Musik

Runter von der Empore

Die Oberste Stadtkirche hat nicht nur die große Schuke-Orgel (im Hintergrund) zu bieten. Ute und Hanns-Peter Springer präsentierten auch die kleine Truhenorgel (re.) und das Regal (li.) im Zusammenklang.

Foto: Michael May

Die Oberste Stadtkirche hat nicht nur die große Schuke-Orgel (im Hintergrund) zu bieten. Ute und Hanns-Peter Springer präsentierten auch die kleine Truhenorgel (re.) und das Regal (li.) im Zusammenklang.

Iserlohn.   Beim Orgeltag konnten die Besucher das Instrument ganz neu wahrnehme

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„Ich habe die Orgel schon hundert Mal gehört, aber noch nie so noch nie so gesehen“, bedankte sich ein Konzertbesucher bei Ute Springer. Und genau diese geänderte Wahrnehmung der Orgel hatte Iserlohns Kantorin im Sinn, als sie vor etwa zwei Jahren den Anstoß zum ersten Westfälischen Orgeltag gegeben hat. Die Orgel, dieses kostbare und beeindruckende Instrument in jeder Kirche, ist hoch oben im Rücken der Gemeinde einfach viel zu weit weg und wird viel zu oft als üblicher und selbstverständlicher Gottesdienst-Klang hingenommen. „Wir wollten die Orgel runter holen von der Empore und für jeden Besucher sichtbar und erlebbar machen“, sagt Ute Springer, die neben ihrer Kantorenstelle an der Obersten Stadtkirche auch als Dozentin im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Landeskirche von Westfalen für Gottesdienst und Kirchenmusik zuständig ist und als solche auch den landesweiten Orgeltag initiiert hat.

Über 100 Veranstaltungen von intim bis monumental

Und das mit großem Erfolg. Es sei zwar anfänglich recht mühsam gewesen, die Kirchenmusiker der Landeskirche von dem Konzept, neue Wege zur Orgel zu schaffen, zu überzeugen. Letztendlich sei die Idee aber angekommen, und mit mehr als 100 Veranstaltungen am vergangenen Sonntag habe sich auch eine wunderbare und bunte Mischung ergeben. Die Orgel als Mittelpunkt eines Gemeindefestes, die Orgel als Gegenstand pädagogischer Formate mit Kindern, die Orgel natürlich im Konzert von intim bis monumental und die Orgel sogar ganz mobil auf einem Lastwagen am Phoenix-See. „Ich bin sehr zufrieden mit der Resonanz,“ sagt Ute Springer.

Und mit dem Anklang in Iserlohn sowieso. Los ging es hier am Sonntag schon mit einer Orgel-Matinee in der Johanneskirche am Nußberg, wo Dr. Wolfgang Besler Klang und Funktionsweise der dortigen Orgel erklärte und seine Schwester Iris Besler-Broszeit eindrucksvolle Werke als Klangbeispiele aus verschieden Epochen liefert: echte Ohrwürmer wie Bachs d-Moll-Toccatta mit Fugen, Pachelbels Canon, Widors fünfte Orgel-Symphonie und noch einen schmissigen Ragtime – das Publikum hatte hier einen vergnüglichen Vormittag. Zeitgleich war in Oestrich bereits die Orgelkiste im Einsatz, mit der Kinder eine Orgel nachbauen und so hautnah erleben konnten. Die Orgelkiste war schon im Vorfeld bei der Kinderkantorei, in der Burgschule und bei offenen Workshops in der Obersten Stadtkirche im Einsatz und hat so hunderte Kinder erreicht.

Einen besonderen Einblick in die große Schuke-Orgel der Obersten Stadtkirche boten dann am Nachmittag Ute und Hanns-Peter Springer mit Video-Live-Schaltung ins Gehäuse und ans Gebläse aber auch mit tollen konzertanten Klangbeispielen, bei denen auch die kleine Truhenorgel im Altarraum sowie das noch kleinere Regal zu Einsatz kamen. Das Regal ist eine altertümliche, nur aus Zungenregistern bestehende, tragbare Kleinorgel, mit der die Springers in die Klangwelt der Renaissance entführten.

Gleich im Anschluss ging es in der Auferstehungskirche Dahlsen weiter, wo Chordirektor Hanno Kreft zum „Orgel Ma(h)l im Grünen“ einlud – eine gelungene und sehr gut besuchte Mischung aus Konzert mit Chor („Novum Vocale“), Orgel und Harmonium (Marcel Schwartz), Gottesdienst und gemütlichem Beisammensein am Büfett. Und zum Abschluss hat Ute Springer noch die traditionelle Johannisnacht in Hennen gestaltet – eine insgesamt runde und bunte Sache mit Orgelmusik von morgens bis in den späten Abend.

Der Besuch war dabei recht unterschiedlich und hätte auch noch besser sein können. Allerdings ging es Ute Springer nicht unbedingt darum, beim ersten Orgeltag die Massen zu bewegen. Viel wichtiger sei ihr, in den Köpfen etwas anzustoßen und zu bewegen, damit die Orgel anders und neu wahrgenommen wird. Und das sei ohne Frage gelungen. „Ich wünsche mir Wiederholung des Orgeltages und werde das auch auf jeden Fall anstoßen“, sagt sie.

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