Energieversorgung

Stadtwerke planen Zukunft des Stromnetzes

Im neuen Projekt „PowerSharing“ wollen sie zusammen mit den Bürgern das lokale Stromnetz der Zukunft gestalten: (v. li.) Reiner Timmreck, Beate Besse und Thomas Armoneit von den Stadtwerken Iserlohn.

Im neuen Projekt „PowerSharing“ wollen sie zusammen mit den Bürgern das lokale Stromnetz der Zukunft gestalten: (v. li.) Reiner Timmreck, Beate Besse und Thomas Armoneit von den Stadtwerken Iserlohn.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Unter dem Namen „PowerSharing“ will das kommunale Unternehmen ein Netzwerk schaffen, das die Energiewende in Iserlohn voranbringen soll

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Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und den verstärkten Klimaschutzanstrengungen unterliegt das Stromnetz einem Wandel. Neue Hochspannungsleitungen durch die gesamte Republik sind in der Planung und in der Diskussion. Aber die Energiewende hat längst auch Auswirkungen auf lokaler Ebene, denn Windkraft- und Solaranlagen speisen ebenso wie Blockheizkraftwerke Strom ein, der verteilt und verbraucht werden muss – alles zum gleichen Zeitpunkt.

Stammte der Strom früher aus rund 100 Kraftwerken bundesweit und wurde „nur“ zum Verbraucher gebracht, hat sich das mittlerweile geändert: Millionen kleiner Stromerzeuger sind heute aktiv, wie Reiner Timmreck, Geschäftsführer der Stadtwerke Iserlohn, erklärt. Die Verantwortung für die Versorgungssicherheit verlagere sich in die regionalen und lokalen Verteilnetze. Timmreck spricht im Rahmen eines Pressegesprächs von einer „ingenieurtechnischen Herausforderung“, die am Ende nur mit Digitalisierung zu lösen sei.

Dialog soll in einer eigenen Community geführt werden

Mit einem neuen Projekt, das am Dienstag gestartet ist, soll die Entwicklung auf lokaler Ebene nun zusätzlich Fahrt aufnehmen, ein ganzheitliches Versorgungskonzept erarbeitet werden. Die Stadtwerke haben unter www.powersharing.de eine Online-Plattform eingerichtet, unter der sich einerseits Fakten zur lokalen Energiewende finden, andererseits Bürger ihr Interesse zur Mitarbeiter an dem Thema anmelden können. Ziel ist der Aufbau einer lokalen, zukunftsorientierten Community. „Wir wollen hier nicht Praxisfernes am Schreibtisch entwickeln, sondern voneinander lernen. Über unsere Plattform wollen wir uns auch mit den jeweils beteiligten Gruppen abstimmen, was praktikabel und zielführend ist und was nicht“, erklärt Timmreck. Am Dienstagabend hat in der SASE dazu eine erste Informationsveranstaltung mit rund 150 Teilnehmern stattgefunden, die etwa als Abnehmer aus der Industrie oder der Wohnungswirtschaft sowie als Stromproduzenten beispielsweise mit Solaranlagen über eine hohe Affinität zum Thema verfügen.

Erste Erfahrungen mit der Digitalisierung des Stromnetzes gibt es an der Stefanstraße bereits. Am „Virtuellen Kraftwerk“ für Iserlohn arbeiten die Stadtwerke seit zwei Jahren, allen voran Thomas Armoneit als Bereichsleiter Technisches Management, auch mit wissenschaftlicher Unterstützung der Uni Wuppertal. Ein Anfang bei der Vernetzung von industriellen Verbrauchern und eigener Stromproduktion der Stadtwerke ist gemacht. In Zukunft sollen aber viel mehr Beteiligte ihren Strom über die Plattform liefern und beziehen, so der Gedanke.

Zu dem Entwicklungsprozess sollen zahlreiche Workshops gehören, in denen neben Grundsätzlichem auch Detailfragen zu klären sind. Das könnte tatsächlich in neue digitale Produkten der Stadtwerke münden, mutmaßt Timmreck. Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Die Möglichkeit, zeit- oder lastabhängige Tarife zu entwickeln besteht, doch für den privaten Nutzer sieht Thomas Armoneit zumindest derzeit wenig Vorteile. „Am Ende wollen wir, dass möglichst viele mitmachen“, sagt er mit Blick auf das Projekt „PowerSharing“, das auf mehrere Jahre angelegt ist. „Wir wollen erfahren – was ist das Interesse, wo ist der Bedarf“, formuliert Beate Besse, seit gut einem Jahr als Abteilungsleiterin „Smart Energy“ bei den Stadtwerken.

Intelligente Zähler machen den Verbrauch transparent

Einen weiteren konkreten Schritt in Richtung des digitalen Stromnetzes haben die Stadtwerke schon im vergangenen Jahr gemacht. Seitdem werden turnusmäßig auszutauschende Stromzähler in Privathaushalten durch „moderne Messeinrichtungen“ ersetzt, also digitale Zähler, die in der Normalausführung keine Informationen an die Stadtwerke übermitteln. Für die Planung des digitalen Stromnetzes der Zukunft wären Verbrauchsdetails für die Stadtwerke und die Projektbeteiligten von Interesse -- und vermutlich auch für viele Verbraucher. Im Rahmen von „PowerSharing“ können sich Stromkunden – vorzugsweise über die Internetseite des Projektes – auch an die Stadtwerke wenden und mit einem intelligenten Stromzähler aktiv zur Entwicklung des lokalen Stromnetzes der Zukunft beitragen.

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