Politik

Ratssaal als Demokratie-Zuflucht

Ramazan

Ramazan

Foto: Michael May

Iserlohn.   Bürgermeister Dr. Ahrens: „Türkischer Konflikt gehört nicht in andere Länder“.

Überraschende Wende auf der Suche nach einem Veranstaltungsort des Friedensplenums für den für kommenden Dienstag geplanten Syrien-Abend mit der Linken-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen, nachdem Verantwortliche der Wohnanlage Altes Stadtbad und des Jugendzentrums abgewunken haben: Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens stellt dafür den Ratssaal zur Verfügung.

„Ich halte es mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar, dass eine solche Veranstaltung aus Gründen der türkischen Innenpolitik mit Bedrohungen hierzulande verhindert werden soll“, sagte Ahrens. Er erinnerte an seine Reaktion auf die Demonstration von etwa 350 Menschen vor dem Iserlohner Rathaus nach dem Putschversuch vor zwei Jahren. „Es gilt das gleiche, was ich damals gesagt habe: Wir sind ein freiheitliches, demokratisches Land. Für mich ist das ein Konflikt der Türkei. Der gehört nicht hier hin und sollte auch nicht in andere Länder getragen werden.“ Ahrens spüre, dass die aktuellen Vorgänge in der Türkei und Syrien und die internationalen Auswirkungen auch die Bevölkerung bei uns sehr bewegen, nicht nur bei Menschen mit türkischen Wurzeln. Aus dem politischen Raum habe er „großes Verständnis und Zustimmung für diese Entscheidung erhalten“.

Die Veranstalter vom Plenum sind erleichtert

Beim Friedensplenum herrsche nunmehr Erleichterung, dass Ahrens „der Bitte nach Unterstützung nach einem sicheren Veranstaltungsort nachkommt“, teilte Jörg Jung mit. „Das ist ein großes Zeichen an die Adresse jener Antidemokraten, die durch Drohungen eine politische Debatte in der Stadt verhindern wollen.“

„Das Friedensplenum hat die Gefahr nicht gesehen, die hinter dieser Veranstaltung steckt“, sagt Ramazan Demir. Nur deshalb habe der Iserlohner („Ich bin selber Kurde“) Polizei und Ordnungsamt aufmerksam gemacht, dass die Veranstaltung Konfliktpotenzial berge. „Da werden Leute von überall her kommen, auch von der BIG-Partei und natürlich von der Kurdischen Arbeiterpartei PKK“, erklärt Demir am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe Angst, dass es zu Auseinandersetzungen kommen könnte. „Das habe ich den Behörden mitgeteilt, weil ich mich als Bürger dazu verpflichtet fühle. Ich habe niemanden bedroht, sondern nur auf eine Bedrohung hingewiesen“, sagt der Türke, der seit 30 Jahren in Iserlohn lebt und die Waldstadt als „seine Stadt“ sieht. Deshalb wolle er dafür sorgen, dass hier Frieden herrscht. „Türken und Kurden leben in Iserlohn friedlich zusammen, und das soll so bleiben.“

Dass er nicht viel von Sevim Dagdelen hält, daraus macht Demir kein Geheimnis. Bei der Veranstaltung werde er dabei sein, weil „sich die Volksvertreterin in Iserlohn gegen den türkischen Staat äußern“ und somit „das Zusammenleben zwischen Türken und Kurden negativ beeinflussen“ werde. „Ich mache bewusst keine Gegenveranstaltung, aber ich werde der Bundestagsabgeordneten kritische Fragen stellen. Denn Frieden müsse es für alle Seiten geben – „und nicht nur für die PKK“, sagt Ramazan Demir.

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