Raub

Raub in Iserlohn: Unterschiedliche Erinnerungen vor Gericht

| Lesedauer: 2 Minuten
Eine Iserlohnerin wird wegen gemeinschaftlichen Raubes angeklagt.

Eine Iserlohnerin wird wegen gemeinschaftlichen Raubes angeklagt.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Iserlohn.  Eine 28-jährige Frau aus Iserlohn soll geholfen haben, einen 41-Jährigen auszurauben. Vor dem Amtsgericht gibt es verschiedene Versionen zu hören

Wegen der angeblichen Beteiligung an einem gemeinschaftlichen Raub musste sich eine 28-jährige Frau aus Iserlohnim Amtsgerichtverantworten. Am Ende blieb von dem Vorwurf nicht viel übrig.

Lesen Sie auch:Iserlohn: Auto rast mit 85 km/h durch Kalthof

Laut Anklage gehörte sie zu einer Gruppe von zwei Frauen und einem Mann, die den Geschädigten am 18. April 2020 in dessen Wohnung in Iserlohnaufsuchten und angeblich ausraubten. Einer der Besucher sollte den 41-Jährigen festgehalten haben, während die anderen Besucher ihm angeblich seine Geldbörse mit 100 Euro, einer Kontokarte und einem Ausweis wegnahmen. „Davon wusste ich nichts“, versicherte die Zeugin. Sie habe bis heute ein ganz normales Verhältnis zu dem Zeugen. Die Angeklagte erinnerte sich, dass eine Flasche Whisky geleert und anschließend noch eine Flasche Wodka „besorgt“ wurde. „Wir haben alle was getrunken.“

Zwei Frauen und ein Mann hätten 41-Jährigen überfallen

Die Stimmung sei dann irgendwann „gekippt“. Der Geschädigte habe einem männlichen Besucher angeblich „eine reinhauen“ wollen. Im anschließenden Getümmel sei er mit der Schläfe an einen Tisch geschlagen. Laut Anklagewar er gegen die Wand geschlagen und hatte dabei eine Schürfwunde erlitten. Eine Zeugin konnte sich an gar keinen Streit mehr erinnern. Es sei aber „voll die ungute Situation“ gewesen. „Was sollten wir da?“ Richter Dr. Michael Ozimek fasste den Tatvorwurf noch einmal zusammen: Der Geschädigte sei von zwei Frauen und einem Mann überfallen worden. „Das ist definitiv nicht der Fall“, versicherte die Zeugin.

Lesen Sie auch: THW Iserlohn berichtet offen über Missstände

Die Aussagen des angeblich Geschädigten hatten einen großen Makel: Sie hatten sich von den ersten polizeilichen Vernehmungen bis zur Aussage vor Gericht immer mal wieder leicht verändert, so dass keine sicheren Erkenntnisse darüber gewonnen werden konnten, was an jenem Tag tatsächlich passiert war. Es blieb unklar, wer ihm die Hände festgehalten und wer ihm seine Börse weggenommen haben sollte.

Selbst die Staatsanwältin beantragte schließlich einen Freispruch für die Angeklagte. „Der genaue Ablauf des Abends kann nicht festgestellt werden.“ Die 28-Jährige habe eine andere Geschichte erzählt als der Belastungszeuge, stellte Richter Michael Ozimek in seiner Urteilsbegründung fest. Da aber sogar der Geschädigte „verschiedene Geschichten“ erzählt habe, lasse sich die Wahrheit gerichtlich nicht aufklären. Die Angeklagte wurde daher freigesprochen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Iserlohn