Verwaltung

„Sind uns der Probleme natürlich bewusst“

Bis Mitte 2020 soll ein Großteil der 290 Mitarbeiter aus dem Rathaus I in die noch herzurichtende leerstehende Realschule Bömberg ziehen. Eine genaue Planung steht hier aber noch aus.

Bis Mitte 2020 soll ein Großteil der 290 Mitarbeiter aus dem Rathaus I in die noch herzurichtende leerstehende Realschule Bömberg ziehen. Eine genaue Planung steht hier aber noch aus.

Foto: Michael May / Michael May IKZ

Iserlohn.  Nach der Schocknachricht zu Brandschutzmängeln im Rathaus erklärt Baudezernent Thorsten Grote, wie es am Bömberg weitergehen soll.

Tag eins nach der Schocknachricht, die wohl nicht nur die Verwaltung noch Monate, wenn nicht Jahre beschäftigen wird: Das Rathaus weist eklatante Mängel beim Brandschutz auf, müsste für eine Beseitigung praktisch in den Rohbauzustand zurückversetzt werden. Mindestens große Teile der bei Maximalbesetzung 290 Mitarbeiter im Rathaus sollen in die leerstehende Realschule Bömberg ziehen.

Vor allem für die Anwohner dort ergeben sich daraus natürlich Fragen. Zu Verkehrsaufkommen, Parkplatzsituation, möglichen Umbauarbeiten zum Beispiel. „Wir sind uns der Probleme natürlich bewusst“, sagt am Mittwochvormittag von unterwegs Baudezernent Thorsten Grote, der derzeit einer der meistbeschäftigten Angestellten der Stadtverwaltung sein dürfte. „Es gibt allerdings noch keine fertigen Pläne.“

Kein Schwerlastverkehr am Bömberg zu erwarten

Positiv aus Sicht der Bömberg-Anwohner sicherlich: Am Gebäude der Realschule werden zwar innen Trockenbaumaßnahmen und Elektroarbeiten nötig sein, um Büros für die Mitarbeiter der Verwaltung herzurichten – „Kräne oder Schwerlastverkehr wird es aber nicht geben“, sagt Grote. Am Gebäude selbst müsse außen nichts verändert werden.

Zu lösen sein wird auch die Parkplatzproblematik. „Wir haben ja Plätze zum Beispiel an der Elisabethstraße“, erklärt Grote weiter. Und die seien vom Bömberg auch nicht weiter entfernt, als das Rathaus vom Parkhaus Altstadt, wo aktuell viele Mitarbeiter der Verwaltung ihren Stellplatz haben. „Klar ist natürlich, dass wir nicht jedem Mitarbeiter einen Parkplatz vor der Tür anbieten können. Das war aber bisher auch nicht so.“

Die Idee, die Bömberg-Schule zu nutzen, habe es bereits gegeben, als man im Juni ebenfalls wegen Brandschutzmängeln die zwei oberen Etagen des Rathauses sperren musste. Aus praktischen Gründen habe man aber zunächst die ebenfalls leerstehende Wiesengrund-Schule vorgezogen.

Bis nun ein Umzug zum Bömberg stattfinden kann, gilt es noch einige Hürden zu nehmen. „Wir brauchen zunächst eine Baugenehmigung“, sagt Grote, die jetzige gelte nur für den Schulbetrieb.

Auch der Brandschutz wird am Bömberg noch Thema werden. „Das dürfte aber weniger ein Problem sein“, sagt Grote. Die Schule habe bereits ein Konzept. Und dies sogar für den Betrieb mit deutlich mehr anwesenden Menschen. Hier ginge es eher um Details wie die Beschilderungen von Fluchtwegen.

Auch in diesem Bereich ist freilich noch nichts in die Wege geleitet und spruchreif. Die Nachricht, dass die Mängel im Rathaus deutlich dramatischer sind, als angenommen, überbrachte der beauftragte Gutachter am Mittwoch vergangener Woche. Am Montagabend wurden die Iserlohner Ratsfraktionsvorsitzenden unterrichtet, am Dienstag berichtete die Heimatzeitung erstmals online.

Am 30. Oktober wird es nun eine Sondersitzung des Rates zum Thema geben. Angedacht, aber noch nicht terminlich fixiert sind vorab weitere Sitzungen des Planungsausschusses und des Aufsichtsrates der Schillerplatz AG. Der Abriss der Brücke am Platz werde ungeachtet der Rathaus-Problematik weitergehen, sagt Grote. Am kommenden Montag soll zunächst das Brückencafé entkernt werden – eine Woche später als einstmals geplant. Abriss soll vom 25. bis 27. Oktober sein.

Im Gespräch erklärt Grote auch nochmal, wie die Mängel derart lange unbemerkt bleiben konnten. Ein Generalunternehmer war 1974 für den Rathausbau verantwortlich. Auch eine baubehördliche Abnahme war erfolgt. Unter anderem entsprechen laut einem aktuellen Gutachten Vergitterungen an der Fassade, Brüstungen und Entlüftungsanlagen nicht den Vorschriften.

„Einige Mängel waren schon länger bekannt“, sagt Grote. „Nicht aber in dieser Massivität.“ Das Fehlen von Brandschutztüren, Mängel an Trennwänden zwischen Büros und Fluren – „das sind bekannte aber relativ leicht zu beseitigende Schwachpunkte gewesen“. Außenfassade, Brüstungen, Treppenhäuser – diese Erkenntnisse seien neu und erst seit einer Woche bekannt.

Gutachten, die in den Vorjahren in Auftrag gegeben wurden, und in deren Folge unter anderem 2011 eine Brandmeldeanlage eingebaut worden war – sie hätten stets den Auftrag gehabt, ein Brandschutzkonzept zu erstellen. Auch die regelmäßigen Kontrollen der Anlagen liefen ins Leere, geht es hier doch nur um die Prüfung der Funktionalität der einst behördlich genehmigten Anlagen.

Sichtbegehungen, Kontrollen von Belüftung oder Notbeleuchtung in drei- und einjährigen Intervallen – die nun beanstandeten Mängel blieben den jeweiligen Sachverständigen so stets verborgen. Erst für das jüngste Gutachten, mit dem angedacht war, Bestandsschutz für das Denkmal Rathaus zu erhalten und somit eine kostspielige Aufrüstung beim Brandschutz in Grenzen zu halten, wurden Baupläne und Ist-Zustand abgeglichen. Mit bekanntem Ausgang – einer bösen Überraschung, die für die finanziell gebeutelte Stadt zur Unzeit kommt. Die Zukunft des Gebäudes ist unklar.

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