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Sonntags ist am Iserlohner Löbbeckenkopf Experimentierzeit

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Eugenia Friesen betreut zusammen mit drei weiteren Fachkräften das „Mobile Experimentierlabor“, das derzeit immer sonntags Halt am Löbbeckenkopf macht.

Eugenia Friesen betreut zusammen mit drei weiteren Fachkräften das „Mobile Experimentierlabor“, das derzeit immer sonntags Halt am Löbbeckenkopf macht.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.  Mit dem fast 30 Jahren Spielmobil besucht das Kinder- und Jugendbüro Brennpunkt-Stadtteile.

Der „goldene Oktober“ zeigt sich an diesem Sonntagmittag in seiner vollen Pracht, bestes Wetter für Freiluftaktivitäten. Das Spielmobil „Flitzepee“ steht am Spielplatz im Bereich Löbbeckenkopf, ein halbes Dutzend Mädchen und Jungen sitzt mit Erwachsenen an Biertischgarnituren.

Seit Anfang Juli heißt es immer sonntags „Mobiles Experimentierlabor unterwegs mit dem Spielmobil“. Das städtische Kinder- und Jugendbüro hatte mit dem Projekt bereits im vergangenen Jahr im Wohnpark Buchenwäldchen begonnen. „Das wurde super angenommen, und weil viele Kinder aus dem Bereich Löbbeckenkopf rübergekommen sind, haben wir auch für diesen Bereich einen Förderantrag gestellt“, erzählt Katharina Ramb. Die Mittel des Bundesprogramms „Kultur macht stark“ in Kooperation mit dem Verein „Spielmobile“ tragen die Kosten des Projekts zu 100 Prozent. Ziel ist es, Sechs- bis 14-Jährigen das ihnen zustehende Recht auf Spiel, Teilhabe und Mitsprache im öffentlichen Raum zu gewähren, ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich Spielräume anzueignen und ihre altersgerechte Medienkompetenz zu fördern. Und das vor allem in Stadtteilen, die als Brennpunkte gelten.

Zusammen mit Sema Özcan, Dorian Heilmann und Kathrin Verhaegen betreut die Erzieherin Eugenia Friesen die Mädchen und Jungen. „In den beiden Stadtteilen herrscht absoluter Bedarf an solchen Angeboten. Die Kinder saugen das auf wie ein Schwamm“, sagt sie. Denn zum einen hätten sie durch die Pandemie einen hohen Nachholbedarf, und auf der anderen Seite würden viele die Angebote für ihre Altersgruppe aus den verschiedensten Gründen nicht kennen. „Wir mussten uns natürlich zuerst das Vertrauen von Eltern und Kindern erarbeiten“, sagt Eugenia Friesen.

Viele kennen den eigenen Stadtteil nicht

So wurde bereits der Stadtteil erforscht. „Einige wissen beispielsweise gar nicht, dass der Duloh in unmittelbarer Nachbarschaft ist“, schildert Eugenia Friesen ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen. Mit einer Mischung aus Kreativ- und Bewegungsangeboten lernt der Nachwuchs die nähere Umgebung kennen. Spontan sei beispielsweise eine Müllsammelaktion entstanden. „Hier liegt immer viel rum“, bestätigt die elfjährige Lubna, die das Angebot gern und regelmäßig nutzt. „Ich habe dadurch schon viele neue Freunde gefunden. Wir haben immer viel Spaß“, sagt sie.

Den Anstoß hatten übrigens Mitglieder des Kinder- und Jugendrates (KiJu-Rat) gegeben. Dem hatte Eugenia Friesen einst selbst angehört. Und auch sie hat als Kind die Besuche des „Flitzepee“ genossen. Während sie aus ihrer Kindheit erzählt, wird klar: Das aktuelle Fahrzeug hat inzwischen 29 Jahre auf dem Buckel. Und es darf nicht von jedem gefahren werden, nur diejenigen, die noch einen „alten“ Führerschein besitzen, dürfen es steuern. Diese Informationen nimmt Grünen-Ratsfrau und Jugendhilfeausschuss-Mitglied Sylvia Olbrich mit, nachdem sie als einzige Fraktionsvertreterin der Einladung zum Löbbeckenkopf gefolgt ist. „Wir dürfen die Brennpunkte nicht aus den Augen verlieren. Direkter Kontakt durch niedrigschwellige Angebote wie dem Spielmobil ist wichtig“, erklärt sie und kündigt einen Antrag für die Haushaltsberatungen an, dass ein Ersatz angeschafft werden muss.

Auch Kinderlobby-Vorsitzende Monika Körner-Weinert und die 19-jährige KiJu-Ratsvertreterin Josey Sahin sind gekommen, um sich vom Erfolg des Projekts zu überzeugen. Obwohl eigentlich schon ein Ball gereicht hätte, wie Eugenia Friesen es formuliert, sind die Mädchen und Jungen mit Feuereifer beim Basteln dabei. Sie wünschen sich nicht nur, dass das Projekt auch nach dem offiziellen Ende im Oktober weiter läuft, sondern auch mehr Farbe und ein Trampolin für ihren Stadtteil, den sie selbst bereits mit bunten Stelen verschönert haben.

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