Friedensfest

So eine Mischung gibt es nicht noch mal

Der umgestaltete Fritz-Kühn-Platz sorgte beim 28. Friedensfest für eine angenehme Umgebung.

Foto: Ralf Tiemann

Der umgestaltete Fritz-Kühn-Platz sorgte beim 28. Friedensfest für eine angenehme Umgebung.

Iserlohn.   Kunterbuntes Publikum, starke Musik und viel Drumherum – ein Tag auf dem Friedensfest

Es ist brütend heiß. Die Sonne knallt richtig runter auf die Wiese an der Bauernkirche. Die vielen Besucher, die schon am Nachmittag kommen, um über das Festival zu schlendern, suchen Schutz im Schatten der großen Eiche gleich neben der Kirche. Es gibt kühle Softdrinks, auch schon die ersten Bierchen. Für die Leute ist das prima, nette Gespräche auf den Bierbänken bei toller Live-Musik. Für die Bands weniger, denn zwischen Schatten und Bühne erstreckt sich ein etwa 30 Meter breiter Streifen in der prallen Sonne, der kaum bevölkert ist. Besonders viel Applaus bekommen die ersten Bands des Tages auf die Entfernung nicht ab. Dabei hätten sie ihn verdient: „Bisquit“ aus Iserlohn und Umgebung bieten sehr gefälligen Pop mit schönen Melodien, danach gibt es treibenden Rock von „Royal Wolves“ aus Menden. Auch die sind große Klasse.

Die Atmosphäre ist schon zu diesem frühen Zeitpunkt fantastisch – nicht nur im Bereich der Bühne am unteren Ende des Platzes zur Inselstraße hin. Am anderen Ende am Stadtmuseum haben die Kinder ihr Reich mit Hüpfburg, Schmink- und Bastelständen. Dazwischen erstrecken sich Zelte und Buden mit einem kunterbunten Angebot, das es so nur hier gibt. Politische Gruppen und Parteien halten ihre Fahnen hoch, die Jugendkunstschule ist vor Ort, es gibt alternative Mode aller Art, vegane Küche, afrikanische Kunst, indianische Traumfänger, bunten Modeschmuck, Lederhüte, Duftsteine, Massagen und und und. An einem Trödelstand bekommt man sogar ein Original-Wahlplakat von Heinz Weifenbach für den Hemeraner Stadtrat, das jeden älteren und ortskundigen Besucher auflachen lässt. Besonderer Andrang herrscht bei einem gut sortierten Schallplattenhändler. Und sogar an einem Stand mit vergilbten politischen Schriften tummeln sich interessierte Jugendliche.

Kaum Müll undüberhaupt keine Scherben

Ebenso kunterbunt ist das Publikum, das im Laufe des Abends auch immer bunter wird. Auf der Bühne spielen inzwischen „Honnycutt“ aus Hagen ziemlich knüppeligen Punkrock, erfreuen aber immerhin mit einer lustigen Version von Shakin Stevens’ „You drive me crazy“. Der Platz füllt sich immer mehr mit einer Mischung aus Menschen, die es ebenfalls so nur hier gibt. Alle Generationen, alle Schichten, viele bunte Vögel und noch viel mehr ganz normale Leute, die das Friedensfestival genießen. Ein paar schräge Typen, die ein ungutes Gefühl verbreiten, sind natürlich auch dabei. Einer fällt besonders auf: nietenbesetzte Maske, Stachelhalsband und ekliges Netzhemd – ziemlich gruselig und echt unappetitlich. Aber auch der wird nicht ausgegrenzt, auch er wird einfach gelassen, wie er ist, so wie hier jeder einfach sein kann, wie er sein will.

Heiß ist es aber immer noch, obwohl die Sonne nun viel tiefer steht und langsam über der Kluse verschwindet. Am kühlenden Bachlauf halten gruftig herausgeputzte Jugendliche ihre Füße ins Wasser. Überhaupt muss man sich um die vielen Barfußläufer auf dem Platz keine Sorgen machen. Es ist verblüffend sauber, es gibt überhaupt keine Spuren vom Freitagabend, keine Scherben auf der Wiese und auch kein Siff auf der Treppe. Das Anti-Müllkonzept der Organisatoren geht voll auf. Getränke gibt es ausschließlich in Pfandflaschen, sogar die Teller für die afrikanischen Spezialitäten sind aus Keramik und werden gespült – kaum Müll und null Glasbruch.

Mehr als 100 Helfer – aber immer noch zu wenig

Zusätzlich läuft noch ein Helfer herum und sammelt unermüdlich Kippen auf. Einer von über hundert ehrenamtlichen Freiwilligen, ohne die es das Fest nicht gäbe. Und doch sind es immer zu wenige. Jörg Jung vom Friedensplenum startet vor der vierten Band nochmal einen Appell. Es seien noch Lücken in der Helferliste. Wer spontan einspringen will, solle sich melden. Auch der Kassenstand sei derzeit trotz des guten Besuchs noch recht dürftig. „Wenn ihr eure eigenen Getränke mitbringt, kann das Fest nicht funktionieren“, sagt Jörg Jung. Der Getränkeverkauf ist schließlich die einzige Einnahmequelle. Grundsätzlich findet es aber auch Jörg Jung super, dass so viele gekommen sind und das Fest gut finden. Die Band „DIAS“ aus dem fernen Stralsund lässt es danach ordentlich krachen und glüht schon mal für den Höhepunkt des Abends vor. Der komplette Platz ist nun gut gefüllt, überall wird getratscht und gelacht, getrunken und feiert. Die Party geht langsam richtig los und erreicht wenig später, als es langsam dunkel wird, beim Top-Act ihren Höhepunkt. „April Art“ aus Gießen haben die Ehre, den Friedensfest-Samstag zu beenden und machen das richtig gut. Die Band ist super abgemischt und geht richtig nach vorne ohne einen voll zu dröhnen. Und dass die rockröhrige Frontfrau mit knallroter Mähne nimmt den ganzen Platz mit, bringt die Leute vorne zum Hüpfen und Tanzen und reißt auch die Leute auf der Treppe mit. Und man freut sich schon da, dass es auch noch einen Festival-Sonntag gibt, und hofft, dass es entgegen den jedes Jahr geäußerten Befürchtungen des Friedensplenums auch nächstes Jahr wieder ein Friedensfestival gibt.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik