Gericht

Tankstellen-Raubserie in Iserlohn: So lief der Prozessbeginn

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Vor dem Landgericht müssen sich drei vermutlichen Iserlohner Tankstellenräuber verantworten.

Vor dem Landgericht müssen sich drei vermutlichen Iserlohner Tankstellenräuber verantworten.

Foto: Thomas Krumm / IKZ

Iserlohn/Hagen.  Nach einer Serie von Raubüberfällen in Iserlohn und Umgebung kommt es jetzt zur Verhandlung. Was die Angeklagten zu den Überfällen sagen.

Es muss eine belastende Situation für die Kassierer und Kassiererinnen in Tankstellen sein, dass ihre vermeintlich gut gefüllten Kassen immer wieder zum Ziel von Raubüberfällen werden. Nach der Einweisung eines Tankstellenräubers aus Hemer in eine geschlossene Drogenentziehungsklinik stehen nun schon wieder drei Angeklagte wegen dieses und weiterer Delikte vor Gericht.

Sie sollen sich in der Zeit vom 27. Januar bis zum 16. Februar zu Überfällen auf eine Shell- und eine Aral-Tankstelle in Iserlohn, eine Esso-Tankstelle in Menden, eine Total-Tankstelle in Fröndenberg und einen dm-Markt in Iserlohn verabredet und diese Überfälle mit klar verteilten Rollen durchgezogen haben. Der älteste Angeklagte (46) hat darüber hinaus am 5. Februar den TEDI-Markt in Iserlohn überfallen.

Bewegtes Leben endete als Straßenbettler

Das lässt sich bereits jetzt so feststellen, weil er schon am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis abgelegt hat: Er sei es gewesen, der die Kassiererinnen und Kassierer bei allen Überfällen mit einer Pistole „ohne Munition” bedroht und zwischen 500 und mehr als 2300 Euro erbeutet habe. In der Aral-Tankstelle in Iserlohn scheiterte er allerdings an der Geistesgegenwart der Kassiererin: „Da hat die Dame einen Alarmknopf benutzt. Da bin ich gleich wieder rausgegangen”, erklärte er. Ohne Beute fuhr das Trio weiter zur Esso-Tankstelle in Menden, die der 46-Jährige eine halbe Stunde später betrat.

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Er äußerte sich auch zur Rolle seiner Mitangeklagten: Vorrangig habe der 25-Jährige die Tatorte ausgesucht. Er sei mit dem 23-jährigen Fahrer des Trios während der Überfälle im Auto geblieben, während der Hauptangeklagte mit der Pistole in die Kassenhäuschen und Filialen ging. „Ich bin alleine reingegangen”, erklärte er. Hintergrund der Taten sei seine Drogenabhängigkeit und ein hoher Suchtdruck gewesen, erklärte er.

Nach einem bewegten Leben mit einer Kindheit und Jugend in den Niederlanden und erfolgreicheren Lebensphasen in Berlin, Paris, Kreta und Zürich landete er zuletzt als bettelnder Obdachloser in Iserlohn. Seine Anwältin Julia Kusztelak erzählte, dass sie ihn aus dem Stadtbild schon lange gekannt habe, bevor sie seine Verteidigung übernahm.

Alle Angeklagten haben Drogenvergangenheit

Das Problem der Beschaffungskriminalität hatten alle drei Angeklagten. Das – je nach Beteiligung – abgestuft verteilte Geld wurde deshalb sofort in die Begleichung von Drogenschulden und zumeist weitere harte Drogen investiert.

Ein Geständnis legte auch der jüngste Angeklagte ab. Er gab zu, seine Mitangeklagten zu den Tatorten gefahren zu haben. Zunächst habe er sich gegen eine Beteiligung gesträubt: „Ich habe anfangs gedacht: Ich will nichts damit zu tun haben.” Dann war der Suchtdruck aber offenbar zu groß.

Auch der 25-jährige Tatort-Tippgeber berichtete, dass er „alle Drogen mal ausprobiert” habe – einschließlich Heroin, Kokain, LSD und „Pilzen“. Er gab zunächst keine Erklärung zu den Tatvorwürfen ab, da er zuvor noch mit seinem Anwalt sprechen wollte. Rechtsanwalt Kai Urban erklärte aber, dass eine „geständige Einlassung angedacht” sei.

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