Sprachstandserhebung: Es gibt noch Defizite

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Iserlohn. Offene Fragen gab es am Ende noch reichlich bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung am Mittwoch zum Thema „Sprachstandserhebung für Vierjährige” im Forum des Berufskollegs.

Eingeladen hatten der Rotary-Club Iserlohn-Waldstadt, der auch das Projekt „Sprache verbindet” betreut, die Kinderlobby und die Stadt Iserlohn.

Über 100 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt. Sie kamen aus Grundschulen, Kindergärten, Förderstellen, waren Kinderärzte oder Logopäden. Schnell wurde in der Diskussion deutlich, dass sich die Erfahrungen der Erzieherinnen nicht immer mit dem Ergebnis der durchgeführten Tests decken. Auch ein besseres Gesamtkonzept für die Förderung wurde eingefordert. In dargelegten Einzelfällen offenbarten sich noch Schwächen im System. So wurde von einem Fall berichtet, in dem einer nicht deutsch sprechenden türkischen Mutter auf Englisch erklärt wurde, dass ihr Kind gefördert werden müsse. In manchen Kindertageseinrichtungen fehlt es offensichtlich auch immer noch an geeigneten Räumen, um in ungestörter Atmosphäre die Sprachförderung gestalten zu können. Auch die strengen Regularien, die der Datenschutz vorschreibt, führen zu Kritikpunkten. So stellte sich heraus, dass in mehreren KiTas noch immer nicht alle Rückmeldungen der Eltern eingegangen sind. Da die Briefe in deutsch verschickt wurden, drängt sich hier der Verdacht auf, dass mancher Empfänger den Sinn des Briefes bis heute nocht nicht verstanden hat. Als Fazit kann gezogen werden, dass viele derer, die die Sprachtests haben durchführen müssen, das Gefühl haben, dies sei viel zu schnell und wenig vorbereitet passiert. Auch fehlten bisher die wissenschaftlichen Grundlagen für die kindliche Förderung. So werde noch viel herum experemtiert, in der Hoffnung, das Meiste richtig zu machen.

Im Vorfeld der Diskussion hatte Jürgen Schwerter das Rotary-Projekt „Sprache verbindet” vorgestellt, bei dem zur Zeit in Iserlohn mehr als 100 Sprach-Scouts - Oberstufenschüler - in Familien mit Migrationshintergrund mit den Kindern spielerisch Deutschkenntnisse vermitteln. Jagoda Köditz aus dem NRW-Schulministerium fiel die Aufgabe zu, die Intentionen der Landesregierung zu erläutern und einen Einblick in die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu geben. „Wir wissen jetzt sehr genau, wo die Defizite liegen”, ist aus ihrer Sicht ein positiver Aspekt der Sprachstandserhebung. Immerhin seien 24 Prozent der getesteten Kinder „förderungswürdig”. Sie warnte aber auch davor, dass die Tests die Kinder nicht überfordern dürfen und untermauerte dies mit diesem Zitat: „Qäulen Sie kein Kind mit einem Test, wenn sie nicht wissen, wofür das Ergebnis hinterher gut ist”. Für das Elternhaus mit Migrationshintergrund gab sie die Regel aus. die Eltern sollten mit dem Kind die Sprache sprechen, die sie selbst am besten beherrschen.

Ressortleiter Friedhelm Kowalski und Jana Wehner von der Koordinierungsstelle Jugendhilfe und Schule bei der Stadt Iserlohn stellten dann die Erfahrungen aus Iserlohner Sicht dar. Kowalski formulierte die Hoffnung, dass die 2005 gestartete „Offensive für Sprachförderung” die Chancengleicheit für Migrationskinder erhöhe. Fragezeichen setzte auch er bei der angewandten Methode „Delfin 4”. Aus seiner Sicht sollte die Rolle der Erzieherinnen weiter gestärkt werden. Eine Ansicht, die auch durch Jana Wehner gestützt wurde. Denn es müsse die „diagnostische Kompetenz stärker in den Blickpunkt gerückt werden”. Über allem solle aber nicht vergessen werden, dass es für die Kinder eine echte Höchstleistung sei, zwei Sprachen zu erlernen.

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