Equal Pay Day

Viele Frauen verdienen deutlich weniger

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert faire und gleiche Bezahlung aller Lehrkräfte in verschiedenen Schulformen  im Land.

Foto: Patrick Pleul/DPA

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert faire und gleiche Bezahlung aller Lehrkräfte in verschiedenen Schulformen im Land. Foto: Patrick Pleul/DPA

Iserlohn.   Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeber werben für Chancengleichheit – nicht nur am „Equal Pay Day“.

Heute ist der „Equal Pay Day“, ein Tag, an dem Arbeitnehmervertreter aus verschiedenen Bereichen auf die Ungerechtigkeiten bei der Entlohnung von Frauen hinweisen. Dabei müsste normalerweise an 365 Tagen im Jahr für mehr Entgeltgerechtigkeit gerungen werden. Worum geht’s?

„Der Equal Pay Day markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Aktuell verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Jahr 2017 arbeiten Frauen also 77 Tage – bis zum 18. März – faktisch „kostenlos“, erklärt Roland Andreas Krichel, Vorsitzender des Kreisverbandes der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA).

„Wir wollen, dass irgendwann am 1. Januar Equal Pay Day ist – und Männer und Frauen endlich gleich entlohnt werden. Deshalb macht die CDA seit der ersten Stunde beim Equal Pay Day mit. Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit, die Aufwertung von frauentypischen Berufen und gerechte Aufstiegschancen für Frauen. All diese Faktoren sind wichtig für eine bessere Bezahlung von Frauen in der Arbeitswelt“, führt Roland Krichel aus.

„Unser konkretes Anliegen für 2017 ist die Verabschiedung des Entgelttransparenzgesetzes. Das Gesetz muss kommen, denn Wissen ist Macht. Frauen, die wissen, was ihre männlichen Kollegen verdienen, können bei Lohnverhandlungen stärker auftreten“, betont Roland Krichel.

Grundschullehrerinnen verdienen 600 Euro weniger

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert faire und gleiche Bezahlung aller Lehrerkräfte im Land. Dazu betont Gudrun Achterkamp vom Iserlohner Ortsverein in einer Pressemitteilung: „Lehrämter, in denen besonders viele Frauen arbeiten, werden niedriger besoldet. Das Einstiegsgehalt für Grundschullehrerinnen liegt nach Berechnungen der GEW etwa 600 Euro unter dem Gehalt der Kolleginnen am Gymnasium und in der Sekundarstufe II. Das ist verfassungswidrig, denn es gibt 2017 keine sachlichen Gründe dafür.“

Gudrun Achterkamp verweist auf die gleich lange Hochschulausbildung und den Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte aller Schulformen. Außerdem leisten sie gleichwertige Arbeit im Lernprozess der Kinder. Ein Rechtsgutachten bestätige diese Praxis als mittelbare Geschlechterdiskreminierung: Es gebe zwar auch Männer an Grundschulen und Frauen an Gymnasien. Aber Frauen an Grundschulen seien überproportional von der ungleichen Besoldung betroffen, denn dort arbeiten 91 Prozent. Als Vertreterin der Fachgruppe Grundschule betont Gudrun Achterkamp abschließend: Anlässlich des Equal Pay Day fordern Grundschullehrkräfte eine Aufwertung ihres Lehramtes. „Kleine Kinder – kleines Geld, große Kinder – großes Geld lautet ein ungeschriebenes Gesetz, das eine ungleiche Besoldung von Lehrern in verschiedenen Schulformen zur Folge hat, fordert sie die faire Besoldung aller Lehrkräfte.

In tariflosen Bereichen sind Frauen benachteiligt

„In den letzten Monaten wurde die ungleiche Entlohnung von Frauen häufig auf unterschiedliche Erwerbsbiografien reduziert“, erklärt Gudrun Gerhardt, Geschäftsführerin der IG Metall und konkretisiert, dass Frauen oft deshalb schon weniger Einkommen zur Verfügung haben, weil sie durch Pflege, Familie und sonstige Unterbrechungen keine klassische männliche „Karriere“ machen. Dies ist sicherlich auch immer noch häufig der Fall. Hier verändert sich jedoch, leider immer noch zu langsam, unsere Gesellschaft. Immer mehr junge Männer möchten sich in Ihren Familien stärker engagieren. Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall weiß aus ihrer Arbeit im Kreisgebiet, dass gerade in tariflosen Bereichen Frauen sehr häufig geringer entlohnt werden, als ihre männlichen Kollegen. Das betreffe alle Bereiche – ob im wenig qualifizierten, wie auch im hoch qualifizierten Bereich.

„In Betrieben mit Tarifbindung und gut organisierten Betriebsräten, zu deren Aufgabe die regelmäßige Überprüfung einer korrekten Entlohnung gehört, gibt es in der Regel eine geschlechtsneutrale und gerechte Vergütung. Daher sehen wir es als eine unserer Hauptaufgaben an, bislang tariflose Betriebe in eine Tarifbindung zu führen.“ Die IG-Metall-Geschäftsführerin fordert, dass sogenannte „Frauenberufe“ aus dem Gesundheitsbereich und der Kindererziehung eine gesellschaftlich höhere Anerkennung verdient haben und insgesamt besser bezahlt werden müssen.

Dr. Bettina Schwegmann, Geschäftsführerein des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) verweist auf das unterschiedliche Berufswahl- und Erwerbsverhalten, das sich auf Karriere und Einkommen auswirkt. „Wenn Frauen beim gleichen Arbeitgeber die gleiche Arbeit leisten wie ein Mann, dann werden sie auch gleich entlohnt. Das ist nicht nur betriebliche Praxis, sondern wird auch nach Recht und Gesetz verlangt.“

Dr. Schwegmann erklärt, dass die Tarifpartner mit Tarifverträgen transparente und gerechte Entlohnungsstrukturen durch die Bewertung von Tätigkeiten erreichen. „Wir ermutigen junge Frauen aktiv, ganz selbstverständlich eine Karriere als Facharbeiterin oder Ingenieurin anzustreben.“ Dr. Schwegmann sieht die Politik in der Pflicht, Versprechen einzulösen, flächendeckende Kinderbetreuung mit beschäftigungsfreundlichen Öffnungszeiten anzubieten. „Würden alle Frauen gut bezahlte technische Berufe wählen und alle Babypausen von Männern übernommen, hätten sich die Debatten erledigt.“

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