Soziales

Quartiersgespräch in der Bauernkirche

Sönke Kühl vom Verein „Lebenswert“ erläutert die Gesprächsregeln für die Kleingruppen, die sich verschiedenen Themen rund um den Fritz-Kühn-Platz widmen.

Sönke Kühl vom Verein „Lebenswert“ erläutert die Gesprächsregeln für die Kleingruppen, die sich verschiedenen Themen rund um den Fritz-Kühn-Platz widmen.

Foto: Hans-Georg Gottfried Dittmann / IKZ

Iserlohn.  Beim leidigen Iserlohner Thema „Fritz-Kühn-Platz“ setzt der Verein „Lebenswert“ auf den Dialog mit den Anwohnern.

„Was fehlt, ist auch mal positive Berichterstattung über den Fritz-Kühn-Platz“, schallt es aus dem Auditorium. Die anderen Teilnehmer des ersten Quartiergesprächs in der Bauernkirche lachen, einige klatschen. Und dieser Freitagabend kann wirklich ein Startschuss für eine neue, konstruktive Herangehensweise sein.

Knapp 50 Anwohner sind nicht nur daran interessiert, was alles schiefläuft am Areal, das 2018 nach großen Umbaumaßnahmen und mit großen Hoffnungen wiederöffnet wurde. Viele möchten sich auch beteiligen, um dieses schöne Fleckchen Iserlohn für alle Einwohner „lebenswert“ zu machen.

Sönke Kühl und Timon Tesche vom gleichnamigen Verein blicken zufrieden auf die Veranstaltung, die sie organisiert haben. Nach einer Einführung teilen sich die Menschen in kleinere Diskussionsgruppen auf, die jeweils von zwei Moderatoren begleitetet werden.

Das Problem der gefühlten Unsicherheit

Was braucht es, um sich im Quartier wohl und sicher zu fühlen? Nichts ist in den Köpfen präsenter, als Angst und Unsicherheit, wenn sie die Stufen zur Bauernkirche heruntergehen müssen. Dagegen könne man allein nur wenig ausrichten, sagt Uwe Browatzki, Quartierslotse in der südlichen Innenstadt. Einzig der Dialog zwischen den Menschen könne dieses unwohle Gefühl langsam abbauen.

Dass die Sicherheit jetzt schon weit besser ist, als es von den Menschen wahrgenommen wird, sagt die Leiterin der Ordnungsamtes Angela Schunke. Ihre Mitarbeiter seien jetzt schon sehr präsent und haben auch im Umgang mit den Menschen wenige Probleme. In offenen Gesprächsrunden sieht die 49-Jährige die beste Chance, Vorurteile und Ängste abzubauen. „Ich fand das alles toll“, sagt sie am Ende der Kleingruppengespräche und hofft, dass der Dialog weitergeht.

Welche baulichen Maßnahmen können dazu beitragen, das Quartier schöner zu machen? „Bauliche Maßnahmen? Der Zug ist abgefahren“, sagt die 76-jährige Anwohnerin Annette Wilschrei. Vor allem die neue Treppe ist für die Seniorin ein Ärgernis, da sie jetzt immer einen größeren Spaziergang machen müsse, um von oben nach unten zu kommen. Schlimm sei auch der Mangel an Schattenplätzen – sowohl für Senioren, als auch für die Kinder auf dem Spielplatz. Das Problem sei in den vergangenen Jahren gewesen, dass wegen der Neugestaltung keine Bäume gepflanzt werden durften, sagt Kühl.

Wie kann das kulturelle Leben auf dem Fritz-Kühn-Platz für alle gut und ausgeglichen gestaltet werden? Vor allem der große Freiraum in der Mittes des Platzes ist vielen Anwohnern ein Ärgernis, sie möchten die Fläche „beleben“ und aktivieren. Vielen schwebt eine flexible Nutzung und Gestaltung vor, wie zum Beispiel ein Bauwagen oder eine Spielebox, die schnell abgebaut und ausgetauscht werden können. Das Potenzial sei durchaus da, so ein Teilnehmer.

Wie kriegen wir zwischen den Nutzern des Fritz-Kühn-Platzes Harmonie hin? Vorurteile abbauen. Aufeinander zugehen. Miteinander sprechen. Diese Phrasen fliegen immer durch den Raum, wenn es darum geht, verschiedene Gruppen zusammenzubringen – und danach passiert meistens nichts mehr. In der Bauernkirche sind diese leeren Worthülsen nur der Aufhänger, um Lösungen zu ersinnen. Denn motivierte Leute und das Potenzial des Areals sind da.

Es gilt weitere Gruppen einzubinden, eine gemeinsame Planungsrunde mit Streetworkern, Randgruppen-Vertretern und Bürgerverein zu installieren. Als erste „Verständnismaßnahme“ sollen nun Quartiersführungen stattfinden. „Aber nicht wie im Zoo, links sehen sie die und rechts die anderen“, sagt ein Moderator. Miteinander – das Zauberwort an diesem Abend.

Zufrieden ist auch Burcu Öcaldi, Bereichsleitung für Teilhabe und Integration, die extra ihren Urlaub unterbrochen hat. „Für so ein spannendes Thema mache ich das.“

Und was am Ende zu berichten bleibt, ist die positive Grundstimmung, die alle Anwesenden mit nach Hause nehmen.

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