Verkehrsanalyse

Verkehrslösungen am Nußberg

An der Langerfeldstraße vorm Schulzentrum wird’s jeden Morgen turbulent. Der Grünstreifen links bietet nach Ansicht von Verkehrsplanern

An der Langerfeldstraße vorm Schulzentrum wird’s jeden Morgen turbulent. Der Grünstreifen links bietet nach Ansicht von Verkehrsplanern

Foto: Michael May

Iserlohn.   Fachleute legen erste Ergebnisse ihrer Analyse rund um das Schulzentrum am Iserlohner Nußberg vor.

Die Verkehrslage am Nußberg birgt seit Jahren Zündstoff für Debatten. Die Stadt will für Entlastung sorgen und hat eine Verkehrsuntersuchung beauftragt. Erste Ergebnisse kamen diese Woche im Verkehrsausschuss des Stadtrats auf den Tisch. Das große Ziel: den Schulverkehr weitestgehend aus den Wohngebieten heraushalten.

Anwohner beklagen viel Belastung durch das Schulzentrum. Eltern und Schüler wiederum erleben immer wieder gefährliche Situationen – hervorgerufen meist durch die Eltern selbst. Deutlich wurde dies im Herbst bei der letzten Stadtteilkonferenz. Dabei beklagten Bewohner zudem schlechte Gehwege und fehlende Überwege für Fußgänger.

Viele dieser Punkte kamen auch am Donnerstagabend im Verkehrsausschuss des Stadtrats zum Tragen, wo Michael Volpert und Jakob Fast erste Ergebnisse der Verkehrsanalyse rund um die Gesamtschule und die Grundschule vortrugen. Volpert, Experte für Stadt- und Verkehrsplanung, ist Geschäftsführer der „LK Argus GmbH“ mit Sitz in Kassel.

Verkehrslärm vorwiegend durch die Autobahn

Verkehrszählung, Lärmmessungen, Hol- und Bringverkehr an den Schulen, Busverkehr, Kreuzungen, Bürgersteige, Radverkehr, Parkplätze, Beschilderung – all das prüften die Fachleute voriges Jahr mit Argusaugen. Ein wichtiges Fazit: „Defizite im Kfz-Verkehr gibt es eigentlich wenige“, sagte Volpert. Will heißen: Die sechs untersuchten Knotenpunkte rund um das Schulzentrum funktionieren aus rein verkehrstechnischer Sicht recht ordentlich.

Auch wenn die Gesamtschule – wie geplant – erweitert wird und die Grundschule – wie erhofft – am Nußberg bestehen bleibt, prognostizieren die Planer für die Zukunft nur wenig mehr Verkehr.

Aus den Schallmessungen wiederum wird deutlich, dass der Verkehrslärm am Nußberg zum größten Teil von der Autobahn stammt. Dort zählte das Kasseler Büro rund 40 000 Pkw am Tag. Auf der stark befahrenen Baarstraße unterhalb des Nußbergs waren es 14 000 bis 15 000.

Schmale Straße und fehlende Gehwege

Auffällige Punkte aus Sicht der Gutachter im Verkehrsnetz am Nußberg:
In der Nußbergstraße wird’s eng, wenn sich zwei Busse begegnen.
In der Langerfeldstraße – als Zubringer ins Schulzentrum – ist die Lage unübersichtlich und eng. Im Bereich der Wendeschleife zur Arpkestraße „haben wir einige Beinahe-Unfälle beobachtet“, erklärte Volpert.
Fehlende oder schlechte Gehwege, überdies fehlende „Querungshilfen“ am und um das Schulzentrum.
Sehr geringer Radverkehr durch schlechte Verbindung oder Beschilderung.
Probleme an Bushaltestellen, oft ohne Absenkung für barrierefreien Zugang.
Mehr Parkplätze für die Schulen müssen ausgewiesen werden.

Unterm Strich legten die Kasseler Verkehrsplaner zwei Varianten vor. Die langfristige Lösung ist demnach, den Schulverkehr künftig über eine neue Straßenverbindung von der Baarstraße aus zu lotsen. Dies brächte erhebliche Entlastung für das Wohngebiet, insbesondere für die Langerfeldstraße und die Arpkestraße. Für diese Variante macht sich auch Rolf Kaiser (SPD) als Vorsitzender des Verkehrsausschusses stark.

Entzerrung vor dem Schulzentrum

Kurzfristig ist diese Lösung nach Ansicht der Planer aber nicht zu erreichen, weil es Zeit brauche, um die neue Straße baurechtlich zu verwirklichen. Zumal sie unter der Autobahn hindurchführen wird. Als kurzfristige Variante empfiehlt Volpert deshalb Verbesserungen im bisherigen System.

So schlägt „LK Argus“ vor, den Hol- und Bringverkehr künftig ausschließlich über die Langerfeldstraße zu organisieren und die Straße zu verbreitern. Dafür könnten etwa die bisherigen Pflanzstreifen gegenüber des Schulzentrums genutzt werden. Die Ausfahrt vom Schulzentrum wiederum sollte über den Parkplatz unterhalb der Ortlohnstraße gelenkt werden. Damit könnte die Arpkestraße für Anlieger beruhigt werden. Zusätzlich empfehlen die Planer etwa, an der Bushaltestelle Baarstraße eine Ampel für Schüler zu installieren.

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