Fehlender Brandschutz

Sofortige Teilsperrung des Rathauses

Die 5. und 6. Etage des Rathauses werden gesperrt, die betroffenen Mitarbeiter müssen ihre Büros verlassen. Der Grund: Es fehlt ein zweiter Fluchtweg, die Feuerwehr kann den Bereich mit der Drehleiter nicht erreichen.

Die 5. und 6. Etage des Rathauses werden gesperrt, die betroffenen Mitarbeiter müssen ihre Büros verlassen. Der Grund: Es fehlt ein zweiter Fluchtweg, die Feuerwehr kann den Bereich mit der Drehleiter nicht erreichen.

Foto: Torsten Lehmann

Iserlohn.  Die 5. und 6. Etage des Rathauses sind ab sofort gesperrt, es fehlt ein zweiter Fluchtweg.

Noch am 21. Mai hatte Stadtbaurat Thorsten Grote erklärt, dass der reguläre Rathaus- und Sitzungsbetrieb nicht von der Problematik betroffen sei. Mit „Problematik“ war das Brandschutzthema gemeint. Etwas mehr als zwei Wochen später muss sich der Stadtbaurat korrigieren. Per Pressemitteilung wurde gestern um 15.01 Uhr verkündet, dass das 5. und 6. Stockwerk des Rathauses I ab sofort für Büronutzung gesperrt ist.

Was ist seitdem passiert? Thorsten Grote erklärt, dass es kurz nach unserer Berichterstattung im Rahmen der Überprüfung des Brandschutzkonzeptes einen Ortstermin mit der Feuerwehr gegeben habe. Dabei sei das Rathaus auch mit der Drehleiter angesteuert worden. Ergebnis: Das 5. und 6. Obergeschoss konnten von der Drehleiter nicht erreicht werden. Nicht wegen der absoluten Höhe, sondern wegen der verwinkelten Bauweise des Rathauses. Und daraus, so Grote, habe man Konsequenzen ziehen müssen. Es gebe nur ein Treppenhaus und somit nur einen Fluchtweg. Und wenn dieses eine Treppenhaus verqualmt sei, und auch die Drehleiter als „Fluchtweg“ entfalle, gebe es keinen Fluchtweg mehr, so Grote. Der erforderliche zweite Fluchtweg könne somit nicht nachgewiesen werden.

Deshalb also die Entscheidung durch den Bürgermeister, aus Sicherheitsgründen die beiden obersten Rathausgeschosse zu sperren. Zwischenzeitlich hatte es noch die Hoffnung gegeben, durch eine außen angesetzte Treppenanlage in Gerüstbauweise kurzfristig einen zweiten Fluchtweg einrichten zu können. Eine Fachfirma, so Grote, wollte dafür aber wegen des erheblichen Eigengewichts der Konstruktion nicht die statische Verantwortung übernehmen. Daher wird nun ein Gutachter beauftragt, der klären soll, ob geeignete Dachflächen die Last aufnehmen können. Notfalls, so Grote, müssten Lasten anders abgeleitet oder Dachflächen punktuell verstärkt werden.

Statiker soll prüfen, ob eine Gerüst-Lösung möglich ist

Der Stadtbaurat hofft daher aktuell darauf, dass die Lösung mit einem Treppenaufgang in Gerüstbauweise doch noch realisiert werden kann. Dann könnten die beiden Obergeschosse auch wieder freigegeben werden. Es seien auch mehrere Varianten denkbar, wo das oder die Gerüste angesetzt werden könnten.

Das Thema Brandschutz im Rathaus steht seit längerem auf der Tagesordnung, aktuelle Bedeutung hatte es durch den bevorstehenden Abriss der Schillerplatzbrücke bekommen, die damit ebenfalls als wichtiger Fluchtweg entfällt. Eine Konsequenz war das Verbot von Veranstaltungen im Rathaus I (wir berichteten). Als Gründe, warum das Thema Brandschutz im Rathaus I neu beleuchtet werden müsse, gelten laut Pressemitteilung auch, dass das Gebäude mittlerweile unter Denkmalschutz stehe, „und nicht zuletzt auch deshalb, weil die Komplettsanierung des Gebäudes laut Beschluss des Rates zunächst nicht mehr Bestandteil der Planungen zur Entwicklung des Schillerplatz-Areals ist“.

Freie Büros und Sitzungsräume nutzen

In den beiden betroffenen Stockwerken befinden sich die Büros der Schulverwaltung, des Personalrates, des Kulturreferates, der Bereichsleitung Integration und Teilhabe und des Zentralen Schreibdienstes, insgesamt 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für sie werden als Übergangslösung Arbeitsplätze in vorübergehend freistehenden Büros und Besprechungsräumen zur Verfügung gestellt. Hier bittet die Verwaltung um Verständnis, wenn die Mitarbeiter in den nächsten Tagen nur eingeschränkt erreichbar sein sollten. Gestern Nachmittag gab es übrigens noch keine äußerlichen Hinweise auf die aktuelle Situation. Es gab keine Hinweisschilder, die Aufzüge fuhren auch weiterhin in das 5. und 6. Stockwerk.

Ändert die aktuelle Situation etwas an der grundsätzlichen Betrachtungsweise? Stadtbaurat Grote hatte zuletzt ja gesagt, dass er die zweifelsfrei notwendige Sanierung des Rathauses zeitlich hinter den Projekten Schillerplatz und Alexanderhöhe sehe. Für eine Änderung der Prioritätenliste sehe er aktuell keine Veranlassung. Wenn das Problem mit dem zweiten Fluchtweg gelöst werden könne, gebe es keinen akuten Zeitdruck. Natürlich, so Grote, habe die Politik das Recht, dennoch etwas an der Prioritätenliste zu ändern.

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