Kirche

Pfarrgemeinderat für ganz Iserlohn

Pfarrer Johannes Hammer feiert am Sonntag mit allen Katholiken den Pankratius-Tag.

Foto: Ralf Tiemann

Pfarrer Johannes Hammer feiert am Sonntag mit allen Katholiken den Pankratius-Tag. Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.   Im Festhochamt zum Pankratiustag tritt am Sonntag die Pastoralvereinbarung in Kraft.

Ein 120-Seiten-Wälzer ist es geworden – sehr umfassend, sehr detailreich, ein weiter Rahmen für das zukünftige Leben im Pastoralverbund, der Spielräume lässt und vom Paderborner Bistum inzwischen nicht nur geprüft, sondern auch hoch gelobt wurde. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Gremien und Gruppen im Pastoralverbund Iserlohn diese Pastoralvereinbarung, die die zukünftige Arbeit auf allen Ebenen im Detail regelt, erarbeitet haben. Am morgigen Sonntag wird Domkapitular Thomas Dornseifer das umfangreiche Werk im Auftrag von Erzbischof Hans-Josef Becker an den Iserlohner Pastoralverbund überreichen und damit in Kraft setzen.

Der Pastoralverbund hat nur noch drei Gemeinden

„Deswegen ist es aber kein Evangelium, das bis zum jüngsten Tag gilt“, sagt Pfarrer Johannes Hammer. Die Pastoralvereinbarung sei für die nächsten Jahre konzipiert. Vor allem schreite die Entwicklung sehr schnell voran und das Rad habe sich bereits seit der Verabschiedung der Vereinbarung im Oktober 2016 schon wieder spürbar weitergedreht. So werden – wie berichtet – ab dem kommenden Jahr die sechs Stadtgemeinden (St. Aloysius, Hl. Geist, Hlgst. Dreifaltigkeit, St. Hedwig Nußberg, St. Josef Iserlohnerheide und St. Michael Gerlingsen) zu der neuen St.-Pankratius-Gemeinde verschmelzen. Das zukünftige Rechtsmodell sieht vor, dass der Pastoralverbund Iserlohn nur noch aus drei Gemeinden (Hennen/Kalthof, St. Gertrudis Sümmern und St. Pankratius) mit eigenständigen Kirchenvorständen bestehen wird.

Ein weiteres Novum ist, dass am zweiten November-Wochenende der erste Gesamtpfarrgemeinderat für den ganzen Pastoralverbund gewählt wird. „Die Gemeinden sollen aber an den Kirchtürmen lebendig bleiben“, greift Hammer den Befürchtungen vor, mit der Einrichtung eines solchen Gremiums werde das kirchliche Leben in den Stadtteilen sterben. Das Leben lasse sich nicht zentralisieren.

Der Gesamtpfarrgemeinderat soll demnach die Grundlinien der pastoralen Arbeit besprechen und vereinbaren, für Vernetzung und Informationsfluss sorgen. Mitglieder sind die gewählten Ehrenamtlichen, berufene haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und das Pastoralteam.

In den ehemaligen und noch bestehenden Gemeinden sollen dann Kirchenteams eingerichtet werden. Gerade hiervon verspricht sich Hammer ganz neue Impulse – und wenn möglich auch ganz neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Denn die Kirchenteams sollen eben nicht wie die früheren Pfarrgemeinderäte das Gemeindeleben nach alter Vorstellung aufrecht erhalten, da es zukünftig schlicht ein Ding der Unmöglichkeit sein wird, dass in jeder Gemeinde das kirchliche Komplettangebot mit allen Festen, Gottesdiensten und seelsorgerlichen Aufgaben aufrecht erhalten bleiben kann. Stattdessen sollen die Teams auf die geistliche Ausrichtung ihrer Arbeit achten. „Bei uns hat sich eine Art Sitzungs-Katholizismus eingeschlichen, bei dem man sich fragt, wo Gott überhaupt noch eine Rolle spielt“, sagt Johannes Hammer. „Wir müssen wieder zum Kerngeschäft zurück, die Spiritualität wieder stärker in den Blick nehmen und unsere geistliche Ausrichtung schärfen.“

Daher setzt er in den Kirchenteams viel stärker auf Teilhabe und Eigenständigkeit. Die Teams sollen ihre Gemeinde und ihren Stadtteil in den Blick nehmen und versuchen, das zu bewegen, was in ihren Kräften steht. Sie sollen nicht alles bedienen, sondern einen oder zwei Schwerpunkte herausarbeiten – in Ergänzung zu den Schwerpunkten in anderen Stadtteilen. Sie sollen eigenständig handeln, ihre Entscheidungen mit dem Gesamtpfarrgemeinderat rückkoppeln und sich nach Möglichkeit unter Begleitung zu Gemeindeleitungsteams weiterentwickeln. Interessenten können sich bis Ende November bei den bisherigen Pfarrgemeinderäten melden.

Weiterhin Sonntagsmessenin allen neun Kirchen

Die Gottesdienstordnung, so Hammer, werde von all dem noch nicht berührt. Bei derzeit fünf Priestern im Pastoralverbund sei ein Sonntagsgottesdienst oder eine Vorabendmesse in jeder der neun Kirchen garantiert. Auch bei vier Priestern könne das so fortbestehen. Langfristig sieht der Personalschlüssel aber nur noch 2,5 Priester und lediglich 1,5 Gemeindereferenten für die 19 000 Iserlohner Katholiken vor. Schon jetzt sei es daher angesagt, sich über ein kreatives Gebäudemanagement Gedanken zu machen.

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