Lärmaktionsplan

Tempo 30 auf Hauptstraßen weiter in der Diskussion

Im Lärmaktionsplan wird Tempo 30 für die Mendener Straße vorgeschlagen. Sie gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen in Iserlohn.

Im Lärmaktionsplan wird Tempo 30 für die Mendener Straße vorgeschlagen. Sie gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen in Iserlohn.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Drei Ausschüsse empfehlen Rat, Lärmaktionsplan zu beschließen.

Der Rat soll am 9. Juli die Fortschreibung des Lärmaktionsplans für die Stadt Iserlohn beschließen. Das ist das Ergebnis einer Vorberatung von Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung am Mittwochabend. Der Beschluss, der in getrennter Abstimmung in allen drei Ausschüssen eine Mehrheit fand, war nicht unumstritten. Die CDU, die einige Maßnahmen-Vorschläge wie beispielsweise Tempo 30 auf einigen Hauptverkehrsstraßen kritisch sieht, tat sich schwer. Planungsausschussvorsitzender Michael Schmitt (CDU) wollte mit einem Kompromissvorschlag erreichen, dass die Lärmaktionsplanung nur zur Kenntnis genommen, aber nicht beschlossen werde. Letztlich konnte sich aber Verkehrsausschussvorsitzender Rolf Kaiser (SPD) durchsetzen, es wurde über den Beschlussvorschlag der Verwaltung abgestimmt.

Vorschläge, keine zwingenden Vorgaben

Stadtbaurat Thorsten Grote versicherte, dass durch diesen Beschluss kein einziges Tempo-30-Schild aufgestellt werde. Denn der Lärmaktionsplan beinhalte nur Maßnahmenvorschläge. Die würden auf Sinnhaftigkeit überprüft, in den Fachausschüssen beraten und dann erst beschlossen oder eben auch abgelehnt. Der Beschluss, den der Rat nun vollziehen soll, sei dringend notwendig, um bei der Bezirksregierung nicht in Verzug zu geraten.

Laut Lärmaktionsplan soll auf diversen Straßen Tempo 30 geprüft werden. Ganztags auf der Mendener Straße zwischen Schlesische Straße und An der Isenburg, auf der Straße An der Schlacht/ Hohler Weg zwischen Obere Mühle und Konrad-Adenauer-Ring sowie auf der Straße Obere Mühle zwischen An der Schlacht und Industriestraße.

Zusätzlich soll auf einigen Straßen Tempo 30 in den Nachtstunden geprüft werden: auf der Schwerter Straße zwischen A 46 und Hagener Straße, auf der Friedrichstraße zwischen Hansaallee und Konrad-Adenauer-Ring, auf der Westfalenstraße zwischen Schlesische Straße und Hansaallee sowie auf der Schlesischen Straße zwischen Schulstraße und Am Löbbeckenkopf. Und auf der Sümmerner Straße zwischen Kleine Straße und Gerberstraße soll Tempo 70 geprüft werden.

Neben Geschwindigkeitsbeschränkungen sind auch schallmindernde Fahrbahnerneuerungen und Maßnahmen für einen besseren Verkehrsfluss (modernere Ampelanlagen etc.) vorgesehen. Auch hier werden mehrere Straßen vorgeschlagen. Umgekehrt sind auch Fahrbahnparken oder Radstreifen ein Thema, um den Verkehr zu beruhigen. Angesprochen werden im Aktionsplan auch passive Elemente wie die Förderung von Schallschutzfenstern.

Stadtbaurat Grote betonte, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht immer automatisch zum Zuge kommen würden. Wo sich beispielsweise mit einer Fahrbahnsanierung eine gleiche oder ähnliche Lärmminderung erzielen lasse, könne auf Temporeduzierungen verzichtet werden. Grote machte aber auch deutlich, dass es nicht ohne Einschränkungen möglich sein werde, den Zielen des Lärmaktionsplanes gerecht zu werden. Im Lärmaktionsplan wird davon ausgegangen, dass in Iserlohn rund 4300 Menschen in Wohnungen leben, an deren Fassaden ein Schallpegel bis 60 Dezibel vorliegt. Bei 2180 Menschen wird von einem Wert bis 65 Dezibel ausgegangen, bei 1680 bis 70 Dezibel und bei 1000 bis 75 Dezibel.

Viel Lärm durch Fahrbahnschäden

Karsten Meininghaus (CDU) reagierte erkennbar gereizt auf das Thema Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen. Tempo 30 sei nicht das probate Mittel und widerspreche dem Ziel, Verkehre zu verstetigen. Viel Lärm werde durch Fahrbahnschäden und zu tief sitzende Gullydeckel ausgelöst. Manuel Huff (Die Linke) wehrte sich dagegen, dass den Kräften, die auch Einschränkungen für den Autoverkehr einfordern, ideologische Motive vorgeworfen würden. „Wenn jemand gegen alles ist, was das Auto beschränkt, ist das auch Ideologie.“ Huff sagte, dass Lärm krank mache. Und wenn in Iserlohn nahezu 10.000 Menschen von Lärm betroffen seien, müsse da etwas unternommen werden.

Ralf Langner (SPD) wollte wissen, ob im Lärmaktionsplan der möglicherweise deutlich steigenden E-Mobiltät Rechnung getragen wird. Elektromotoren würden ja keinen Lärm machen. Der Gutachter entgegnete dem, dass ab einer Geschwindigkeit von 35 Stundenkilometern die Abrollgeräusche der Reifen den Lärm der Motoren überlagern würden. Insofern hätten E-Autos nun bei geringen Geschwindigkeiten einen Lärmvorteil.

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