Politik

Protest mit „dicken Sauerländern“

Bei aktiven Mittagspause der Polizei-Gewerkschaft ließen sich rund 70 Polizisten „Sauerländer“-Würstchen schmecken.

Bei aktiven Mittagspause der Polizei-Gewerkschaft ließen sich rund 70 Polizisten „Sauerländer“-Würstchen schmecken.

Foto: Michael May

Iserlohn.   70 Polizeigewerkschafter diskutieren enttäuschende Tarifverhandlungen

„Der Märkische Kreis hatte noch nie so wenig Polizisten wie jetzt. Wir sind auf dem Tiefstand“, erklärte jetzt Michael Kaufhold, Vorsitzender der Kreisgruppe MK der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er sprach bei der aktiven Mittagspause vor dem Kreishaus vor gefrusteten Kollegen über enttäuschende Tarifverhandlungen. „Die Länder können den Bezahlwettbewerb mit der Privatwirtschaft nicht gewinnen.“

Er kritisierte die katastrophale Personalpolitik der letzten 15 Jahre, die dazu geführt habe, dass kein Urlaubsgeld mehr gezahlt werde und 41-Stunden-Wochen nur wie 38,5-Stundenwochen vergütet würden: „Seit 15 Jahren konsolidieren wir den NRW-Haushalt durch eine nicht entlohnte Wochenstundenerhöhung, Kürzung des Weihnachtsgeldes auf Taschengeldniveau und Streichung des Urlaubsgeldes. Diese Streichungen haben jeden Polizisten ein Jahresgehalt gekostet“, sagte Kaufhold.

„Die Polizeigewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens 200 Euro mehr und 100 Euro für die Auszubildenden. Es geht um stufengerechten Aufstieg bei den Höhergruppierungen“, erläuterte Barbara Krause, stellvertretende Vorsitzende der GdP-Kreisgruppe. Damit seien die Gehälter aber immer noch nicht auf dem Niveau in der freien Wirtschaft.

„Damit sich die Bürger im Märkischen Kreis nicht dauerhaft auf eine unterbesetzte und schlecht bezahlte Polizei verlassen müssen, sollten möglichst viele Kollegen am 26. Februar mit zur Großdemonstration nach Düsseldorf fahren“, warb Kaufhold für die Teilnahme. „Um die Landesregierung daran zu erinnern, dass ihre Pläne zur inneren Sicherheit gerade bei den Verhandlungen in Potsdam dem Rotstift zum Opfer fallen.“

Polizei hat in acht Jahrenfast 50 Kollegen verloren

Die schlechte Personalausstattung konnte Polizeidirektor Michael Kuchenbecker bestätigen: „Aktuell haben wir knapp über 600 Bedienstete. Wir haben in den letzten acht Jahren fast 50 Kollegen verloren und haben die geringste Personalausstattung seit ewigen Zeiten. Und es wird nicht besser. Da holen uns die strukturellen Versäumnisse der vergangenen Zeiten ein.“

Auch wenn das Land 2500 neue Polizeikräfte einstellen wolle, rechnet der Polizeichef frühestens ab dem Jahr 2020 mit personellen Verbesserungen. „Das Personal, das Innenminister Reul einstellen will, kriegt er nicht zu den bisherigen Konditionen“, prognostizierte Kaufhold. „Wir hatten schon Probleme im laufenden Jahr die 2400 zusammen zu bekommen.“

Trotz enger Personaldecke engagierte Polizeiarbeit

Trotz der engen Personaldecke brach Polizeidirektor Kuchenbecker eine Lanze für seine Belegschaft: „Die Kollegen geben alles, um die Auswirkzungen auf die Bürger so gering wie möglich zu halten.“ Er erinnerte an die gerade vorgestellten Polizeistatistiken, nach denen die Kriminalität im Märkischen Kreis deutlich zurück gegangen ist: „In fast allen Bereichen sind wir mit positiven Zahlen unterwegs.“

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