Kultur und Schule

Richtig oder falsch gibt es in der Kunst nicht

Bunte Bretter für den neuen Zaun haben die Kinder am Wiesengrund bei „Kultur und Schule“ bemalt.

Foto: Michael May IKZ

Bunte Bretter für den neuen Zaun haben die Kinder am Wiesengrund bei „Kultur und Schule“ bemalt. Foto: Michael May IKZ

Iserlohn.   „Kultur und Schule“ schafft nicht nur sichtbare Ergebnisse, sondern erweitert auch den Horizont der Kinder.

Die Grundschule am Wiesengrund ist um einen bunten Zaun reicher. Ein Grundstück hinter dem Gebäude soll der Schule als weiteres Außengelände zugeschlagen werden. Noch ist es nicht eingezäunt, die bunten, kunstvoll gestalteten Bretter, die den Zaun zukünftig einmal zieren sollen, sind aber schon fertig.

Entstanden sind im vergangenen Schuljahr in dem Projekt „Künstlerisch unterwegs – Kunstreise in fremde Länder“, das im Rahmen des Landesprogramms „Kultur und Schule“ angeboten wurde. Und die bunten Zaunlatten sind nur das sichtbare Ergebnis, das die Kinder am letzten Schultag vor den Ferien präsentieren konnten. Das, was am Wichtigsten ist, was die Kinder am Ende alles gelernt, erfahren aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit einer echten Künstlerin mitgenommen haben, sieht man nicht. Dass gerade dieser Effekt für die Kinder aber enorm, ja geradezu fundamental wichtig ist, darüber sind im Grunde alle einig.

„Wahnsinnig wichtig“ bei derart bunter Schülerschaft

„Kinder und Jugendliche brauchen Kunst und Kultur“, benennt das Landes-Schulministerium schlicht den Grund für das Programm, mit dem sie eben die Kunst und Kultur an den Schulen mehr fördern möchte. Am Wiesengrund war das Projekt im offenen Ganztag angesiedelt. „Gerade in einer Schule mit einer so bunten Schülerschaft wie hier ist es wahnsinnig wichtig, den Kindern einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen“, sagt OGS-Leiter Marcel Tetzlaff. Mit 374 Kindern steht am Wiesengrund Iserlohns größte Grundschule.

Die Kinder haben knapp 30 verschiedene Nationalitäten und stammen aus unterschiedlichsten sozialen Hintergründen – man kann sich vorstellen, dass bei weitem nicht alle über ihr Elternhaus eine Kulturnähe erfahren, die wünschenswert wäre. Viele Kinder, so Tetzlaff, kommen im Grunde nie mit Musik, Malerei oder Theater in Berührung.

Das besondere an „Kultur und Schule“ ist, dass das Land – bei einem geringen Eigenanteil der Kommunen – hier Projekte mit externen, professionellen Künstlern ermöglicht, also ganz bewusst einen außerschulischen Kontakt zur Kultur fördert. Auch diesen Punkt erachtet Marcel Tetzlaff als ausgesprochen wichtig. Ein freischaffender Künstler bringe nicht nur eine ganz andere Gedanken- und Ideenwelt mit, sondern auch eine andere und viel intensivere Herangehensweise, die man üblicherweise im Kunstunterricht nicht findet.

Ein Zugang zu einemanderen Denken

Gerade diesen Punkt hebt auch Britta Heyerhoff hervor. Für die Leiterin der Kunstfabrik „casa b“, die inzwischen rund die Hälfte der Iserlohner „Kultur und Schule“-Projekte anbietet, ist das Landesprogramm nicht nur eine willkommene Möglichkeit, das eigene Kursprogramm zu den Kindern, die durch den Ganztag nachmittags keine Zeit mehr haben, in die Schulen zu tragen. Vor allem sieht auch sie darin eine Chance, den Kindern überhaupt einen Zugang zur künstlerischen Arbeit zu ermöglichen – und zwar bewusst nicht in der verschulten Form des Kunstunterrichts.

