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Und die Post kommt montags doch

Abgeschickt am Samstagmorgen, überwiegend angekommen am Montag: Die Heimatzeitung hat die Zustellung über das Wochenende getestet.

Foto: Stefan Janke

Abgeschickt am Samstagmorgen, überwiegend angekommen am Montag: Die Heimatzeitung hat die Zustellung über das Wochenende getestet.

Iserlohn.   Anders als es viele Bürger oft schildern, wurden die Test-Briefe der Heimatzeitung schnell zugestellt.

Der Blick in den Briefkasten gehört zu den alltäglichen Ritualen im Leben der Bundesbürger. Rechnungen, Werbung, das „Knöllchen“ für zu schnelles Fahren und – seit Erfindung von E-Mail und sozialen Medien – immer weniger persönliche Briefe, von Urlaubspostkarten einmal abgesehen. Allerdings: Montags geht der Blick meist ins Leere. Viele vermuten, das habe System, mit anderen Worten: Die Post stelle montags keine Briefe mehr zu.

Auf Nachfrage bei Facebook haben viele Leser bestätigt, am Montag grundsätzlich oder fast nie Briefe zu erhalten. Die Redaktion der Heimatzeitung hat über das vergangene Wochenende selbst die Briefzustellung getestet – mit einem überraschenden Ergebnis.

Ein Stapel Briefumschläge und Briefmarken von der Rolle machten am Freitag die Runde durch die Lokalredaktion. Die Kolleginnen und Kollegen beschrifteten Umschläge, um sich gegenseitig Briefe zu schicken. Die Standardsendungen im üblichen Langformat wurden von Hand adressiert, danach untereinander ausgetauscht. Der Auftrag an die Kollegen: Die Briefe sollten nach der letzten Freitagsleerung und vor der Samstagsleerung in einen Briefkasten eingeworfen werden, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich samstags auf die Reise gehen. 29 Briefe kamen so zusammen, teilweise von und nach Iserlohn, teilweise in umliegende Städte.

Am Freitagnachmittag ebbt der Poststrom ab

Das Ergebnis: Von den 29 Sendungen lagen genau 24 schon am Montag in den Briefkästen der Empfänger. Die fehlenden fünf wurden am Dienstag zugestellt und zwar zweimal an einen Kollegen in Hagen, zweimal an einen Kollegen in Ihmert und einmal an einen Kollegen in Menden, der allerdings am Montag bereits einen von zwei Briefen erhalten hatte. Damit wurden rechnerisch 83 Prozent unserer Testsendungen schon am nächsten Werktag zugestellt und die Vermutung entkräftet, die Post stelle montags keine Briefe zu.

„Der Vorwurf kommt immer wieder“, sagt Alexander Böhm, für den Großraum Hagen zuständiger Pressesprecher der Deutschen Post AG. Der Grund für diese Einschätzung vieler Bürger sei das geringere Briefaufkommen am Montag, weil beispielsweise Rechnungen, Briefe von Ärzten und Anwälten mit dem wöchentlichen Büroschluss am Freitag zur Post gegeben würden und die Empfänger schon am Samstag erreichten. Und diese Verteilung sei nicht neu, der Montag sei schon immer der „schwächste Tag“ gewesen.

Am Montag sind weniger Zusteller unterwegs

Für die Postzusteller verläuft der Montag genau aus diesem Grund üblicherweise anders als die anderen Wochentage, berichtet Alexander Böhm. Weil die Zusteller eine Fünf-Tage-Woche haben, die Post aber an sechs Wochentagen Briefe zustellt, hat ein Teil der Zusteller gerade an dem aufkommensschwachen Montag frei. Entsprechend würden die Touren der Mitarbeiter anders zusammengestellt, aus fünf würden dann beispielsweise drei Bezirke. Und so komme vorzugsweise Montags manchmal nicht nur ein anderer Mitarbeiter zum Briefkasten, sondern auch zu ungewohnten Zeiten.

Mit der Zustellquote von 83 Prozent beim Test der Heimatzeitung zeigte sich Pressesprecher Böhm nicht ganz zufrieden, für ihn hätten ein oder zwei Briefe mehr ankommen sollen. „E plus eins in 80 Prozent der Fälle“ laute die Vorgabe des Gesetzgebers für die Briefzustellung, berichtet Böhm, wobei das E für den Einwurftag steht. Ein unabhängiges Institut habe festgestellt, dass 94 Prozent der Sendungen am nächsten Werktag beim Empfänger ankämen, weitere fünf Prozent am nächsten Tag. Die Berechnungen beziehen sich auf den Durchschnitt aller Werktage, zudem weist Böhm darauf hin, dass ja nicht alle Briefe lesbar und mit korrekten Adressdaten beschriftet seien.

Werbepost darf etwas länger auf der Reise sein

„Dialogpost“ – früher hieß das Infopost – wird von der Post übrigens am Montag im Regelfall tatsächlich nicht zugestellt. „Die dürfen wir liegen lassen“, erklärt Alexander Böhm. Grund dafür seien die geringeren Portosätze für die Werbesendungen. Hier habe die Post vier Tage Zeit für die Zustellung, was den Absendern aber bekannt sei.

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