Konzert

Unbeschwerte Erinnerungen

Der achtköpfige Frauenchor unter der Leitung von Svenja Vanessa Fehring –

Der achtköpfige Frauenchor unter der Leitung von Svenja Vanessa Fehring –

Foto: Felix Kriewald

Kalthof.   Andreas Hering, Marcel Maciej und Mitglieder des Chores „Puella Musica“ gedenken Peter Jakob mit einem berührenden Konzert in der Jakobuskirche.

„Peter hat dieser Raum viel bedeutet, noch wichtiger waren ihm die Instrumente dieser Kirche“, sagt Pfarrerin Brigitte Zywitz über Peter Jakob, der sich einst für die Anschaffung des Flügels in der Jakobuskirche eingesetzt hatte. Auch als Benefizveranstaltung zum Erhalt des Klaviers, aber primär im Gedenken an den vor gut einem Jahr verstorbenen Klavierpädagogen, richtete Andreas Hering am Samstag ein Konzert aus. Viele Freunde, Weggefährten, Kollegen, aber auch unabhängige Musikbegeisterte hatten den Weg nach Kalthof gefunden.

Peter Jakob war bekannt und beliebt und mit dem ebenfalls in Iserlohn als Klavierlehrer tätigen Andreas Hering in tiefer Freundschaft verbunden. Bevor dieser in die Tasten griff, gab es eine Reihe berührender Beiträge eines achtköpfigen Frauenchores, zum Teil aus Mitgliedern des von Peter Jakob geleiteten Ensembles „Puella Musica“ zu hören.

Unter dem Dirigat und der Klavierbegleitung von Svenja Vanessa Fehring sangen die Damen den Kanon „Shalom Chaverim“, ein Spiritual, ein ergreifendes Arrangement von „Scarborough Fair“ sowie den irischen Segen „May The Road Rise To Meet You“, eines der Lieblingslieder Jakobs.

Andreas Hering widmete seinem Freund, um es mit seinen Worten auszudrücken, einen „wahren Klavier-Hammer“. Johannes Brahms war nicht der erste Komponist, der die Idee hatte, Werke vorangegangener Kollegen neu zu vertonen, jedoch lieferte er zweifellos beeindruckende Beiträge zu diesem Genre. Mit den „Paganini-Variationen“ komponierte er eine Folge von 28 fingerbrecherischen Spielarten auf die berühmte Melodie der 24. Caprice des italienischen „Teufelsgeigers“. Hering präsentierte davon die erste Hälfte und dies in meisterlicher Manier. Mit einem angemessen energischen Grundtenor befand er sich sofort mit jeder Faser seines Körpers in diesem vor Virtuosität geradezu übersprudelndem Werk und nahm das staunende Publikum mit.

Andreas Hering besticht mit Variationen von Brahms

Ebenfalls ein enger Vertrauter Peter Jakobs ist Marcel Maciej, Organist in Kalthof und in der Iserlohner Heide. Dieser hatte kurz vor Jakobs plötzlichem Tod zusammen mit ihm mit der Einstudierung zweier Klavierduette von Daniel Hellbach begonnen. Da es leider nicht mehr zu einer gemeinsamen Aufführung kam, übernahm nun Andreas Hering den Part Jakobs. Das erste Werk trug den Titel „Homelike“ – zu deutsch: wie zu Hause. „Vielleicht ist Peter jetzt wie zu Hause“, maß Maciej dem Namen des Stücks zusätzliche Bedeutung bei.

Sicher ist, dass Peter Jakob seine Freude an diesem Konzert gehabt hätte, genau wie sie die zahlreichen Zuhörer hatten. Nach dem kurzen, angenehm melodischen Stück folgte das „Pop Concerto“ von Hellbach, mit mitreißendem Drive und großartiger Interpretation durch die beiden Pianisten.

Hering hatte zum Abschluss noch einen weiteren „Hammer“ von Brahms auf Lager, dieses Mal hatte sich der Komponist ein Thema von Händel ausgesucht und in Variationen verarbeitet. Diese kunstvolle Verknüpfung barocker und romantischer Musik verlangt dem Spielenden ähnlich viel Klavierkunst ab wie das bereits erklungene Werk.

Auch dieses Stück interpretierte Hering ohne Mühe und mit ganz viel Ausdruck. Das Publikum dankte es ihm mit stehenden Ovationen. Darauf reagierte er zunächst mit der Sarabande aus der 2. Englischen Suite von Bach als Zugabe, bevor er auf Wunsch der Witwe Monika Jakob das Konzert mit dem Jazz-Klassiker „Take Five“ beendete.

Menschlicher und musikalischer Verlust

Trotz des tragischen Verlusts, den der Tod Peter Jakobs sowohl menschlich wie musikalisch für die Stadt bedeutet, hatte das Konzert am Samstag auch eine fröhliche Note. Brigitte Zywitz bemerkte einleitend: „Peter hätte auch nicht gewollt, dass wir nur trauern“. So wird seine Arbeit weitergeführt und die Erinnerung lebt fort – fröhlich statt beschwert.

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