Parkhaus

Statt Konzept nur „weitergehende Überlegungen“

Foto: Privat/Stadt Iserlohn

Iserlohn.   Für das von der Verwaltung favorisierte Parkhaus am Seilersee fehlt weiter ein detailliertes Betriebsmodell

Die Ratsfraktionen hatten am Montagabend erstmals Gelegenheit, über die neue Sitzungsvorlage zum geplanten Parkhaus am Seilersee zu sprechen, die am Freitag den Fraktionsbüros zugeleitet worden war. Da aufgrund des Brückentages viele Ratsmitglieder aber tatsächlich erst gestern die mehr als 20 Seiten zu lesen bekamen, war es dem Vernehmen nach sehr schwierig, ja unmöglich, sich über den Beschlussvorschlag der Verwaltung auszutauschen. Die favorisiert bekanntlich weiterhin den Bau des Parkhauses.

Wie zu hören war, stieß es am Montag dem einen oder anderen auf jeden Fall schon mal sauer auf, dass immer noch kein „detailliertes Betriebskonzept einschließlich Wirtschaftlichkeitsberechnung“ für das Parkhaus vorliegt. Die Verwaltung sieht dabei mit Verweis auf den entsprechenden Beschluss in der jüngsten Ratssitzung die stadteigene Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, die das Parkhaus bauen und betreiben soll, in der Bringschuld, während die GfW in der Anlage „Betrieb und Wirtschaftlichkeit des Parkhauses vor der Eissporthalle“ zur Sitzungsvorlage schreibt, dass das Konzept gemeinsam mit der Verwaltung erarbeitet werden soll.

Ertrag von 100 000 Euro bei Kosten von 320 000 Euro

Statt eines Konzeptes gibt es dann auch nach den „ersten Überlegungen zum Betriebsmodell“, die für die GfW-Aufsichtsratssitzung am 2. März angestellt worden waren und die auch die Grundlage für den Baubeschluss in der letzten Ratssitzung bilden sollten, nun lediglich „weitergehende Überlegungen“. Die beschäftigen sich mit dem „näherungsweise mit 100 000 Euro deklarierten Ertragspotenzial“ – dem bekanntlich jährliche Aufwendungen von 320 000 Euro gegenüberstehen. Das Einnahme-Potenzial wird in Form einer „modifizierten Modellrechnung“ erläutert, die als „Diskussionsgrundlage für die Ausgestaltung eines Tarifmodells“ dienen soll. So wird auf der Grundlage von Gesprächen von folgender Bandbreite bei den Parkvorgängen der einzelnen Nutzergruppen ausgegangen: 60 000 bis 80 000 von den Seilerseebad-Besuchern, 10 500 bis 20 000 von den Freibad-Schleddenhof-Besuchern, 6000 bis 12 000 von den Roosters-Fans, 6000 bis 10 800 von den Roosters als Unternehmen, 5400 bis 10 800 von Besuchern des Freizeitgebietes sowie 300 bis 600 von sonstigen Nutzern bei Sonderveranstaltungen, insgesamt also zwischen 88 200 und 134 200 Parkvorgänge pro Jahr.

Bei der „Tarifierung“ wird mit Blick auf die Nutzergruppen die Notwendigkeit einer „differenzierten Preisgestaltung“ gesehen. „Dabei sollte grundsätzlich auch die Frage nach dem Angebot kostenfreien Parkens – für einen begrenzten Zeitraum – beantwortet und entschieden werden“, heißt es. Dieses sollte beispielsweise gelten für „Spaziergänger, Besucher des Seegebietes, eventuell gekoppelt an eine Gebührenrückvergütung durch gastronomische Betriebe“. Zudem wird ein Tarif von einem Euro pro Stunde, eine Tagesparkgebühr von maximal fünf Euro und ein Wochentarif von 15 Euro angenommen.

Stadt wäre letztlich selber der größte Parkgebühren-Zahler

Außerdem wird in der Modellrechnung von einer Rückerstattung der Parkgebühren durch die Stadtwerke/Bädergesellschaft an die Badbesucher ausgegangen, die ja den Löwen-Anteil der Nutzer stellen sollen. Dem Vernehmen nach haben die Verantwortlichen aber bereits bei einer Besprechung im Dezember deutlich gemacht, dass eine solche Vorgehensweise zu einem höheren Verlust führen würde, der komplett zu Lasten der städtischen Finanzen gehe. Eine „Sonderstellung“, so die GfW in der aktuellen Vorlage, würden zudem die ISSV-Mitglieder und die weiteren Besucher des Freibads Schleddenhof einnehmen. Eine Rückvergütung durch den Verein sei aus wirtschaftlichen Gründen fraglich, so dass es eventuell zu einer Erhöhung des städtischen Zuschusses an den ISSV kommen müsse.

Weitere Umsätze könnten hingegen laut GfW durch die Vermietung von Stellplätzen an Dauerparker aus dem „betrieblichen Umfeld des Parkhaus-Standortes (Mitarbeiter der Firmen Jürgens, Nolte, Hesmert, verschiedene Dienstleister)“ generiert werden. Bei 25 Verträgen kämen 13 500 Euro zusammen.

Alles zusammen könnte ein Umsatz von bis zu 120 000 Euro erzielt werden. Wichtig dabei sei jedoch als „flankierende Maßnahme“ ein Verkehrskonzept, das „auch die noch freien und bislang kostenlos zur Verfügung gestellten Parkflächen im öffentlichen Raum mit einschließt“. Denn, so heißt es abschließend: „Um die betriebswirtschaftlichen Potenziale des Parkhauses zu optimieren, das heißt, die Verluste zu minimieren und gegebenenfalls mittelfristig sogar ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen“, sollten genau diese Parkflächen „mit Inbetriebnahme der Parkimmobilie bewirtschaftet werden“.

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