„Wir erleben immer wider, dass die Kinder fragen ,ist das richtig so?’ Aber genau dieses richtig oder falsch gibt es in der Kunst natürlich nicht“, beschreibt sie einen Unterschied Kunstunterricht. In den Projekten von „Kultur und Schule“ geht es eben nicht darum, eine gute Note für eine beurteilbare Leistung bekommen, sondern einfach darum, sich selbst künstlerisch auszuprobieren und zu erfahren.

Im konkreten Fall am Wiesengrund war es Lorina May, freischaffende Künstlerin aus Hemer und Dozentin in der Kunstfabrik „casa b“, die sich jahrgangsübergreifend mit rund 40 Kindern der OGS auf die künstlerische „Reise in fremde Länder“ begeben hat. Zunächst ging es dabei um die Frage, wo komme ich her? Und wo kommen meine Eltern her? „Viele Kinder“, so Lorina May, „haben zu ihren Wurzeln gar keinen Bezug.“ Es ging dann um Identität und um Flaggen. Und am Ende sind die bunten Bretter als Zaunelemente entstanden – als sichtbares Ergebnis. Die wichtig­sten Ergebnisse des Projektes kann man aber nicht sehen.

21 960 Euro für neun Projekte

Die Förderzuweisungen des Landes an die einzelnen Kommunen variieren, weil auch die Anträge aus den Kommunen variieren. Im vergangenen Schuljahr wurden vom Land elf Iserlohner Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 26 840 Euro ermöglicht. Wie in der Schulverwaltung zu erfahren war, gab es aber auch schon Jahre, in denen nur sieben Projekte bewilligt wurden. Es komme immer darauf an, wie viele Projekte von anderen Kommunen beantragt werden. Wegen des Eigenanteils bei der Kostendeckung komme es vor, dass Kommunen in der Haushaltssicherung gar keine Projekte beantragen und daher in anderen Kommunen mehr Projekte bewilligt werden. Folgende Projekte sind jetzt ausgelaufen:

Die Projekte im Schuljahr 2015/16

„Alles nur Paletten“ (Johannes Büschleb / Martin-Luther-Hauptschule), „Hämmern, Formen Feilen“ (Britta Heyerhoff / GS auf der Emst), „Mit einem Zauberschuh“ (Christian Frai / GS Bömberg), „NATÜR(lich) Kunst (Christiane Bisplinghoff / GS Saatschule), Natur-Atelier Wald (Christiane Bisplinghoff / Brabeck-Förderschule), „Grenzenloses Trommeln“ (Ulf Heße / Hauptschule Letmathe), „Kunst aus dem Bauch“ (Lorina May GS Bömberg), „Unsere Burg“ (Karin Kroll / GS Burgschule), „Kunstreise in fremde Welten“ (Lorina May / GS Im Wiesengrund), „Ein Tisch für Poll – Theater“ (Ursula Krawszyk / GS Kalthof).

Für das kommende Schuljahr liegen die Bewilligungsbescheide bereits vor. Von den zwölf beantragten Projekten hat das Land neun bewilligt. Die Gesamt-Fördersumme liegt in diesem Jahr bei 21 960 Euro, die Eigenbeteiligung der Stadt bei 5490 Euro. Eins der bereits bewilligten Projekte wurde von der Künstlerin allerdings wieder zurückgezogen, so dass nach jetzigem Stand folgende acht Projekt nach den Sommerferien anlaufen.

Die Projekte im Schuljahr 2016/17

„Fantastische Welten“ (Christiane Bisplinghoff / GS Saatschule), „Welt der Masken“ (Johannes Büschleb / Martin-Luther-Hauptschule), „Ach wie gut, dass niemand weiß . . .“ (Britta Heyerhoff / GS Bartholomäus), „Ich bin ein Kunstwerk“ (Lorina May / GS Bömberg), „ARTikel Kinderrechte“ (Britta Heyerhoff / GS Burgschule), „Waldzauber“ (Lorina May / Brabeck-Förderschule), „Traum Baum“ (Karin Kroll / GS Burgschule), „Die vier Elemente“ (Lorina May / GS Im Wiesengrund).

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