Fritz-Kühn-Platz

Schmuckstück für Feinschmecker

Von außen schon wieder ein Schmuckstück: das alte Fachwerkhaus am Zeughaus.

Von außen schon wieder ein Schmuckstück: das alte Fachwerkhaus am Zeughaus.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Am 5. Juni soll im „Schnöggel“ am Fritz-Kühn-Platz der Startschuss fallen.

Laut Sauerland-Lexikon ist ein „Schnöggel“ ein Feinschmecker. Und das soll im neuen Café-Restaurant am Fritz-Kühn-Platz auch über allem stehen: der Genuss. Es gibt viele Aspekte, die man wenige Monate vor der Eröffnung dieser besonderen Gastronomie in dem alten und eigentlich schon dem Abriss geweihten Fachwerkhaus am Fuße der Freitreppe hätte nach vorne kehren können: der Betrieb als gemeinnützige GmbH mit Beschäftigungsförderung oder auch das Zusammenspiel mit den speziellen Anforderungen des Fritz-Kühn-Platzes. „Die Leute sollen aber wegen des guten Essens kommen“, sind sich Julia Anneke Kunz und Anja Kramp-Simon von der IGW und Susanne Jakoby und Meinolf Remmert von der AWO aber einig. Es soll etwas für Feinschmecker entstehen. Und deswegen soll es auch „Schnöggel“ heißen.

2014 hatte die IGW das historische Häuschen als Schlüsselobjekt für die weitere Entwicklung und Belebung des Platzes übernommen. Vor einem Jahr musste das marode Fachwerk noch von Trägern gestützt werden und machte einen ziemlich abrissreifen Eindruck. Nach der Entkernung und Grundsanierung des Gebälks wurde im Oktober Richtfest gefeiert. Inzwischen ist es von außen mit Schiefer wieder vollkommen wiederhergestellt und ein echtes Schmuckstück.

Denkmalgerechte Sanierung für 60 Sitzplätze

Besonders viel sei von der ursprünglichen Substanz nicht übrig geblieben, sagt Bauleiterin Julia Anneke Kunz – zu morsch und verfault waren die Balken. Auch die beiden Anbauten mussten fallen und wurden durch Neubauten ersetzt.

Für die Restaurierung des Kerngebäudes wurden ausschließlich historische und natürliche Materialien verwendet – alte Balken aus anderen Häusern, Lehmputz, denkmalgerechte neue Fenster, Holzweichfaserplatten zur Dämmung der Außenwände.

Inzwischen ist der Innenausbau schon in vollem Gange. Die Gefache werden teilweise neue verfüllt. Der alte Kamin bleibt erhalten, wird aber nicht mehr benutzbar sein. Auf dem Fußboden verlaufen Leitungen – auch für das Bier aus dem Kühlraum – die später noch unter einem neuen Estrich verschwinden. Die beiden Anbauten beherbergen die Küche, das WC, Lagerräume und Kühlung, der Anbau in Richtung Stadtmauer dient als Untergeschoss für das neue Wohnhaus Am Südengraben 12a, das ebenfalls derzeit gebaut wird.

Erstaunlich ist die Geräumigkeit des Hauses, das innen viel größer wirkt, als man von außen vermutet. 60 Plätze soll die zukünftige Gastronomie innen bieten plus einen Schankraum mit Theke. Besonders schön verspricht das Obergeschoss zu werden, wo die Dachkonstruktion freigelegt wird und so für ein noch luftigeres Ambiente sorgen soll. Dort soll auch ein Bereich entstehen, der sich für geschlossene Gesellschaften abtrennen lässt.

Beschäftigungsförderung und aktiver Teil des Quartiers

Auch die zukünftige Terrasse ist schon geplant. Für die 40 Plätze, die dort in Richtung Treppe eingerichtet werden, wird der Garten des Bürgerraums einen Streifen abgeben müssen, den er aber an anderer Stelle wieder hinzu bekommt.

Für den Betrieb hat die IGW zusammen mit der AWO die „Iserlohner Gesellschaft für Beschäftigungsförderung“ als gGmbH gegründet. Die Restaurant-Leitung sollen zwei bis drei hauptamtliche Kräfte übernehmen. Dazu sollen in Kooperation mit dem Jobcenter zwölf bis 15 Mitarbeiter über das neue Teilhabe-Förderprogramm des Bundes eingestellt werden, das vorsieht, vor allem Langzeitarbeitslosen unter intensiver Begleitung einen Weg zurück ins Berufsleben zu ermöglichen. Erste Bewerbungsrunden hat es dazu schon gegeben.

Angedacht ist auch ein Service, der auf den Platz wirkt, unter Umständen in Form eines „Platzhausmeisters“. „Wir wollen nicht nur ein Restaurant und Café, sondern ein aktiver Teil des Quartiers werden“, sagt Meinolf Remmert. Die Gastronomie soll also helfen, die ohnehin schon sehr positive Entwicklung des Fritz-Kühn-Platzes weiter zu beflügeln. „Wir gehören hier zum Netzwerk, wollen Negatives angehen, im Gespräch sein, weiter entschärfend wirken und auch die positiven Möglichkeiten des Platzes nutzen.“ Denn die gibt es zwischen gut angenommenem Spielplatz, aktivem Bürgerraum, Konzertleben in der Bauernkirche und vielen sommerlichen Open-Air-Veranstaltungen schon reichlich.

Hochwertige Küche mit Produkten aus der Region

Vor allem dürfen sich sie Iserlohner aber nun schon auf den Startschuss des Restaurants freuen, der am 5. Juni fallen soll. Wie Susanne Jakoby erklärt, soll es eine moderne und gehobene Küche werden, die auch Vegetariern eine Menge bietet und mit Produkten aus der Region auf Nachhaltigkeit setzt. Nach Möglichkeit sollen Kräuter und Salate sogar aus den eigenen Hochbeeten oder von Iserlohner Kooperationspartnern kommen. Frühstück mindestens am Wochenende ab 10 Uhr, kleiner Mittagstisch, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und abends à la carte bis 21.30 Uhr – das „Schnöggel“ soll ein gastronomischer Vollsortimenter werden und auf jeden Fall auch die namensgebenden Feinschmecker erfreuen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben