Freizeit

Sonntagskonzert mit einer Menge Spaß

Ulrike Böhmerbestritt in ihrer Rolle als Erna Schabiewsky das jüngste Gerlingser Sonntagskonzert in der Johanneskirche am Nußberg. Foto:Annabell Jatzke

Ulrike Böhmerbestritt in ihrer Rolle als Erna Schabiewsky das jüngste Gerlingser Sonntagskonzert in der Johanneskirche am Nußberg. Foto:Annabell Jatzke

Iserlohn.   Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer war mit Ausschnitten ihres aktuellen Programms zu Gast in der Johanneskirche.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Diesmal erwartete die Besucher beim Gerlingser Sonntagskonzert in der Johanneskirche am Nußberg einmal etwas Außergewöhnliches. Statt musikalischem Genuss gab es einen Angriff auf die Lachmuskeln.

Nachdem der für vergangenen Oktober geplante Auftritt mit Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer wegen Krankheit abgesagt werden musste, schlüpfte sie nun am Sonntag in ihre Paraderolle „Erna Schabiewsky“ und stellte Ausschnitte aus ihrem Programm „Hier stehe ich – ich kann auch anders“ nach dem sonntäglichen Gottesdienst mit Pfarrer Tom Mindemann vor.

Hanno Kreft, Leiter des Kirchenchores Gerlingsen, stellte Erna Schabiewsky als eine Frau, die musikalisch sehr interessiert ist und auch schon einmal in einem Kirchenchor gesungen hat, vor. Danach übernahm die wortgewandte Kirchgängerin aus Dortmund-Eving das Wort und war fortan kaum mehr zu bremsen. „Ich selber bin katholisch, man sieht es auch ein bisschen“, bekannte die Kirchgängerin mit Leib und Seele in der evangelischen Kirche. Auf die anschließende Frage, ob sonst noch wer katholisch sei, gingen zahlreiche Finger in die Höhe, was unter Beweis stellte, wie beliebt die in Iserlohn geborene Kabarettistin ist. Einige der Zuschauer waren aus Letmathe oder auch Hemer gekommen, um dank Ulrike Böhmers Humor die Lachmuskeln zu trainieren.

Mit Stützstrümpfen, Handtasche und Hut ausgestattet, machte sich Kunstfigur Erna Schabiewsky ihre Gedanken über Gott und die Welt und ließ selbstverständlich das Publikum daran teilhaben. Als Nachklang zum Reformationsjubiläum hatte es ihr gewiss Martin Luther sehr angetan, aber auch über die Zukunft der Kirchen sinnierte Schabiewsky lautstark. Immer wieder betonte sie dabei: „Wir sind ja unter uns.“ Auch verstand sie es, Tom Mindemann, Hanno Kreft und den zufällig anwesenden Albert Henz, Theologischer Vizepräsident im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen, mit ins Programm einzubeziehen.

Wissen über Luther war gefragt

„Ich bin eine sehr große Konifere für die Belange der Kirche“, unterstrich Schabiewsky, die sofort die Lacher auf ihrer Seite hatte. Im zurückliegenden Jubiläumsjahr sei auch ihr Wissen über Martin Luther gefragt gewesen. Sie habe sich jedoch erst bei Obermessdiener Ulf, der bestimmt später einmal Pfarrer wird, informieren müssen. Der stand ihr dann mit seiner Internetrecherche im Gegenzug für eine Schwarzwälder Kirschtorte helfend zur Seite. Die Angst vorm Fegefeuer seinerzeit versteht die „Hobbytheologin“ keinesfalls: „Ich kann Hitze gut ab.“ Die 95 Thesen habe Luther sicherlich nicht an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt, sondern mit Tesafilm befestigt – ist man sich im Hause Schabiewsky sicher. Immer wieder wurde auch Ehemann Herbert miteinbezogen und an einigen Stellen bekamen die Herren ihr Fett weg.

Kritisch und mit jeder Menge Wortwitz beäugt wurden auch diverse Erinnerungs-Artikel und Souvenirs, die anlässlich des Lutherjahres herausgebracht wurden, sei es Luther-Kaffee oder die Luther-Playmobilfigur.

„Wir Katholiken haben Heilige wie Sand am Meer“, bekannte Schabiewsky. Sie klärte die evangelischen Christen anhand verschiedener Beispiele wie dem päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ über den katholischen Glauben auf. Auch aus ihrem eigenen Leben und dem ökumenischen Bibelkreis, den sich besucht, berichtete Schabiewsky. „Dort spielen wir die Bibel nach, aber wir sind immer noch im Paradies, weil es so schön ist“, bekannte sie.

Ein Plädoyer für die Ökumene

Anschließend ging sie auf die Struktur der Frauengemeinschaften und Frauenhilfen ein. Dort sei es eine wahre Wissenschaft, Kaffee zu kochen, und diese Aufgabe ist gewiss nur wenigen vorbehalten. Über Kardinal Reinhard Marx und Bischof Heinrich Bedford-Strohm, den sie liebevoll als den „Harry Potter der Evangelischen Kirche“ titulierte, kam sie schließlich zu einem Plädoyer für die Ökumene. „Wenn wir nicht langsam zusammen gehen“, mahnte Erna Schabiewsky. „Wir Christen brauchen keine Angst vor Veränderungen zu haben“, fuhr sie fort.

Humorvoll und zum Nachdenken zugleich war das kabarettistische Programm, in dem sich viel Wahres wiederfand und das beim Publikum in der Johanneskirche sehr gut ankam.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben