Umwelt

„Verlieren 40 Prozent des Waldes“

So wie hier im Grüner Tal sieht es an vielen Stellen im Stadtwald aus. Was an Bäumen braun ist, muss weg.

So wie hier im Grüner Tal sieht es an vielen Stellen im Stadtwald aus. Was an Bäumen braun ist, muss weg.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Trockenheit, Hitze, Borkenkäfer: Stadtförsterin Julia Borghoff spricht von einer Katastrophe – die für die Stadt finanzielle Folgen haben wird.

Der Rekordsommer 2018, die Gluthitze, schließlich der Borkenkäfer, der sich in ganz Deutschland und auch in Iserlohn epidemisch verbreitet hat: Es war klar, dass es nicht gut steht um die Iserlohner Wälder. Trotzdem hatte Iserlohns Stadtförsterin Julia Borghoff im Januar noch Hoffnung gehabt. Zumindest in Bezug auf den Käfer, dessen Population durch eine wechselhafte Witterung im Frühjahr noch hätte dezimiert werden können.

Nun, ein gutes halbes Jahr später, ist die Hoffnung geschwunden. „Wir werden 40 Prozent des Stadtwaldes verlieren“, sagt Julia Borghoff. Und: „Es ist nicht fünf vor zwölf oder zwölf.“ Und um das Bild fortzuführen: „Es ist bereits zwei Uhr am Nachmittag. Mindestens. Es ist eine Katastrophe.“

Wirksame Gegenmaßnahmen gibt es keine

Betroffen sei nicht nur die vom Käfer vornehmlich befallene Fichte. Auch Kiefern, Lärchen, Buchen und Ahorn-Bäume seien entweder durch Käfer oder eben in Folge der Hitze nicht mehr zu retten und der Fällung geweiht. Fährt man etwa die Grüner Talstraße zum ehemaligen Haus Dannenhöfer hinauf, fallen ganze Hänge voller Bäume mit braunen Nadeln oder Blättern auf. Sie alle werden weichen müssen. So wie hier stellt sich die Lage an vielen Stellen dar. „Und auch in vielen Bäumen, die jetzt noch grün sind, ist der Käfer bereits drin“, erklärt die Stadtförsterin weiter. „Es ist frustrierend.“

Zumal: Wirksame Gegenmaßnahmen gibt es keine. Zwar hatte der Landesbetrieb Wald und Holz NRW ein Verfahren getestet, Bäume mit luftdichter Folie zu verschließen. Am Ende aber vergeblich. „Wenn Sie Brot in eine Tüte packen, bringt das ja auch nichts“, so Borghoff weiter. Der Pilz bleibe ja im Holz – und könne sich in dem feuchtwarmen Klima sogar noch besser ausbreiten. Auch den Käfer könne die Folie nicht dauerhaft abhalten.

Mindereinnahmen wohl im sechsstelligen Bereich

Und: Der Schaden am Walde – für die Stadt und auch private Grundbesitzer wird er mehr als nur ein ideeller oder den Freizeitwert betreffender sein. Die Holzpreise sind ob der Plagen der letzten Jahre im Keller. Der Landesbetrieb hat zum 1. Juli gar den Verkauf von Holz im Auftrag privater Waldbesitzer eingestellt.

Die Höhe des finanziellen Schadens in Bezug auf den Stadtwald ist noch nicht ganz klar. Julia Borghoff rechnet vor: Wenn etwa vor zwei Jahren 6000 Festmeter Holz geschlagen wurden, habe man 70 Euro je Festmeter erzielen können – ein Erlös von 420.000 Euro. „Nun werden allenfalls vier bis sieben Euro je Festmeter eingenommen werden können. Ergo: ein Erlös zwischen nur noch 24.000 und 56.000 Euro und somit eine Mindereinnahme von mehreren Hunderttausend Euro.

Weil mit den Fäll- und Abfuhrarbeiten des Schadholzes bereits begonnen wurde, weist Julia Borghoff Fußgänger darauf hin, dass es tage- und wochenweise zu Sperrungen von Waldwegen kommen werde. Bei einigen Bäumen ist Eile geboten. Während etwa abgestorbene Fichten noch zwei bis drei Jahre stehen bleiben können, beträgt die Standfestigkeit bei Buchen lediglich ein Jahr.

Die Stadtförsterin wird heute nun in der Ratssitzung (17 Uhr, Ratssaal) beim Tagesordnungspunkt „Ausrufung des Klimanotstandes“/„Darstellung der Klima- und Umweltschutzmaßnahmen der Stadt Iserlohn“ der Politik für Fragen zur Verfügung stehen.

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