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Stefan Bartels: „Ich bin frei und werde Anwalt“

Stefan Bartels

Foto: Jörg Kleine

Stefan Bartels Foto: Jörg Kleine

Iserlohn.   Nach Beschluss des Stadtrats wird das Rechtsdezernat abgeschafft, und der Beigeordnete Stefan Bartels muss gehen.

Nach fast 25 Jahren im Iserlohner Rathaus nimmt der Mann des Rechts bald Abschied: Stefan Bartels (62). Die Stelle des Beigeordneten und Rechtsdezernenten läuft im Herbst aus – und soll nach politischem Mehrheitswillen des Stadtrats nicht wieder besetzt werden. So geht Stefan Bartels durchaus mit gemischten Gefühlen, daraus macht er keinen Hehl.

Wer den Rechtsdezernenten im beruflichen Alltag erlebt, kann nicht glauben, dass er bald Pensionär sein soll: Scharfer Verstand, frische Stimme, und seine Gedanken schießen so schnell und akzentuiert heraus, dass Gesprächspartnern fast schwindelig werden kann. Juristen wie Bartels, gestählt aus Plädoyers und Urteilsbegründungen, sind im Dialog eben äußerst rasant unterwegs.

Verwaltungsrichter seit 1993 bei der Stadt Iserlohn

Der Rechtsdezernent stammt gebürtig aus Hagen, wo er am damals altsprachlichen Gymnasium sein Abitur ablegte. In Freiburg und Münster studierte er Jura, begann 1978 sein Referendariat im Münsterland, bevor er am 1. September 1981 als Verwaltungsrichter in Arnsberg loslegte. Genau jenes Gericht also, mit dem er als Rechtsdezernent der Stadt Iserlohn später von der anderen Seite so manches Mal um Recht gestritten hat – beispielsweise dieses Frühjahr, als es um die Verdi-Klage gegen verkaufsoffene Sonntage ging.

Der berufliche Kontakt zu Iserlohn ergab sich für den jungen Verwaltungsrichter schnell, erinnert sich Bartels gut: 1989/90 war er vom Arnsberger Gericht aus ein Jahr lang in die Verwaltung des Märkischen Kreises abgeordnet – als Mann für besondere Aufgaben, um die Perspektive und berufliche Bandbreite zu erweitern. Damals ging es etwa um den Aufbau des Lokalfunks in Nordrhein-Westfalen. Stefan Bartels steckte Rahmenbedingungen mit den Kommunen im Märkischen Kreis ab, war auch im Verwaltungsvorstand des Kreises mit von der Partie. „Das hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt Bartels: „So bin ich auf den Geschmack gekommen.“

Dann ging es rapide weiter in Bartels Laufbahn: 1992 wurde Klaus Müller zum Stadtdirektor in Iserlohn gewählt – der alsbald die Fühler ausstreckte, um den Verwaltungsrichter Bartels 1993 ins Rechtsamt des Rathauses zu holen. Klaus Müller habe bei der Stellenbesetzung keinerlei Wert gelegt „auf irgendeine Parteizugehörigkeit“, unterstreicht Bartels: „Politische Ziele zu erreichen, war nie mein Ding. Mir geht es um gesetzesmäßiges, rechtmäßiges Handeln – um eine einwandfreie Verwaltung.“ Und genau deshalb sei es für ihn nie eine Frage gewesen, sowohl mit Klaus Müller (CDU) loyal zusammenzuarbeiten als später auch mit Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens (SPD), der 2009 als Müllers Nachfolger gewählt wurde.

In rund 25 Berufsjahren im Dienst der Stadt Iserlohn hatte Stefan Bartels so manche heikle Aufgabe und Situation zu bewältigen. Im Sommer 2007 beherrschte etwa der „Fall André“ bundesweit die Schlagzeilen. Der drei Monate alte Säugling einer verwahrlosten Familie war gestorben. Dabei liefen auch Ermittlungen gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamts. „Am Ende stellte sich heraus, dass das Kind aufgrund einer Virusinfektion gestorben war“, schildert Bartels und legt eine dicke Arbeitsmappe von damals auf den Tisch: „Das habe ich alles aufgehoben.“

In die juristische Defensive geriet die Stadt vor Jahren auch, als es um eine Erweiterung des Steinbruchs der Hohenlimburger Kalkwerke auf Letmather Gebiet ging. „Ob Landesregierung oder Bezirksregierung, alle haben gesagt, dass die Stadt Iserlohn chancenlos sei“, entsinnt sich Bartels. Dennoch führte der Rechtsexperte eine Klage, die die Stadt Iserlohn dann vor dem Verwaltungsgericht und dem Oberverwaltungsgericht gewann. „Damals ist mir etwas ganz Schönes widerfahren: Viele Menschen haben mir mit Herzlichkeit für meine Arbeit gedankt.“

2009 vom Stadtrat zum Beigeordneten gewählt

Beruflich brachte das Iserlohner Wahljahr 2009 auch für Stefan Bar­tels einen Sprung. Nach Jahren als Rechtsamtsleiter stieg er zum Beigeordneten und Rechtsdezernenten auf – vom Stadtrat legitimiert. Parallel war Katrin Brenner (CDU) zum 1. Dezember 2009 als Erste Beigeordnete und Schuldezernentin gewählt worden, aber im neu formierten Iserlohner Verwaltungsvorstand fehlte nach Klaus Müllers Abschied als Bürgermeister ein Jurist. „In kreisfreien Städten und großen kreisangehörigen Städten muss mindestens einer der Beigeordneten die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst besitzen“, heißt es wörtlich in der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung. Diese Aufgabe in Iserlohn lag fortan bei Stefan Bar­tels.

Nach nur einer Amtsperiode (acht Jahre) als Beigeordneter ist derweil für den Mann des Rechts Schicht im Rathaus: Ende Februar entschied der Stadtrat mehrheitlich unter Führung der SPD nicht nur, die Stelle von Katrin Brenner neu auszuschreiben – sondern auch, den Posten von Stefan Bartels künftig komplett zu streichen. Allein Rathauschef Dr. Ahrens zog als Sozialdemokrat beim Votum der Genossen nicht mit.

Im Herbst kommt der Abschied im Rathaus

„Der Bürgermeister hatte den Wunsch geäußert, mit mir gerne weiterzuarbeiten“, schildert Bartels. Zumal der Rechtsdezernent erst 2020 das Pensionsalter erreicht – und die Stadt Iserlohn bis dahin weiter die Personalkosten zu tragen hat. Aber all das spielte im aktuellen politischen Poker um die Spitzenposten im Rathaus keine Rolle. So gibt es künftig wieder einen Rechtsamtsleiter ohne Befugnis als Beigeordneter.

Frust am Ende von fast 25 Berufsjahren im Dienst der Stadt? Bartels formuliert es mit Diplomatie eines Juristen: „Ich war schon ein wenig enttäuscht.“ Katrin Brenner sei eine politische Person, „das bin ich nicht“, erklärt Bartels. Dass er parallel nur als Übergangslösung dienen sollte, wie mancher im Stadtrat Ende Februar meinte, „das war mir nicht klar“, sagt Bartels. Und keine der beiden großen Fraktionen von SPD und CDU „hat mit mir richtig gesprochen“, fügt er an.

Trübsal ist beim Mann des Rechts derweil nicht angesagt, auch kein Däumchendrehen zu Hause im Garten: „Ich bin frei und werde Anwalt“, schildert er mit frischer, fast jugendlicher Stimme – „Spezialgebiet Verwaltungsrecht“.

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