Andererseits auch nicht. Er hat das, was man braucht, wenn man ganz nach oben will. Den Willen, den Fleiß und die Energie und die Fähigkeit, nicht zu vergessen, wo man herkommt.“

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