10. Iserlohner Gesundheitstag

Tolle Stände, spannende Talks

Prof. Dr. Stefan Esenwein erläutert die Funktionsweise eines künstlichen Gelenks.

Prof. Dr. Stefan Esenwein erläutert die Funktionsweise eines künstlichen Gelenks.

Foto: IKZ

Iserlohn.  Eine zufriedenstellende Bilanz zogen die Organisatoren des Gesundheitstages. Es sei trotz der Konkurrenz durch das schöne Frühlingswetter angenehm voll gewesen.

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Es war auch ein kleines Jubiläum, welches am Samstag im Parktheater gefeiert werden konnte. Denn dort fand der Iserlohner Gesundheitstag bereits zum zehnten Mal statt. IKZ-Geschäftsführer Leo Plattes dankte den Organisatoren; neben Jennifer Katz vom IKZ sind das Andreas Düllmann von der DAK, Dr. Till Ossenkop von der Schiller-Apotheke und Reinhard Adam von Optik Adam. Und ein besonderer Dank ging an das Parktheater-Team um Direktor Johannes Josef Jostmann, ohne das die Veranstaltung in dieser Form nicht möglich wäre. Begrüßen konnte Leo Plattes zahlreiche prominente Gäste, darunter den gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens als Schirmherr der Veranstaltung.

Informationen zu unterschiedlichsten Themen

Der 10. Iserlohner Gesundheitstag: Da ist zunächst einmal zu erwähnen, dass es immerhin 50 Aussteller aus dem Gesundheitsbereich waren, die sich alle wirklich ins Zeug legten, die vielen Besucher über die unterschiedlichsten Themen zu informieren, aufzuklären und Fragen zu beantworten. Vertreten waren unter anderem die heimischen Krankenhäuser, Reha-Zentren, Pflegedienste, der heimische Arzneimittelhersteller Medice, Krankenkassen, Apotheken, Zahnärzte/Zahntechniker, Optiker, Logopäden, Hörakustiker, Wohlfahrtsverbände und auch mehrere Selbsthilfegruppen. Die Stadt Iserlohn präsentierte sich mit dem ehrenamtlichen Dienst Continue oder dem Seniorenzentrum Waldstadt Iserlohn. Es gab Aussteller, die erstmals dabei waren, wie beispielsweise der Gesundheits-Campus Balve, aber auch „Stammgäste“, die seit der ersten Stunde des Gesundheitstages mit an Bord sind. Teilweise mit professionellem Medieneinsatz und Ständen mit richtigem Messe-Flair haben sich auch die Aussteller in den Jahren spürbar weiterentwickelt. Sogar den Blutzuckerwert konnten Besucher bestimmen lassen.

Medizinische Vorträge und Talkrunden im großen Haus des Parktheaters und im Löbbecke-Saal sind die zweite Hauptkomponente des Iserlohner Gesundheitstages. IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert fühlte beispielsweise Jens Spahn auf den Zahn: „Wie gesund ist unser Gesundheitssystem?“ Das in Deutschland zu viel operiert werde, ist ein Punkt, der in Strukturdebatten immer wieder thematisiert wird. Und die unerklärlichen regionalen Unterschiede die es gibt.

So sei die Zahl der Mandeloperationen in dem Landkreis, wo es diese Eingriffe am häufigsten gibt, acht mal höher, als in dem Landkreis, wo es die wenigsten Eingriffe dieser Art gibt. Diese extremen Unterschiede könnten ja wohl kaum durch mehr oder weniger Mandelerkrankungen in dem einen oder anderen Landkreis zu erklären sein. Ist es also der unterschiedlich schnelle Griff zum Messer? Jens Spahn rät: Wenn eine Operation ansteht, sollte zuvor unbedingt eine Zweitmeinung eingeholt werden. Das Ergebnis sei dann, dass ein großer Teil der Operationen nicht notwendig sei. Krankenhäuser würden nicht mehr nach Behandlungstagen bezahlt, sondern mit Pauschalen für bestimmte Leistungen. Das schaffe wohl den Anreiz, mehr Eingriffe durchzuführen. Richtig sei hier der Ansatz, Krankenhäuser künftig nach der Qualität der erbrachten Leistungen zu vergüten, meinte Spahn und fragte: Wie könne es sein, dass in einem Krankenhaus Hüftoperationen in 30 Prozent der Fälle wiederholt werden müssen, weil das Ergebnis zunächst nicht zufriedenstellend war, in einem anderen Krankenhaus aber nur in fünf Prozent der Fälle ein zweites Mal zum Messer gegriffen werden müsse.

