Jobcenter MK

Sanktionsquote deutlich gesunken

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Iserlohn. Während bundesweit in diesem Jahr möglicherweise mit mehr als einer Million verhängter Sanktionen gegen Bezieher des Arbeitslosengeldes II ein trauriger Rekord droht, scheinen die Uhren im Bereich des Jobcenter MK anders zu gehen. Galt die damals noch unter „ARGE MK“ firmierende Institution unmittelbar nach der ALG-II-Einführung noch als die sanktionsfreudigste im Lande NRW, greifen die Jobcenter-Mitarbeiter heute im Vergleich deutlich seltener zum Strafenkatalog. Bei 2,8 Prozent liegt die sogenannte „Sanktionsquote“ im Märkischen Kreis, bei 2,9 Prozent auf Landesebene und bei sogar 3,3 Prozent im Bund. Die Trendwende lässt sich auch an den konkreten Fallzahlen ablesen. Wurden im ersten Halbjahr 2011 noch 2424 Sanktionen verhängt, waren es bis Ende Juni dieses Jahres 2088 - ein Rückgang um 14 Prozent.

Meldeversäumnisse sind das größte Problem

Die Gründe, weswegen die Empfänger von Leistungen vom Jobcenter MK bestraft werden, unterscheiden sich derweil nicht sonderlich von den bundesweiten Erkenntnissen. In der Hälfte der Fälle handelt es sich nach Darstellung der Behörde um Meldeversäumnisse, 22 Prozent verweigern aus unterschiedlichsten Gründen die Teilnahme an Maßnahmen, weitere 22 Prozent verstoßen gegen die mit dem Jobcenter abgeschlossene Eingliederungsvereinbarung. Ebenfalls deckungsgleich zum Bundestrend: 71 Prozent der Sanktionierten sind männlichen Geschlechts.

Für die rückläufigen Zahlen macht Jobcenter-Geschäftsführer Volker Riecke insbesondere einen Strategiewechsel bei der jüngeren Kundschaft verantwortlich. Seit Mitte 2007, so Riecke, werde die Gruppe der unter 25-Jährigen gesondert betreut. „Zuvor ist es uns nicht sonderlich gut gelungen, diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit unseren Angeboten zu erreichen“, berichtet Riecke, „wir haben daraufhin beschlossen, stärker sozialarbeiterisch aktiv zu werden und die Jugendlichen früher abzuholen.“ Die Kontaktaufnahme durch die Mitarbeiter des Jobcenters erfolgt seither - auf freiwilliger Basis - bereits im letzten Schuljahr. „Zu diesem Zeitpunkt versuchen wir festzustellen, an welchem Punkt der jeweilige Jugendliche steht und ob er unsere Hilfe und Beratung braucht.“ Auf diese Weise, so Riecke, werde auch frühzeitig ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, so dass es dem Betroffenen letztlich leichter fällt, die Hilfe der

Höhere Personalkosten im Sinne der Kunden tragen

Behörde anzunehmen. „Gesetzlich vorgesehen ist das, was wir in diesem Bereich leisten, nicht. Wir sind aber im Sinne unserer Kunden gerne dazu bereit, diese höheren Personalkosten zu tragen.“ Und der Erfolg scheint die Strategie des Jobcenter MK zu bestätigen. Denn während bundesweit die Sanktionsquote bei den unter 25-Jährigen fünf Prozent beträgt, liegt sie im Kreis bei 3,9 Prozent.

Gute Zahlen kann Riecke auch insgesamt vermelden: Im September erreichte die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher mit 21 913 Personen im Märkischen Kreis den niedrigsten Wert seit der Einführung des Sozialgesetzbuchs II. Auch deswegen legt der Geschäftsführer Wert darauf, gegen die Stammtische der Republik zu reden: „Der allergrößte Teil unserer Kunden ist alles andere als unwillig. Verweigerung ist die absolute Ausnahme.“

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