Schnee-Tourismus

Verkehrschaos, aber keine Corona-Verstöße

Nicht nur in Kesbern oder am Hegenscheid, auch am Danzturm war am Wochenende viel los.

Nicht nur in Kesbern oder am Hegenscheid, auch am Danzturm war am Wochenende viel los.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Kesbern/Iserlohn  Auf Facebook wird das Iserlohner Winter-Wochenende heiß diskutiert. Polizei und Ordnungsamt sehen aber keine Probleme.

Ist es nun in Ordnung, trotz Corona den Schnee zu genießen, mit der Familie rodeln zu gehen oder durch den Winterwald zu wandern – auch wenn es da derzeit ziemlich voll ist? Oder soll man lieber darauf verzichten? So ganz klar scheint das nicht zu sein. Auf unsere Berichterstattung zum riesigen Andrang auf den Schlittenwiesen in Kesbern hat sich auf unserer Facebook-Seite eine rege Diskussion mit vielen Hundert Kommentaren entwickelt, in der sich Corona-Gegner und Rodel-Gegner die Köpfe heiß reden. Einerseits werden das Verkehrschaos und zugeparkte Straßen vor der eigenen Haustür beklagt: Wild-Parker, Wild-Pinkler und Wild-Rodler, die von weit her kommen und nun in Iserlohn und Hemer ihr Unwesen treiben und den Einheimischen den Platz wegnehmen – von dem Problem der Kontaktminimierung ganz zu schweigen. Andererseits sei es aber wichtig für Familien und Kinder, mal den Schnee zu erleben – gerne auch Besucher von weiter weg. Und den Rodel-Kritikern wird einmal mehr Corona-Panikmache und Miesepetrigkeit vorgeworfen.


Dass die verschneiten Höhenzüge Iserlohns am vergangenen Wochenende tatsächlich zum Wintersportgebiet und Top-Ausflugsziel für Besucher nicht nur aus den Nachbarstädten Schwerte oder Menden, sondern auch aus dem Ruhrgebiet aufgestiegen sind, konnte jeder beobachten, der am Wochenende einmal in Kesbern, am Hegenscheid oder auch im Stadtwald rund um den Danzturm unterwegs war. Es herrschte ein enormer Andrang mit teils chaotischen Verhältnissen auf Parkplätzen und an Straßenrändern und auch mit durchaus kuriosen Nebenerscheinungen. So berichtet unser Leser Friedrich Densborn auf Facebook von der „Dreistigkeit“ einer Schnee-Touristin, die bei ihm als Anwohner angeklingelt hat, um sich einen Schlitten auszuleihen oder wenigstens mal die Toilette benutzen zu dürfen. Auf sein „Nein“ sei sie dann auch noch unflätig geworden.


Natürlich waren auch Polizei und Ordnungsamt am Wochenende verstärkt unterwegs, um sich ein Bild von den neuen Touristen-Hotspots auf Iserlohns schneebedeckten Hügeln zu machen. Das Ergebnis: Das Schneewochenende wurde in erster Linie als Verkehrsproblem wahrgenommen, wie Polizeisprecher Christof Hüls sagt. Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung habe es nicht gegeben. Alles habe sich noch in Grenzen gehalten, es habe keinen Anlass zum Einschreiten gegeben. „Wir wollen ja den Winterspaß nicht verbieten, solange genügend Abstand gehalten wird“, so Hüls.


Und der sei eingehalten worden, bestätigt auch Iserlohns Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke, die mit ihrem Team in Kesbern und am Hegenscheid kontrollierend im Einsatz war. Parktechnisch sei da Vieles nicht in Ordnung gewesen. Bemerkenswert sei dabei auch aus ihrer Sicht, wie viele auswärtige Fahrzeuge auch aus dem Ruhrgebiet dabei zu sehen gewesen seien. Auf den weitläufigen Flächen, auf denen sich in erster Linie Familien getummelt hätten, seien aber keine Verstöße gegen Abstandsregeln zu beobachten gewesen.


Auch ohne Verstöße sei ein so geballtes Besucheraufkommen aber natürlich eine Gratwanderung, sagt Schunke als Corona-Beauftragte der Stadt Iserlohn. Denn die Maßgabe des Gesetzgebers sei klar: nach Möglichkeit zu Hause bleiben und jeden Kontakt vermeiden. Und die angedachte Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Menschen aus Kreisen und Kommunen mit einem Inzidenzwert von über 200 auf 15 Kilometer ziele natürlich genau auf solche touristischen Massenaufläufe. Derzeit sei diese Maßnahme noch nicht in der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW verankert, das könne aber bei einer weiter negativen Entwicklung der Zahlen noch passieren.


Das würde bedeuten, dass zukünftig unter Umständen die Herkunft der vielen Rodelgäste auf Iserlohns Wiesen kontrolliert werden müsste, was laut Angela Schunke natürlich einen wahnsinnigen Aufwand bedeuten würde. Aber das sei jetzt noch spekulativ. „Wir warten die weitere Entwicklung ab“, sagt die Ordnungsamtsleiterin. „Wir müssen sehen, was an Regeln kommt, und werden das, so gut es geht, umsetzen.“ Und man muss natürlich sehen, was noch an Schnee kommt. Für das kommende Wochenende wird aktuell wieder Winterwetter angesagt. Und dann dürften auch wieder viele Besucher nach Iserlohn kommen.

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