Droht die Schließung?

Schicksalstage für das Reuter-Kolleg

Das Theodor-Reuter-Berufskolleg am Karnacksweg steht möglicherweise vor dem Aus.

Foto: Michael May

Das Theodor-Reuter-Berufskolleg am Karnacksweg steht möglicherweise vor dem Aus. Foto: Michael May

Iserlohn.  Nach dem Verlust der sogenannten Gleichstellungsverordnung konnte das Berufskolleg in den angestammten Bildungsgängen keine neuen Schüler aufnehmen.

Das staatliche Theodor-Reuter-Berufskolleg (TRBK) am Karnacksweg ist vielleicht nicht der leuchtendste Stern in der Iserlohner Bildungslandschaft, verfügt dafür aber über ein klares Alleinstellungsmerkmal: Schüler können dort nicht nur die Fachoberschulreife erlangen, sondern durchlaufen zugleich eine Berufsausbildung. Die Geschichte des Kollegs geht immerhin auf die Eröffnung der Königlichen Provinzial-Gewerbeschule zu Iserlohn im Jahre 1852 zurück. Diese lange Tradition droht nun zu Ende zu gehen, wie die Heimatzeitung in der gestrigen Ausgabe andeutete. Am 14. November soll nach unseren Informationen eine entscheidende Dienstbesprechung im Düsseldorfer Schulministerium stattfinden. Insider befürchten, dass es dabei längst nicht mehr um die Zukunft des Kollegs, sondern um deren Abwicklung geht.

Bei einer Überprüfung Mängel festgestellt

Was hat zu dieser Entwicklung geführt? Eine durch das Bundeswirtschaftsministerium gewährte sogenannte „Gleichstellungsverordnung“ sorgt dafür, dass die Berufsabschlüsse am Reuter-Kolleg, das auch mit eigenen Prüfungsausschüssen arbeitet, gleichwertig sind mit den Berufsabschlüssen, die vor den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammern erlangt werden. In regelmäßigen Abständen, so unsere Informationen, lässt das Bundeswirtschaftsministerium durch das Bundes-Institut für Berufsbildung (BIBB) prüfen, ob ein Kolleg noch die Voraussetzung für die Gleichstellung der Berufsabschlüsse erfüllt.

Im September 2016 fand wohl eine solche Überprüfung im Iserlohner TRBK statt. Ergebnis war nach unseren Informationen, dass die Voraussetzungen für eine Verlängerung der Gleichstellungsverordnung nicht ausreichen würden. Moniert worden sein sollen eine mangelnde Kooperation mit Betrieben, Abweichen beim Fachunterricht von der Ausbildungsverordnung sowie Mängel bei der Verzahnung von Theorie und Praxis. Durch den zuständigen Dezernenten der Bezirksregierung Arnsberg sei das Reuter-Kolleg dann aufgefordert worden, im Rahmen der didaktischen Jahresplanung das Konzept nachzubessern. Daran soll dann – unterstützt von externen Moderatoren – gearbeitet worden sein. Die Ergebnisse, so war gestern zu hören, seien dann den zuständigen Stellen vorgelegt worden. Ergebnis: Das Konzept sei besser geworden, aber immer noch nicht frei von Mängeln.

Während am Reuter-Kolleg wohl Hoffnung bestand, auch diese Mängel noch ausräumen zu können, kam vor den Osterferien 2017 offenbar die kalte Dusche: Dem Reuter-Kolleg soll mitgeteilt worden sein, dass die Gleichstellungsverordnung nicht verlängert und somit zum 31. Juli 2017 auslaufen werde. Und so kam es nach unseren Informationen dann auch.

Wie sollte es nun weitergehen, nachdem bereits im Februar 120 Bewerbungen für die vier Berufe Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Bertiebstechnik und IT-Systemelektroniker eingegangen sind? Irgendwann, so war zu hören, sei aus Arnsberg eine Dienstanweisung gekommen, keine Bestätigungen an die Bewerber zu schicken. In der Folge sollen dem Reuter-Kolleg dann drei Ersatzbildungsgänge angedient worden sein: Informationstechnische Assistenten (ITA), Maschinenbautechnische Assistenten (MBA) und Berufsfachschule einjährig mit dem Ziel der Mittleren Reife. Der Erfolg war offenbar übersichtlich. Nach unseren Informationen konnte eine ITA-Klasse gebildet werden, sieben MBA’s konnten demnach außerdem aufgenommen werden, der Bildungsgang Berufsfachschule einjährig kam überhaupt nicht zustande.

In der Lehrerschaft (aktuell 36 Kräfte) soll die Entwicklung für erhebliche Unruhe gesorgt haben, einige haben sich wohl wegen des durch die Situation entstandenen Lehrerüberhangs wegbeworben. Erste Zeichen der Auflösung?

Und für die Schüler – aktuell sind es nach unseren Informationen immer noch rund 350 – stand eine Frage im Vordergrund: Sind nach dem 31. Juli 2017 – dem Datum, an dem die Gleichstellungsverordnung abgelaufen ist – erworbene Abschlüsse überhaupt noch voll anerkannt? Denn die beanstandeten Bildungsgänge laufen für die Bestandsschüler ja weiter. Offensichtlich, so war es zu hören, konnte hier eine Lösung gefunden werden: Die Abschlussprüfungen sollen demnach vor SIHK-Prüfungsausschüssen stattfinden, die Gleichwertigkeit der Abschlüsse wäre so gewährleistet. Sollte für das Reuter-Kolleg tatsächlich das „Aus“ kommen, bleibt natürlich die Frage, wie es mit den Schülern weiter geht: Wegen des Alleinstellungsmerkmals im Bildungsangebot, so war zu hören, dürfte es nicht so ganz leicht fallen, Plätze an benachbarten Kollegs zu finden.

Stadt Iserlohn könnten Mietausfälle drohen

Für die Stadt Iserlohn steht übrigens nicht nur der Verlust einer Bildungseinrichtung auf dem Spiel, sondern möglicherweise finanzieller Schaden. Das Land ist zwar Träger des Reuter-Kollegs, die Stadt aber Eigentümerin der Gebäude. Auf Sicht drohen also auch Mietausfälle und eine leerstehende Immobilie. Nicht nur im Reuter-Kolleg, sondern auch in der Stadtverwaltung dürfte damit große Spannung herrschen, welche Ergebnisse die Dienstbesprechung am 14. November tatsächlich bringt.

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