Zum Thema Bettenabbau sagte der Gesundheitsexperte, dass die Zahl der Betten nicht von der Politik sondern von den Geschäftsführungen der Krankenhäuser bestimmt werden sollten. Unter dem Strich gebe es aber zu viele Krankenhäuser mit zu vielen Ressourcen. Teilweise finde zwischen benachbarten Krankenhäusern ein regelrechtes Wettrüsten statt. Hat das eine Haus einen Herzkatheter, muss ihn das andere auch ganz schnell bekommen. Stattdessen, so Spahn, müsse es eine regionale Abstimmung geben, wer was anbietet.

Bündelung bedeutet auch mehr Effizienz

Der Gesundheitspolitiker weiß aber auch, wie schwer es ist, die Schließung eines Krankenhauses zu betreiben, auch wenn es für die medizinische Versorgung der Menschen eigentlich entbehrlich ist. Sofort finde dann eine große Demo auf dem Marktplatz statt. Da falle es schwer, sich so einen Schritt zu trauen. Dabei bedeute Bündelung auch mehr Effizienz.

Zur Frage nach der medizinischen Entwicklung sagte Spahn, dass das Krankenhaus des Jahres 2030 nicht mit dem Krankenhaus des Jahres 2015 vergleichbar sein werde. Organe könnten irgendwann aus Zellen der Patienten gezüchtet werden. Dann entfalle auch das derzeitige Drama mit den Organspenden.

Kosten für Arzneimittel gehören ebenfalls immer wieder auf die Agenda, wenn an einer Gesundheitsreform gearbeitet wird. Hier seien durch Rabattverhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern aber schon gute Fortschritte erzielt worden. Spahn sagt aber auch, dass nicht alle Prügel, die die Pharmaindustrie abbekommt, berechtigt seien. „Wenn jemand an Krebs erkrankt, hofft er, dass die Industrie rechtzeitig ein passendes Medikament entwickelt, ist man aber gesund, sind das alles ganz schnell wieder Ganoven. Ich gebe gerne Geld für Medikamente aus, wenn sie Menschen wirklich helfen, gesund zu werden.“

Demnächst Facharzttermine im Ruhrgebiet?

Ein aktuelles Gesundheitsthema ist die Haus- und Facharztversorgung in der Fläche, ein entsprechendes Gesetz beschäftigt zurzeit auch den Bundestag. Was kann getan werden, dass wieder mehr Ärzte bereit sind, sich jenseits der Metropolen auch in ländlicheren Bereichen niederzulassen? Jens Spahn ist der Auffassung, dass es nicht nur eine Frage des Geldes sei. Auch auf dem Land könne ein Mediziner gutes Geld verdienen. Entscheidend seien auch die Arbeitsbedingungen, etwa die Frage, wie häufig Notdienst zu leisten sei, und wie weit man dabei fahren müsse. Notwendig sei daher ein Bündel von Maßnahmen. An dieser Stelle schaltete sich auch der Iserlohner Arzt Dr. Fritz Lax in das Gespräch ein. Iserlohn, so Lax, werde in Erhebungen eine 110-prozentige Ärzteversorgung bescheinigt. Also alles in Ordnung und sogar mehr Ärzte als nötig? Nein, meinte Dr. Lax, die Situation sei je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich. Bei den Augenärzten gebe es in Iserlohn einen Mangel. „Und was nützen da die geplanten Termin-Servicestellen? Gibt es dann für Patienten aus dem heimischen Raum demnächst Facharzttermine im Ruhrgebiet?“, fragte Dr. Lax. Spahn meinte, dass bei Facharztmangel auch ambulante Angebote in Kliniken sinnvoll sein könnten und die von Dr. Lax durchaus kritisch angesprochenen Versorgungszentren immer noch besser seien als nichts.

