IKZ-Gespräch

Sudhaus-Geschäftsführer Hartmann: "Es ist die Kompetenz, die zählt"

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Iserlohn. Zugegeben, die Botschaft klingt im ersten Moment nicht allzu sensationell. „Wir haben unsere technologischen Kompetenzen in den Bereichen Werkzeugbau, Kunststoff, Zinkdruckguss, Lackieren und Montieren.”

Das sagt Michael Hartmann, der seit einigen Monaten die unternehmerischen Geschicke der Firma Sudhaus an der Teichstraße lenkt. Übrigens ist er Dr. Ing. und Dipl. Wirt. Ing. - gleich zwei Titel könnte sich der Mann also eigentlich noch vor den Namen setzen, doch da hält es der gebürtige Aachener wohl eher mit einer leichten Form von rheinisch-westfälischem Understatement. Über sich selbst möchte er nämlich auch gar nicht so viel reden. Lieber über Sudhaus.

Denn über dieses Iserlohner Traditionsunternehmen ist in den letzten Wochen zwar immer wieder gesprochen worden. Aber eben nicht immer nur positiv. Schlagzeilen von Kündigungen und wirtschaftlicher Schieflage hatten die Runde gemacht. Dunkle Wolken also über einem lokalen Global Player.

Doch nun, so hat Michael Hartmann befunden, sei es aber viel eher mal wieder an der Zeit, echte Ausblicke zu wagen, von Erfolgen, Plänen und Visionen zu berichten. Aber natürlich auch von Schwierigkeiten, einen Weg zu gehen, der sich im Grunde genommen von zwei einfachen Grund-Kriterien leiten lässt: der Qualität und der Zuverlässigkeit.

Um das Unternehmen Sudhaus und die Hartmannschen Ideen zu verstehen, muss man sich eigentlich nur auf einen kleinen Weg durch die Firma machen. Hier durch eine Tür, dort eine Treppe rauf, dann wieder runter und noch einmal nach links. Und plötzlich steht man in einem Raum und scheint - ohne es gemerkt zu haben - durch eine Zeittunnel gerauscht zu sein. Auf dem Tisch steht ein mächtiger Überseekoffer. Feinste Handarbeit aus einer Zeit, als die Reise nach Amerika oder in andere Winkel der Welt - zum Beispiel mit dem Schiff - noch ein echtes Abenteuer und zum Teil natürlich auch purer Luxus war.

Und nun steht also ein Sudhaus-Mitarbeiter-Urgestein vor dem Koffer und beabsichtigt, die Beschläge zu erneuern. Nicht einfach so, sondern, weil vermutlich nur er weit und breit das kann. Weil nämlich sein Unternehmen dafür seit Mitte des 18. Jahrhunderts einen Bomben-Ruf genoss, der sich rund um den Erdball verbreitet hatte. Und so etwas verpflichtet eben. Und spornt an.

„Kofferschlösser und Beschläge können wahrscheinlich viele machen”, sagt dann auch Michael Hartmann nicht ohne eine Spur Stolz in der Stimme. „Aber eben nicht so wie wir. Nicht mit dieser Qualität, nicht mit dieser Haltbarkeit und nicht mit dieser Funktionalität.” Und hinter dieser Aussage verbirgt sich dann auch einer seiner ersten, erhofft nachhaltigen Zukunftsansätze: „Wir werden unseren Anspruch, der Treiber für Innovationen bei den Schlössern zu sein, durch die Etablierung eines echten Manufakturbereiches, also Einzel- und Kleinserien, intensivieren. Um diese Zielsetzung zu erfüllen, werden wir den Bereich der Entwicklung ausbauen.” Und: Unterstützung für seine Pläne erhofft sich Hartmann in diesem Zusammenhang auch durch „unseren einzigartigen Bereich ‚Musterbau'!”

Schon kommt er auf das nächste große Hoffnungsthema zu sprechen: der Werkzeugbau. Der Ingenieur hat da eine klare Denke: Natürlich könne man sich alle möglichen Werkzeuge im Ausland anfertigen lassen. Zum Beispiel auch in China. Die wären auch im ersten Moment mit Sicherheit günstiger. Aber bei der Qualität drehe sich dann die Freude schnell in Frust. „Zunächst einmal müssen sie mal die von uns bzw. unseren Kunden geforderte Präzision in die Teile bekommen. Das ist für ausländische Firmen schon mal schwer genug. Und in der Regel auch langwierig.” Dann spricht er auch noch über die Haltbarkeit des eingeführten Werkzeugs. Eigentlich sagt er aber gar nicht viel, er verdreht nur die Augen.

Genau an dieser Stelle will Hartmann mit seiner Iserlohner Fachcrew (insgesamt arbeiten in Iserlohn übrigens derzeit 180 Frauen und Männer für Sudhaus, im tschechischen Montagewerk noch einmal 100 Mitarbeiter) ansetzen. „Wir wollen den Bereich Werkzeugbau zukünftig sogar noch personell ausbauen”, sagt er. „Wir wollen und wir werden alle technologisch anspruchsvollen Werkzeuge bei uns intern herstellen. Damit garantieren wir ihre Beherrschung und die Stabilität der gesamten Prozesskette.” Und wenn sich ein anderer Unternehmer der Sudhaus'schen Fähigkeiten bedienen würde, wäre das dem Kaufmann Hartmann natürlich auch nicht unbedingt unangenehm.

Drittes Hartmann-Thema und weiteres Hoffnungsstandbein der Familiengesellschaft: die Zulieferung in die Automotive-Industrie. Auch dabei kann sich der eher unwissende Betrachter des Eindrucks nicht erwehren, dass sich Sudhaus hier als „Spezialanbieter” positioniert hat bzw. am weiteren Ausbau mit Hochdruck arbeitet.

Den tatsächlichen Verwender eines Sudhaus-Teils in der Automobilindustrie zu veröffentlichen, würde wohl einem Branchen-Kodex der Verschwiegenheit widersprechen, aber vielleicht so viel: Da wird im Hause Sudhaus ein Teilchen mit einem Markenzeichen drauf in Teilen hergestellt und zusammengebaut, das eher nebensächlich aussieht, aber in seiner Kompliziertheit kaum zu überbieten ist und einen „Zug zum Höheren” hat. Ein Cent-Artikel mit Weltruf.

Oder auch das Teil, so eine Art Schalter, mit dem vielleicht später mal einen Scheibenwischer ein- oder ausgeschaltet oder eine Warnblinkanlage aktiviert wird, das mit Klavierlack überzogen werden muss. Und das sich hinterher Damen in der Endkontrolle ansehen, als ginge das gute Stück anschließend auf eine Diamantenversteigerung in Amsterdam. Das sind wohl genau die Aufgaben, an denen das Team um Michael Hartmann ganz besonders großen Spaß hat.

Und dann spricht er noch von „Wertschöpfungseffizienz” von „Differenzierungsmerkmalen zum Wettbewerb” und von einer Technologiestrategie unter dem Namen „Innovations-Mix”. Aber eigentlich meint er wohl im Grundsatz immer alles das, was man in dem rustikalen Koffer-Restaurierungs-Raum erfahren und erleben kann: Michael Hartmann ist sich eben sicher, dass seine Firma Sudhaus mit ihren Mitarbeiter etwas kann, was andere Firmen nicht können. Nicht hier und nicht woanders auf der Welt.

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