Oldtimer

Sümmern ist der „Hotspot“ für Tiger-Bändiger

Am zweiten Tag des Treffens brachen die Tiger-Fahrer zur Tour durchs Sauerland auf.

Am zweiten Tag des Treffens brachen die Tiger-Fahrer zur Tour durchs Sauerland auf.

Foto: privat

Sümmern.   Martin Sauer hatte zum „Tiger“-Treffen eingeladen – und zehn historische Messerschmitt Kabinenroller fuhren in Sümmern vor.

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Wenn Martin Sauer an einen Tiger denkt, dann nicht an eine exotische Großkatze. Vielmehr kommt ihm die „höchste Evolutionsstufe der Messerschmitt Kabinenroller“ in den Sinn. Der sogenannte „Tiger“ der aufgrund von Markenrechten, die die Firma Krupp schon für Lkw reserviert hatte, nie so heißen durfte, wurde in sehr kleinen Stückzahlen (rund 300) von 1958 bis 1961 gebaut.

165 „Überlebende“ sind über die ganze Welt verstreut

„Bei der Avusrallye 1959 fuhr Hans Wiesnet mit seinem getunten TG 500 einen Schnitt von 135 km/h und im Slalom hinter einem Porsche Carrera die zweitschnellste Zeit“, erzählt der Sümmeraner Martin Sauer eine von vielen Anekdoten zum „Tiger“, von dem heute noch 165 „Überlebende“ bekannt sind. Der 50-Jährige, der die Leidenschaft für Oldtimer von seinem Vater geerbt hat, führt seit ein paar Jahren das Register über die TG 500, und hält Kontakt zu den Besitzern der Fahrzeuge, die mittlerweile über die ganze Welt verstreut sind. Am Wochenende hatte er zum Tiger-Treffen in Sümmern eingeladen.

„Erst im vergangenen Jahr reiste ein Tigerbesitzer extra aus Japan an, um meine Hobbywerkstatt in Sümmern zu besichtigen und sich wichtige Techniktipps zu holen“, sagt Sauer. Denn mit diesem Auto ist es irgendwie anders als bei „normalen“ Oldtimern, die in wesentlich höheren Stückzahlen gebaut wurden: die Tiger-Technik, vor allem der Motor, galt als chronisch unzuverlässig – und zwar von Beginn an. „Die ersten 20 Fahrzeuge, die 1958 unter großem Presserummel in Regensburg von den Händlern abgeholt wurden, sind alle auf ihrer ersten Fahrt liegen geblieben“, erzählt der Sümmeraner. Im Lauf der Jahrzehnte gebe es natürlich mehr Erfahrung mit diesem Auto und einen „harten Kern“ von Sammlern, die ihre Fahrzeuge lieber bewegen als im Museum oder in Sammlungen verstauben zu lassen. Und sie tauschen sich regelmäßig aus – Sauer hat dafür sogar eine „What’sApp“-Gruppe gegründet. Hier und da wurde schon geschrieben „man muss wahrer Tiger-Bändiger sein, um mit diesem Auto fertig zu werden!“

Treffen, wie das bei Martin Sauer, finden in lockeren Abständen statt und dienen natürlich dem Erfahrungsaustausch aber auch dem geselligen Beisammensein. Auf Sauers Hof in Barendorf standen jetzt zehn TG 500 auf dem Hof. Acht weitere hatten kurzfristig abgesagt. „Die waren wohl durch die Wetterprognose etwas verängstigt“, ist Sauer überzeugt.

Nach kurzem „Warmfahren“ über Hennen, Drüpplingsen und den Bertingloh wurde abends der Grill angeworfen: die am weitesten angereisten Teilnehmer kamen immerhin aus Biberach in Oberschwaben, und jeder hatte Hunger und Durst von der Fahrt mitgebracht.

Eine pannenfreie Tourdurchs Sauerland

Am Samstag folgte eine größere Ausfahrt: über 160 pannenfreie Kilometer durchs Sauerland mit Mittagspause in Eslohe – vorher wurde noch das Museum „Dampf, Land & Leute“ besichtigt. Dass im Raum Sundern eine geschlossene Schneedecke auf den Wiesen lag, tat der guten Stimmung keinen Abbruch: ganz im Gegenteil sorgte es für die üblichen Frotzeleien unter langjährigen Freunden. Der Rückweg führte dann durch den Arnsberger Wald und an der Möhnetalsperre vorbei. Sonntag verließen die Teilnehmer wieder Iserlohn, die meisten hatten einen weiten Weg vor sich. Alle waren begeistert von der schönen Frühlingslandschaft, in der sogar ab und zu die Sonne schien.

In Iserlohn gab es vor Jahrzehnten übrigens mindestens zwei TG 500. Einer lief am Griesenbrauck, bis er 1965 mit Motorschaden nach Frankreich verkauft wurde. „Leider gilt dieses Fahrzeug heute als verschollen“, sagt Martin Sauer. Ein anderer, mit dem Kennzeichen IS- S 448 gehörte damals einem Herrn Schulten und ist heute im Raum Recklinghausen unterwegs.“

Der Besitzer musste leider absagen, wäre aber sonst gerne wieder damit in Iserlohn unterwegs gewesen“, erklärt der Sümmeraner, der noch eine Bitte äußert: „Falls ein Leser noch Unterlagen oder Fotos von diesen oder anderen Iserlohner TG 500 hat, würde ich mich sehr darüber freuen und könnte das Register damit ergänzen.“

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