Märkisches Gymnasiu

Prof. Dr. Muthmann: Visionär in revolutionärer Schul-Phase

Der jetzt verstorbene Prof. Dr. Gustav Muthmann (2. v.re.) nahm gemeinsam mit seinen Nachfolgern Franz-Josef Schlotmann (re.) und Gerhard Müller-Frerich (†) im Februar 2013 an der Amtseinführung der neuen Schulleiterin am Märkischen Gymnasium, Oberstudiendirektorin Dr. Rita Köhler

Der jetzt verstorbene Prof. Dr. Gustav Muthmann (2. v.re.) nahm gemeinsam mit seinen Nachfolgern Franz-Josef Schlotmann (re.) und Gerhard Müller-Frerich (†) im Februar 2013 an der Amtseinführung der neuen Schulleiterin am Märkischen Gymnasium, Oberstudiendirektorin Dr. Rita Köhler

Foto: Michael May

Iserlohn.   Im Alter von 96 Jahren ist der langjährige Direktor des Märkischen Gymnasiums Iserlohn, Prof. Dr. Gustav Muthmann, in Bochum gestorben.

Ein Mann mit einer frischen humorvollen Art, mit großem wissenschaftlichem Ernst gepaart mit einer unermüdlichen Gründlichkeit. Und das alles ohne dabei nach Gunst und Wohlgefallen zu schielen. So in etwa würdigte im Juni 1985 der damalige Regierungsschuldirektor Eckhardt den scheidenden Direktor des Märkischen Gymnasiums (MGI), Oberstudiendirektor Dr. Gustav Muthmann. Und wer diesen Herzblut-Pädagogen gekannt hat, wird vielleicht aus der Erinnerung auch noch hinzufügen: ruhig, aber bestimmt. Neuem gegenüber stets aufgeschlossen bei gleichzeitigem Bemühen um einen Werte-Erhalt.

In seinen 25 Jahren (1960 bis 1985) im Direktorat der Iserlohner Traditionsschule erlebte und prägte der in Bochum-Langendreer geborene Sohn eines Reichsbahnschreiners durchaus „revolutionäre“ Veränderungen in der Schullandschaft. So unter anderen die Verwandlung des reinen Jungen-Gymnasiums in eine Stätte koedukativer Erziehung. Natürlich auch den stadthistorisch überaus bedeutsamen Umzug der Schule von der Gerichtstraße zum Hemberg im Juli 1977. Und auch die von ihm 1970 initiierte Einführung des „Iserlohner Modells“, ein erster Schritt in Richtung einer in diesen Zeiten viel und kontrovers diskutierten Oberstufenreform, nach deren Vorbild nur drei Jahre später eine grundlegende Veränderung für die ganze Bundesrepublik eingeführt wurde.

Getrieben vom Wunsch, Elerntes weiterzugeben

Heute muss man rückblickend zudem anerkennen, dass Prof. Dr. Muthmann bereits in seiner Antrittsrede vor nunmehr fast 58 Jahren überaus visionär unterwegs war, sprach er doch über die Themen „Gerechte und sinnhafte Auswahl beim Eintritt in die Schule“, die Möglichkeiten der Förderstufe, ein „stärkerer, mittlerer Abschluss“ und das Wesen und die Gestaltung der Reifeprüfung, sprich des Abiturs. Alles Themen, die auch heute noch ganz oben auf der Agenda der Schulpolitiker und Bildungsfachleute stehen.

Schon im eigenen Einser-Abitur-Zeugnis des Gustav Muthmann fand sich der Hinweis „. . .will Philologie studieren“. Ein Berufswunsch und -ziel, von dem sich der junge Mann auch letztendlich nicht durch eine unausweichliche Kriegsmarine-Zeit abbringen ließ. Seinen großen, ungebeugten Willen zur Durchsetzung dieser Lebenspläne mag eine Erzählung von ihm aus den ersten Tagen nach Kriegsende verdeutlichen: „Da es noch keine Zugverbindungen gab, trampte ich auf abenteuerlichen Wegen nach Münster und fand dort die meisten Universitätsgebäude zerstört. Ich hatte Glück, Professor Trier anzutreffen. Er hatte keine Hoffnung auf Wiedereröffnung des Studienbetriebs, wusste aber, dass die Universität Göttingen demnächst wieder eröffnen werde. Also trampte ich am nächsten Morgen auf ebenso abenteuerliche Weise nach Göttingen, wo vor dem Sekretariat schon viele anstanden und ich tatsächlich eingeschrieben wurde.“ Muthmann dissertierte im Jahr 1951 über den „religiösen Wortschatz in der Dichtersprache des 18. Jahrhunderts“.

Die Versuchung, in Göttingen zu bleiben und weiter universitär zu arbeiten, sei damals groß gewesen, berichtete er später, allerdings habe ihn auch sein alter Wunsch, Erlerntes weiterzugeben, unbändig in die Lehrrichtung getrieben. Ein Wunsch, der ihn schließlich nach mehreren Stationen in der Heimat Bochum ans MGI führte.

Auch im Privaten gab es Anfang der Sechziger „Veränderungen“. Er heirate 1961 die damalige Studienassessorin Marianne Friemann, ein Jahr später wurde Tochter Bettina geboren, 1964 komplettierte Sohn Robert die Familie des Pädagogen. Von 1986 bis 1999 wurde Prof. Dr. Muthmann als Dozent an die Uni Siegen berufen.

Bei all seiner Fächervielfalt – eine besondere Vorliebe galt zweifelsohne der deutschen Sprache, die er in unterschiedlichster Annäherung erforschte und versuchte, transparent zu machen. Nicht zuletzt mit dem Sprach- und Schulbuch-Klassiker „Wort und Sinn“ ist sein Name unauslöschlich verbunden.

Prof. Dr. Gustav Muthmann ist in Bochum am letzten Tag des Jahres 2017 im gesegneten Alter von 96 Jahren gestorben.

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