Leben

Trotz Arbeit keine eigene Wohnung

Stefanie Schulte und Ulf Wegmann von der Wohnungslosenhilfe Diakonie Mark-Ruhr haben den Jahresbericht vorgestellt.Kevin Pinnow,

Stefanie Schulte und Ulf Wegmann von der Wohnungslosenhilfe Diakonie Mark-Ruhr haben den Jahresbericht vorgestellt.Kevin Pinnow,

Foto: Kevin Pinnow / IKZ

Iserlohn.  Die Zahl der Besucher der Wohnungslosenhilfe Diakonie Mark-Ruhr sinkt zwar, die Probleme nehmen aber keinesfalls ab – das zeigt der Jahresbericht

Eigentlich könnte man denken: Wer Arbeit hat, hat auch eine Wohnung. Dass diese Grundannahme aber nicht immer richtig ist, zeigt der aktuelle Jahresbericht der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr.

„Es gibt zunehmend Menschen, die trotz Arbeit und Lohn in Wohnungsnot geraten“, erklärt Ulf Wegmann, Leiter der Beratungsstelle in Iserlohn. Der Hauptgrund: Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor. „Viele der Besucher wollen aus den Sozialleistungen raus und kündigen die oft sofort, wenn sie eine Arbeit gefunden haben“, erklärt Wegmann. Eine Idee, die aber nicht immer funktioniert. Denn: Das oft sehr geringe Einkommen reicht nicht aus, um eine Wohnung inklusive Kaution, Möbel, Strom und Wasser zu finanzieren.

Besonders betroffen davon sind meist Bürger aus anderen EU-Ländern, die in den ersten fünf Jahren in Deutschland keinerlei Sozialleistungen erhalten und so trotz Sucht- oder anderer Erkrankungen zum Teis ausbeuterische Arbeitsverhältnisse eingehen.

Weiterhin ein großes Thema bleibt bezahlbarer Wohnraum. „Die Situation spitzt sich auch hier zu. Aber es ist natürlich nicht so schlimm wie in den Ballungsräumen“, berichtet Wegmann. Von den insgesamt 740 Besuchern im Jahr 2018 gaben 97,9 Prozent eine eigene Wohnung als Wunsch an. Dank der Wohnungslosenhilfe kann dieser Wunsch oft Realität werden. Als Beweis: Zum Beginn der Beratung hatten 218 Besucher eine Wohnung, zum Ende des Jahres oder bei Abschluss der Beratung waren es 323.

Bei ihrer täglichen Arbeit beobachten Ulf Wegmann und seine Kolleginnen Stefanie Schulte und Angela Hendel neben dem kleiner werdenden Angebot an bezahlbarem Wohnraum aber auch die Ausgrenzung bestimmter Personengruppen am Wohnungsmarkt. Betroffen davon sind Wohnungslose, Haftentlassene, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund oder Suchterkrankungen. „Diese Menschen sind für viele auf den ersten Blick unattraktive Mieter“, schildert Wegmann. Allerdings müsse es das Ziel sein, diesen Personengruppen einen Zugang zum Wohnungsmarkt zu ermöglichen.

Virtuelle Fachstelle als Präventionsmaßnahme

Besonders erfreut zeigten sich die Mitarbeiter der Iserlohner Wohnungshilfe über die virtuelle Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit, die es bei der Stadt seit Mitte Juni gibt. „Wir haben diese Fachstelle über Jahre hinweg gefordert. Daher begrüßen wir es natürlich sehr, dass sie – wenn auch erst einmal virtuell – eingeführt wurde.“ Sie diene als wichtige Präventionsmaßnahme.

Ebenfalls positiv – wenn auch aus Sicht von Ulf Wegmann derzeit noch nicht erklärbar – ist der signifikante Rückgang bei der Besucherzahl. Nach Jahren des Anstiegs ist die Zahl von 805 auf 740 gesunken. (Zum Vergleich: 2001 waren es noch um die 400.) „Diesen Rückgang konnten wir in vielen anderen Beratungsstellen der Diakonie Mark-Ruhr schon im vergangenen Jahresbericht feststellen, nun ist er auch bei uns angekommen“, so Wegmann. Allerdings zeigten die derzeitigen Besucherzahlen bereits, dass es sich dabei wohl nur um eine kurzfristige Delle handeln könnte. „Wir liegen schon jetzt bei 540 Besuchern und steuern somit wieder relativ eindeutig auf die 800 zu“, erklärt der Leiter der Wohnungslosenhilfe.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben