Landgericht

Stadtwerke verklagen einen Konkurrenten auf Unterlassung

Iserlohn/Hagen.   Anbieter aus Hannover soll mit unseriösen Methoden Kunden abgeworben haben, Gericht kündigt Entscheidung im Eilverfahren an.

Der Stromanbieter-Markt in Iserlohn ist heiß umkämpft: Mit geradezu unseriösen Methoden soll ein Energielieferant aus Hannover den Stadtwerken Iserlohn Kunden abgeworben haben. Vor dem Landgericht Hagen geht der örtliche Versorger nun gegen den Konkurrenten aus Niedersachsen vor.

Ein unbekannter Anruferwar in der Leitung

Vor der „Kammer für Handelssachen“ wurde dieser unglaubliche Fall von Seiten der Stadtwerke Iserlohn vorgetragen: Bei einer 80-jährigen Frau aus Iserlohn klingelte am 17. Januar das Telefon. Als die alte Dame den Hörer abnahm, war ein unbekannter Anrufer in der Leitung: „Die Iserlohner Stadtwerke gibt es demnächst nicht mehr“, habe der Mann am anderen Ende der Leitung angekündigt und damit die 80-Jährige regelrecht in Panik versetzt. Denn die Iserlohnerin ist krank und dringend auf ein Sauerstoffgerät angewiesen.

Später wurde 80-Jährige forsch abgewimmelt

So gab sie denn auch, geschockt durch die (frei erfundene) Hiobsbotschaft, bereitwillig Auskunft, als der fremde Anrufer die Nummer ihres Stromzählers erfragte. Erst als das Telefonat beendet war, kamen der alten Dame Zweifel. Sie rief noch einmal die Nummer zurück, die sie zuvor in ihrem Telefondisplay gesehen hatte. Doch nun wurde sie forsch abgewimmelt.

Gut acht Monate später, die Geschichte mit dem ominösen Anrufer war längst in Vergessenheit geraten, bekam die 80-Jährige überraschend Post: Die „e:veen Energie-Genossenschaft“ aus Hannover begrüßte sie am 4. August als „neuen Kunden“.

Die Iserlohnerin fiel aus allen Wolken, denn ihren örtlichen Energieanbieter hatte sie gar nicht wechseln wollen. Sofort war ihr klar, dass das alles mit dem Anruf des Unbekannten Mitte Januar zu tun haben musste, bei dem sie leichtfertig die Nummer ihres Stromzählers durchgegeben hatte. Sie sei am Telefon überrumpelt und ausgetrickst worden.

Soweit die Darstellung der Iserlohner Stadtwerke, die nunmehr per Einstweiliger Verfügung dem Wettbewerber aus Hannover untersagen lassen will, mit solch unseriösen Methoden Strom-Kunden abzuwerben: „Unter falschen Angaben wurden Informationen der Angerufenen erbeten, um eine Antragsumstellung zu bewirken.“

Dem Gericht wurden drei eidesstattlich versicherte Fälle vorgelegt, von Iserlohnern, die gegen ihren Willen bei den Stadtwerken abgemeldet und zu „e:veen“ umgemeldet worden waren.

Eine Unterschrift istnicht erforderlich

Tatsächlich ist bei einem Anbieterwechsel keine Unterschrift des betreffenden Kunden erforderlich. Auf elektronischen Wege reichen allein Name, Anschrift des Kunden sowie dessen Zählernummer aus, um einen Anbieterwechsel glaubhaft zu machen. Diese Lücke kann von unseriösen Werbern ausgenutzt werden. Bei „e:veen“, dass sich selbst als „unabhängiger und bundesweit tätiger Strom- und Gaslieferant“ bezeichnet, der sich zum Ziel gesetzt habe, „grundsätzlich günstigere Konditionen als der Grundversorger anzubieten“, weist man die Vorwürfe zurück. „Mit den Telefonaten haben wir nichts zu tun“, erklärt das Unternehmen aus Hannover, „das sind unabhängige, freiberufliche Energieberater, die uns die Wechselanträge zuleiten, die aber nicht bei uns beschäftigt sind.“ Insofern könne „e:veen“ für deren Verhalten nicht auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Die Werber würden angeblich auch keine Provisionen erhalten. Ob das glaubwürdig ist? Es stellt sich die Frage, wie die Telefonwerber dann ihr Geld verdienen. Das Gericht will am Donnerstag im Eilverfahren entscheiden, ob die zweifelhaften Werbemethoden künftig zu unterlassen sind.

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