Abbruch von Hänsel-Textil

Sehr großes Interesse bei Investoren

Der Abriss der am oberen Bildrand zu sehenden Halle wird knifflig, da Anbauten hinter dieser Halle an der Schnittstelle offenbar nicht über eine eigene Außenwand verfügen.

Der Abriss der am oberen Bildrand zu sehenden Halle wird knifflig, da Anbauten hinter dieser Halle an der Schnittstelle offenbar nicht über eine eigene Außenwand verfügen.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.  In zwei Monaten soll der Komplex der Firma Hänsel-Textil zwischen Hansaallee und Pütterstraße verschwunden sein, innovative Wohnbebauung soll dort entstehen.

Ein Teil der hohen markanten Fassade an der Ecke Hansaallee/Teutoburger Straße steht noch, und sie musste sich am Ende des Wochenendes auch noch dem Sturmtief „Sabine“ erwehren. Ansonsten hat das Abbruchunternehmen Lukassen bereits ganze Arbeit geleistet. Und der Geschäftsführer der Stadtprojekt GmbH, Frieder Altrogge, spricht durchaus von einem „dicken Brocken“. Denn vor dem Start der Abrissarbeiten Mitte 2019 haben auf dem 12.400 Quadratmeter großen Areal 60.000 Kubikmeter umbauter Raum gestanden, die bauliche Hinterlassenschaft der Firma Hänsel Textil. Unter Einbeziehung des benachbarten Geländes des Theodor-Reuter-Berufskollegs sollen hier bis zu 180 neue Wohneinheiten entstehen.

Grundlage des Rückbaus der Hänsel-Liegenschaften ist ein detailliertes Abbruch- und Entsorgungskonzept, das die Erfassung, Trennung und Sortierung der jeweiligen Baustoffe umfasst. Auch lange nach Start der Arbeiten war daher von außen noch nicht unbedingt viel zu erkennen, da im Inneren entkernt wurde. Allein 700 Leuchtstoffröhren mussten ausgebaut und entsorgt werden, nennt Altrogge ein Detail. Auch sensible Aufgaben galt es zu bewältigen, beispielsweise in Gestalt von PCB-haltigen Bodenbelägen oder asbesthaltigen Baustoffen. Ein besonderes Augenmerk galt zudem den im Komplex verbauten Rauchmeldern, deren Innenleben teilweise aus radioaktivem Material bestand.

Eigentlich schade: Ein Fall für die Müllverbrennung werden die wuchtigen und eigentlich intakten 30 Meter langen Holzbinder. Die Lackierung der Binder sorgt für eine entsprechende Klassifizierung. Was positiv ist: Der Boden unter dem Hänsel-Komplex weist offenbar keine größere Altlastenproblematik auf. Bekannt, so Altrogge, sei lediglich ein Zwischenfall aus der Vergangenheit, bei dem Kraftstoff ausgelaufen ist. In dem Bereich sind Kohlenwasserstoffe im Boden entdeckt worden, was aber wohl handhabbar sei. Einer der größten „Entsorgungsbrocken ist der Bauschutt. Dieser wird, nachdem Metallbestandteile heraussortiert worden sind, zerkleinert. Gedacht wird an eine Wiederverwendung beispielsweise als Schotterersatz im Straßenbau. Zunächst wird nun nach einem Zwischenlager für diesen Schutt gesucht.

90 Stellplätze imUntergeschoss geplant

In zwei Monaten sollen die Abbrucharbeiten abgeschlossen sein, bis dahin muss auch noch eine knifflige Aufgabe bewältigt werden. Eine in Richtung Barbarossastraße stehende Halle grenzt direkt an Bauten an, die nicht Bestandteil der Sanierungsfläche sind und somit stehen bleiben müssen. Das Problem: An der Trennlinie beider Komplexe gibt es womöglich nur eine gemeinsame Mauer.

Besonderes Augenmerk gilt auch dem finalen Abriss des Hallenkomplexes an der Ecke Hansaallee/Teutoburgerstraße. Denn hier soll das Untergeschoss erhalten bleiben und später als Tiefgarage genutzt werden. Rund 90 Stellplätze, so Frieder Altrogge, können dort eingerichtet werden. Um die Bausub-stanz, die erhalten bleiben soll, nicht zu gefährden, muss die darüberliegende Halle möglichst kleinteilig abgerissen werden. Und schweres Gerät, darf sich auf der verbleibenden Betondecke nur sehr vorsichtig bewegen.

Noch keine Aktivitäten gibt es derzeit im Bereich des Theodor-Reuter-Berufskollegs. Stadtbaurat Thorsten Grote geht davon aus, dass hier Anfang 2021 mit den Abrissarbeiten begonnen wird. Zielsetzung bleibe es dabei weiter, den Altbau des Kollegs, der quartierprägend sei, zu erhalten. Aktuell wird in der Verwaltung am Bebauungsplan gearbeitet, der planungsrechtliche Grundlage für das Bauvorhaben ist. Vor Oktober rechnet Stadtbaurat Grote nicht mit einem Satzungsbeschluss.

Im Gesamtprojekt sieht Thorsten Grote „einen lebenden Beweis für eine funktionierende Innenentwicklung, die sich am Ende auch rechnet.“ Die Mischung aus Miet und Eigentumswohnungen, einem Quartiersplatz als zentralem identitätsstiftenden Ort, einem medizinischen Versorgungszentrum sowie Elementen der Nahversorgung bewertet Grote als sehr interessant. Wir weisen hier erstmals ein „urbanes Mischgebiet“ aus. Frieder Altrogge betont außerdem, dass ein Teil der Wohnungen öffentlich geförderter Wohnraum wird.

Basis des Projektes ist ein städtebaulicher Entwurf des Dortmunder Büros Reicher Haase Assoziierte (wir berichteten), der auch Angebote in Richtung moderner Mobilität (Ladestationen und Mobilitäts-Hub) enthält.

Lage des Gebietes wird sehr positiv beurteilt

Die Vermarktung bereitet offenbar kein Kopfzerbrechen. „Wir werden von vielen Interessenten angesprochen, auch von außerhalb“, berichtet Frieder Altrogge. Die Lage des Gebietes wird dabei als sehr positiv bewertet. Michael Schmitt, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtprojekt-Mutter IGW, sieht in dem künftigen Gebiet ein interessantes Angebot für Menschen, die es nach einer längeren Lebensphase in Wohngebieten am Stadtrand oder in den Ortsteilen wieder in die Innenstadt zurückzieht. Insofern kann auch ein aktueller Trend bedient werden. Frieder Altrogge rechnet damit, dass im Bereich des Hänsel-Geländes Anfang 2021 mit dem Baubeginn zu rechnen ist.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben