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Sucht Laureate Käufer für die BiTS?

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Foto: Michael May

Iserlohn.   Finanz-Analysten erfahren, dass Hochschule besser „in andere Hände passt“.

Bis vor wenigen Wochen hieß die private Hochschule am Seilersee noch BiTS (Business and Information Technology School, wurde dann über Nacht in USE (University of Applied Science Europe Iserlohn, Berlin, Hamburg) umbenannt. Doch das war wohl nur unerhebliche Nebenbei-Kosmetik im Vergleich zu den aktuell anstehenden Entscheidungen und Plänen. Der amerikanische Bildungskonzern Laureate ist offenbar auf der Suche nach einem Käufer für sein komplettes Deutschlandgeschäft. Der Heimatzeitung liegen Informationen vor, nach denen sich der Konzern bis Mai 2018 von der deutschen USE/BiTS mit dem Ur-Standort am Seilersee und den Dependancen Hamburg und Berlin trennen will.

Amerikaner kaufen sich 2008 in die BiTS ein

Der im vergangenen Jahr verstorbene Unternehmer Prof. Dietrich Walther hatte im Jahre 2000 auf dem Gelände des ehemaligen britischen Militärhospitals am Seilersee mit 25 Erstsemestern einen Studienbetrieb aufgenommen, der junge Menschen zunächst im Bereich der Studienrichtung „Betriebswirtschaftslehre“ ausbilden und gleichzeitig für eine unternehmerische Tätigkeit fit machen sollte. In den Folgejahren kamen immer mehr Fächer hinzu, die Studierendenzahl wuchs stetig, die Zahl der genutzten Gebäude und Flächen nahm zu. 2008 verkaufte Walther überraschend zunächst 76 Prozent seiner Anteile an die Laureate-Gruppe – mit über 75 akkreditierten Hochschulen in 25 Ländern auf fünf Kontinenten und mit über einer Million Studierenden das nach eigenen Angaben größte privaten Hochschulnetz. Zudem gab Walther das Präsidium ab.

In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Veränderungen zum Tragen, die Expansion der Hochschule Richtung Berlin (2012) und Hamburg (2013). Auch die BTK-Hochschule für Gestaltung wurde 2017 in das USE-Konstrukt überführt. Strategisch richtete der seit 2015 amtierende Rektor Professor Dr. Stefan Stein neben einer zunehmenden Internationalisierung seiner Ausbildungsangebote den Blick auch immer wieder gen Asien, weil man sich dort einen spannenden Akquise-Markt für Deutschland versprach.

Allerdings musste sich das Rektorat auch für Iserlohn – wohl nicht nur wegen des Doppel-Abitur-Jahrgangs – in letzter Zeit mit sinkenden Studierenden-Zahlen befassen. In Gesprächen mit der Heimatzeitung hatte Stein die Probleme grundsätzlich auch nie bestritten, allerdings immer wieder auf neue, duale Angebote mit gezielten Berufsausbildungen gesetzt. Schon länger existierenden Gerüchten eines Abzugs vom Seilersee zugunsten von Berlin und Hamburg hatte er stets eine Absage erteilt. Allerdings galt es zwischenzeitlich als gesichert, dass man in NRW mit Köln einen neuen, attraktiven Standort errichten wollte.

Über Erlösvorstellungen wurde noch nicht gesprochen

Dass nun offenbar alles ganz anders kommt, wurde erstmals im Mai im Rahmen einer Konferenz von Laureate-Vorstandsmitgliedern mit Analysten großer Geldhäuser wie Morgan Stanley oder Credit Suisse bekannt. Dort wurde erklärt, man habe weltweit alle Standorte einer eingehenden Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen und dabei fünf bis sieben Länder ermittelt, die zwar nicht grundsätzlich unerfolgreich seien, aber doch besser in die Hände anderer Besitzer passen würden. So wurde unter anderem die für Laureate sinnhafte Untergrenze bei den Studierenden mit 5000 angegeben. Ein Wert, der in Deutschland trotz schwankender Angaben unterschritten wird. Deutschland selbst wurde zunächst jedoch noch nicht beim Namen genannt. Auch über mögliche Erlösvorstellungen wurde noch nicht gesprochen.

In einer ersten Stellungnahme erklärt Rektor Stefan Stein: „Wie viele Unternehmen unterzieht auch Laureate in regelmäßigen Abständen sein Geschäftsportfolio einer strategischen Überprüfung. Im Rahmen dessen evaluiert Laureate immer auch potenzielle Veräußerungen auf verschiedenen Märkten. Dieser Prozess dauert an, und es wurden bislang keine Entscheidungen getroffen.“ Zudem werde man in Kürze mit einem reinen Online-Angebot an den Markt gehen.

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