Schillerplatz

Schillerplatzbrücke bald Geschichte

Stadtbaurat Thorsten Grote und Uwe Ziemann, Leiter der Stabsstelle Schillerplatz überbrachten die Nachricht:  Die Brücke zwischen Rathaus und Schillerplatz soll abgerissen werden.

Stadtbaurat Thorsten Grote und Uwe Ziemann, Leiter der Stabsstelle Schillerplatz überbrachten die Nachricht: Die Brücke zwischen Rathaus und Schillerplatz soll abgerissen werden.

Foto: Stefan Drees

Iserlohn.  Nach einem aktuellen Gutachten offenbart sich eine weitere Herausforderung bei der Neugestaltung des Schillerplatzes: Die Brücke.

Die 1975 errichtete Brücke zwischen Rathaus und Schillerplatz ist seit längerem ein Sorgenkind. Ein jüngstes Gutachten, das seit rund einer Woche im Rathaus vorliegt, empfiehlt nun den Abriss noch in diesem Jahr. Stadtbaurat Thorsten Grote geht davon aus, dass die entsprechenden Arbeiten im Herbst stattfinden werden. Dabei wird eine Vollsperrung des Theodor-Heuss-Rings wahrscheinlich unausweichlich sein. Und danach? Da frühestens 2022 Baubeginn in Sachen Schillerplatz-Umgestaltung sein dürfte, soll zwischenzeitlich eine Behelfsbrücke zwischen Rathaus und Schillerplatz aufgebaut werden. Das wäre dann aber eine reine Fußgängerbrücke, ergänzt Grote.

Eine solche Nachricht wirkt wie ein Schlag ins Kontor. „Es ist aber nichts, was plötzlich vom Himmel gefallen ist“, relativiert Stadtbaurat Grote. Wegen bekannter Mängel werde das Bauwerk bereits seit zwei Jahren halbjährlich untersucht, zudem gibt es eine monatliche Inaugenscheinnahme. Ende 2018 habe der Prüfer dann erklärt, dass er ohne weitergehende Untersuchungen keine Verantwortung mehr für das Bauwerk übernehmen könne. Daher hat die Verwaltung inzwischen einen sogenannten Bewehrungs-Scan vornehmen lassen, außerdem eine Bohrmehl-Untersuchung. Nach der Bewertung dieser Untersuchungen sprechen die Gutachter – beauftragt ist das Ingenieurbüro Witzel aus Castrop-Rauxel – davon, dass die Standsicherheit des Bauwerks gefährdet sei. Im Ergebnis wird dringend empfohlen, die Brücke noch in diesem Jahr abzureißen. Grundproblem ist den Untersuchungen zu folge, dass die Bewehrung erheblich angegriffen ist. Auch durch eine hohe Chloridbelastung, wie Uwe Ziemann, Leiter der Stabsstelle Schillerplatz, ergänzt. Schon die zahlreichen Sichtkontrollen hätten Anhaltspunkte ergeben, dass der Verbund zwischen Bewehrung und Beton nicht mehr überall gegeben sei. Risse hätten darauf hingedeutet, Hohlstellen seien gehäuft festgestellt worden, an denen loser Beton abgeklopft werden musste.

Ein Abbruchkonzept ist bereits in Arbeit

Ist der Abriss unvermeidbar? Bautechnisch, so Stadtbaurat Grote, gebe es zwar Möglichkeiten, die Bewehrungsproblematik zu beheben. Das würde aber überhaupt keinen Sinn machen, da auch weitere Probleme am Bauwerk rütteln. Beispielsweise gebe es weiterhin Setzungen an den Stützen, berichtet Uwe Ziemann. Zudem stehe Wasser in der Brücke. Insofern, so Grote, steuere die Brücke auf das Ende ihrer Lebenszeit zu.

Heute wird der Stadtbaurat den Planungsausschuss (17 Uhr, Ratssaal) über den Stand der Dinge informieren. Morgen findet im Rathaus intern eine detaillierte Vorstellung des Gutachtens mit den beteiligten Büros statt.

Bereits in Arbeit ist ein Abruchkonzept. Die Abbruchgrenze werden die Stützen des Ratssaales bilden. Eine Verbindung zwischen Rathaus I und Rathaus II bleibt also erhalten. Ebenso der platzartige Vorbau vor dem Rathaushaupteingang. Von dort bis zum Schillplatz soll dann die bereits erwähnte Behelfsbrücke geschlagen werden. Mit dem Abriss wäre auch das Schicksal des Brückencafés an diesem Standort besiegelt. Die Betreiberfamilie sei über den Stand der Dinge informiert, berichtet Grote.

Bezogen auf die Schillerplatzplanungen in ihrer Gesamtheit hat die Brückenproblematik keinen unmittelbaren Einfluss, ein Neubau der Brücke ist ja ohnehin geplant. In Sachen Schillerplatz-Umgestaltung soll im Mai eine europaweite öffentliche Ausschreibung beginnen. Ziel ist es, fünf Planungsbüros zu finden, die für Entwürfe für das Gesamtprojekt erarbeiten können. Nach einer Auswahl sollen dann drei Büros mit einer Entwurfsplanung beauftragt werden. Dafür werden wegen der finanziellen Größenordnung auch politische Beschlüsse notwendig werden, berichtet Thorsten Grote. Geplant ist es weiterhin, dass die Schillerplatz GmbH einen wesentlichen Part im Verfahren übernimmt. Die rechtliche Prüfung der Kämmerei sei aber noch nicht abgeschlossen.

2022 könnte Umgestaltung des Schillerplatzes beginnen

Das erste Halbjahr 2020 stünde dann den drei beauftragten Büros für die Erarbeitung der Entwürfe zur Verfügung. In dieser Phase, so Grote, solle es auch einen regelmäßigen und intensiven Austausch geben. Anders als bei einem Investorenwettbewerb könnten Stadt und/oder Schillerplatz GmbH dann auch weiter Einfluss auf den Prozess nehmen. Und ein weiterer Unterschied: Vor einer Entscheidung durch den Rat könnten die Entwürfe auch öffentlich vorgestellt werden. Das solle auch geschehen. Nach einer Entscheidung durch den Rat wäre das Jahr 2021 dann für die Ausführungsplanung reserviert. Und 2022 könnte abschnittweise mit den Bauarbeiten begonnen werden. Diese Realisierbarkeit in Bauabschnitten sei auch eine Vorgabe an die Planungsbüros. Das solle auch dabei helfen, das Projekt finanziell beherrschbar zu machen, so Grote.

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