Sturm bei der GFI

Ünal: „Vor uns liegt ein Scherbenhaufen“

„Gemeinsam  für Iserlohn“:  Michael Joithe (li.) und Lutz Tölle (re.) haben sich am Samstag komplett aus der GFI zurückgezogen. Sie begründeten diesen Schritt in einem Brief an Ugur Ünal.

Foto: Gabor

„Gemeinsam für Iserlohn“: Michael Joithe (li.) und Lutz Tölle (re.) haben sich am Samstag komplett aus der GFI zurückgezogen. Sie begründeten diesen Schritt in einem Brief an Ugur Ünal. Foto: Gabor

Iserlohn.   Am Wochenende wurde es bei der GFI noch stürmischer, mehrere Vorstandsmitglieder einschließlich Lutz Tölle und Michael Joithe erklärten ihren Austritt. Gibt es eine Rückkehr zur Gründungsidee?

Bei der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Iserlohn (GFI) überschlagen sich endgültig die Ereignisse. Nachdem am Freitag die stellvertretende Vorsitzende Gerlinde Hampe und die Pressesprecherin Dr. Martina Hahn-Hübner ihren Rücktritt von den Ämtern und zugleich ihren Austritt aus der GFI erklärt hatten (wir berichteten), was von Teilen des Umfelds durchaus als Solidaritätsbekundung für den 1. Vorsitzenden Ugur Ünal gewertet wurde, folgte am Samstag ein Paukenschlag: Nun erklärten der 2. Vorsitzende Lutz Tölle, der stellvertretende Vorsitzende Michael Joithe, Geschäftsführer Björn Grube, die Beisitzer Klaus Krewett und Michael Petereit sowie Marcel Jimenez in einem Brief an Ugur Ünal geschlossen ihren Austritt aus der GFI – verbunden mit der Niederlegung der Ämter. Der GFI-Vorstand besteht damit im Wesentlichen nur noch aus Ugur Ünal.

Dissens über Ausrichtung der GFI habe es nicht gegeben

Mit dem „konzertierten Schritt“, so heißt es in dem Brief an Ünal, wolle man den falschen Darstellungen der letzten Tage entgegentreten. Und weiter: „Wir möchten ausdrücklich erklären, dass es einen Dissens um die politische Ausrichtung und die Arbeit der GFI niemals im Vorstand gegeben hat.“ Eine Änderung in der inhaltlichen Ausrichtung der GFI habe es ebenfalls nicht gegeben. „Gleichzeitig stellen wir klar, dass wir in der letzten Sitzung geschlossen erklärt haben, mit Ihnen gerne weiter zusammen arbeiten zu wollen und zu keinem Zeitpunkt die Absicht existierte, die GFI übernehmen zu wollen. Das Gegenteil ist der Fall“, heißt es in dem Schreiben an Ünal, und: „Wir dürfen ausdrücklich klarstellen, dass es Ihr persönlicher Wunsch war, das die Unterzeichnenden Lutz Tölle und Michael Joithe zu Ihrer Unterstützung tätig werden und dies auch mit großem Engagement getan haben.“ Zu keinem Zeitpunkt sei die Position Ünals als Vorsitzender der GFI in Frage gestellt worden. „Sie haben sich sogar für das Engagement ausdrücklich bei den beiden Personen bedankt.“

Eingegangen wird in dem Brief auch auf die Stellungnahme von Gerlinde Hampe in unserem Artikel von Samstag, dass sie die GFI-Stellungnahme vom Donnerstag, unter der auch ihr Name stand, nicht gekannt habe. Im Brief an Ünal heißt es dazu, „dass Frau Hampe bei der Erstellung der Pressemitteilung vom 5. Oktober mitgewirkt und ausdrücklich einer Veröffentlichung auch unter ihrem Namen zugestimmt hat.“

Gerlinde Hampe erklärte dazu in einer Mail an die Redaktion, dass sie sich vielleicht missverständlich ausgedrückt habe. Auf Nachfrage sagte sie, dass sie das Schreiben vom 5. Oktober zwar gekannt habe, dass ihr Name aber ohne Kenntnis und Zustimmung unter dem Brief auftauchte. Michael Joithe wiederum erklärte auf Nachfrage, dass Hampe auch einer Veröffentlichung zugestimmt habe – dass auch ihr Name darunter stehen würde, habe sie allerdings nicht gewusst.

Das Austritts-Schreiben von Lutz Tölle, Michael Joithe und den weiteren genannten Mitgliedern an Ugur Ünal endet mit den Worten: „Mit unserem gemeinschaftlichen Austritt geben wir Ihnen die Gelegenheit, die GFI in ihrem Sinne ohne uns weiter zu führen.“

In einigen Fällen Rücktritt vom Rücktritt?

Wie geht es nun weiter mit der GFI? Ugur Ünal erklärte am Sonntag auf Nachfrage, dass es schade sei, dass es so gekommen ist. Es mache ihn traurig, „dass nun ein großer Scherbenhaufen vor uns liegt“. Ünal kündigte an, dass er sich noch am gestrigen Abend mit Gründungsmitgliedern der GFI treffen wollte, um über die Zukunft der GFI zu beraten. Einige derer, die in den vergangenen Tagen aus der GFI ausgetreten seien, um ihm den Rücken zu stärken, habe er bereits zu einer Rückkehr in die GFI bewegen können. Dabei handele es sich aber nicht um Gerlinde Hampe und Dr. Martina Hahn-Hübner. Hampe bestätigte im Gespräch, dass sie keine Rückkehr in die GFI plane.

Heute, so kündigte es Ugur Ünal gestern an, wolle er sich juristisch darüber beraten lassen, welche Situation sich nach den zahlreichen Rücktritten von Vorstandsämtern unter vereinsrechtlichen Gesichtspunkten ergebe. Man müsse dann schauen, wie es sich weiter entwickelt, so Ünal. Er favorisiert eine Mitgliederversammlung, auf der die Vorkommnisse aufgearbeitet und eine Neuaufstellung der GFI vorgenommen werden sollen. „Ich glaube, das kriegen wir hin“, sagte Ünal.

Inhaltlich müsse auch diskutiert werden, welches Format die GFI künftig haben solle. „Wollen wir künftig wirklich an Wahlen teilnehmen, oder – und das wäre mein Wunsch – wollen wir uns wieder auf die Gründungsidee konzentrieren, nämlich ein politisch partizipierender Verein zu sein“, sagte Ünal. Er sprach von einem Verein, in dem, wie es der Name „Gemeinsam für Iserlohn“ ja auch sage, gemeinsam gearbeitet werde, auch mit dem Ziel, aufzunehmen, was Bürger in dieser Stadt tatsächlich denken.

Michael Joithe betonte gestern im Gespräch nochmals, dass es nicht die Intention gewesen sei, Ünal aus der GFI zu verdrängen. „Mit dem Rücktritt wollten wir ein Zeichen setzten, dass es niemals unsere Absicht war, die GFI zu übernehmen.“ Gefragt nach seiner eigenen politischen Zukunft sagte Joithe, dass er ein politischer Mensch sei, dies auch bleibe und weiter zu politischen Themen Stellung beziehen werde. „ Ob ich aber nochmals einer Partei oder Organisation beitreten werde, weiß ich nicht.“

Hohe Wellen schlägt die Entwicklung auch in den sozialen Medien. In einer Nachricht wurde Kritik an der „Restführung“, also auch an Ugur Ünal laut. Fehler würden nur bei anderen gesucht. Kritische Themen, so der Vorwurf, würden gelöscht, und Diskutanten blockiert.

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