Im Gespräch zwischen Thomas Reunert und Jens Spahn war die Bedeutung des Themas „Zweitmeinung“ ja schon angeklungen, im Interview mit Dr. Jan-Christoph Loh stand es im Mittelpunkt. Loh ist Geschäftsführer des medizinischen Zweitmeinungsportals Medexo. Der Chirurg hat auch schon an der Berliner Charité gearbeitet und hat selber den Druck verspürt, der teilweise von den Geschäftsführungen der Krankenhäuser komme. Da heiße es kurz: „Fälle gleich Stelle“. Soll heißen: Wer viel operiert, sichert seinen Arbeitsplatz. Medexo hat inzwischen Verträge mit 25 Krankenkassen abgeschlossen. Dadurch sei die Inanspruchnahme seines Dienstes nunmehr für 11 Millionen Menschen in Deutschland kostenlos möglich. Als großen Vorteil von Medexo nannte Dr. Loh die Neutralität. Wenn sich ein Patient vor Ort eine Zweitmeinung einhole, sei die Gefahr größer, dass sich beide Ärzte kennen, vielleicht sogar befreundet seien. Es sei keinesfalls das Ziel des Portals, Operationen zu verteufeln, sagte Loh. Er könne aber die Meinung bestätigen, dass viele Operationen unnötig seien.

Zu den medizinischen Vorträgen: „Inkontinenz“ lautete das Thema von den Chefärzten Dr. Hisham Ashour (Bethanien) und Dr. Alois Kranz (St. Elisabeth), „Möglichkeiten der Endoskopie“ beleuchtete Chefarzt Dr. Philipp Mueller (Paracelsus-Klinik Hemer), „Moderne Versorgungskonzepte des Gelenkersatzes an Hüfte und Knie“ präsentierte Chefarzt Prof. Dr. Stefan Esenwein (St. Elisabeth), erneut Dr. Hisham Ashour zeigte schließlich unter dem Titel „Wäre ich doch nur fünf Minuten früher zum Frauenarzt gegangen“ auf, welche modernen Behandlungsmethoden es im Bereich der Gynäkologie gibt. Über „Gefährliches Schnarchen“ referierte Werner Waldmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Schlafapnoe und Schlafstörungen. Jürgen Maiwald von Maiwald E-Coach-Systems Iserlohn überschrieb seinen Vortrag „Umgang mit belastenden Emotionen“. Dr. Bert te Wildt von der Ruhr-Universität Bochum präsentierte sein Buch „Digital Junkies“. Er verteufelt Internet, Handy und Co. nicht, warnt aber eindringlich vor den Gefahren, die eine fast schon suchtartige Nutzung dieser modernen Medien mit sich bringt. „Auch Hypochonder müssen sterben“ lautet die erschreckende Erkenntnis des bekannten TV-Arztes Dr. Carsten Lekutat. Er war ebenfalls Gast beim 10. Iserlohner Gesundheitstag und bot Kostproben aus seinem gleichnamigen und humorvollen Programm, welches komplett am 25. März im Parktheater zu erleben ist.

Organisatoren ziehen zufriedenstellende Bilanz

Eine zufriedenstellende Bilanz zogen die Organisatoren des Gesundheitstages. Es sei trotz der Konkurrenz durch das schöne Frühlingswetter angenehm voll gewesen, aber nicht übervoll, meinten Dr. Till Ossenkop und Andreas Düllmann. Das habe eine bessere Gelegenheit geboten, an den Ständen auch wirklich mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Vorbereitung und Aufbau des Gesundheitstages würden inzwischen unaufgeregter über die Bühne gehen, eine gewisse positive Routine mache sich da durchaus bemerkbar. Stolz sei man auch darauf, dass es weiterhin gelinge, mit dem Iserlohner Gesundheitstag eine unheimliche Vielfalt an Themen zu belegen.

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