Kommunalwahl 2020

Viele Stellschrauben und wahre Leuchttürme

Manuel Huff würde sich gerne in die Ahnengalerie der Iserlohner Bürgermeister einreihen, die im Treppenhaus des Rathauses hängt.

Manuel Huff würde sich gerne in die Ahnengalerie der Iserlohner Bürgermeister einreihen, die im Treppenhaus des Rathauses hängt.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Iserlohn.  Manuel Huff, Bürgermeisterkandidat der Linken, weiß ziemlich genau, was sich im Rathaus ändern müsste.

Nachdem der Stadtverband der Linken vor fünf Jahren keinen eigenen Kandidaten ins Rennen um das Bürgermeister-Amt geschickt hatte, wird diesmal bei der Kommunalwahl am 13. September Manuel Huff (35) antreten.

Der gebürtige Mendener, der in Balve-Beckum aufgewachsen ist, zwischenzeitig in Bochum-Langendreer gewohnt hat, seit 2008 Iserlohner ist und mit Lebensgefährtin und dreieinhalbjähriger Tochter an der Elisabethstraße lebt, ist seit mehr als zehn Jahren Fraktionsgeschäftsführer der Linken im Rat der Stadt, seit 2014 auch deren Fraktionschef im Kreistag.

War Bürgermeister immer schon Ihr Berufsziel?

Manuel Huff (lacht) Ich glaube nicht, dass es viele Kinder gibt, die auf die Frage „Was willst du später mal werden?“ mit „Bürgermeister“ antworten. Ich war aber immer schon politisch sehr interessiert, und das sicher vorgeprägt durch mein Elternhaus. Die waren in der SPD aktiv, meine Eltern saßen früher für die Sozialdemokraten im Balver Stadtrat. Inzwischen ist mein Vater allerdings auch in der Linken und sitzt in Sundern im Stadtrat.

Der erste Kontakt zur Politik kam also sehr früh?

Meine ersten bewussten Erinnerungen sind tatsächlich die als Fünf- beziehungsweise Sechsjähriger: an den Mauerfall, an die Fußball-Weltmeisterschaft 1990, an die Wiedervereinigung und an den Wahlkampf mit Oskar Lafontaine. An all das kann ich mich gut erinnern. Letzteres weil meine Eltern damals die „ZaS“, die „Zeitung am Sonntag“ der SPD, verteilt haben. Unser halbes Haus war, zumindest in meiner Erinnerung und gefühlt, eine Wahlkampfzentrale.

Was zog Sie 2008 nach Iserlohn?

Die Stadt, vor allem Oestrich und viele Menschen von dort kannte ich ja schon gut durch das Fußballspielen. Nach meiner Zeit bei Vereinen in Beckum, Langscheid und Sundern bin ich in die C-Jugend der Sportfreunde Oestrich gewechselt. Dort war Oliver Ruhnert mein Trainer, genau wie später im Seniorenbereich, als wir es mit den Sportfreunden in die Oberliga schafften. Insgesamt habe ich elfeinhalb Jahre in der Schledde gespielt.

Und der Fraktionsvorsitzende hat Sie dann auch in die aktive Politik und zu den Linken geholt?

Ja, er wusste ja von meinem familiären Hintergrund und meiner politischen Haltung und war überzeugt, dass ich neben meinem damaligen Informatik-Studium an der TU Dortmund auch politisch in Iserlohn etwas bewegen kann. Als wir dann als Linke bei der Kommunalwahl 2009 erstmals in den Rat der Stadt Iserlohn eingezogen sind, ergab sich die Möglichkeit, die Fraktionsgeschäftsführung zu übernehmen. Neben meiner beruflichen Tätigkeit im Fraktionsbüro und den familiären Verpflichtungen studiere ich derzeit zusätzlich Politik- und Verwaltungswissenschaften und Soziologie an der Fernuni Hagen.

Wann ist die Entscheidung gefallen, als Bürgermeister zu kandidieren?

Das war ein gemeinsamer Prozess in der Fraktion und der Partei. Wenn man sich nicht vielleicht schon vorher abspricht, schaut man ja auch erst einmal nach den Kandidaten der anderen und ob es eventuell sinnvoll wäre, die zu unterstützen. Nachdem der Verfassungsgerichtshof entschieden hat, dass es doch eine Stichwahl geben wird, haben wir uns im Januar erstmals zusammengesetzt und es ernsthaft erwogen. Schafft man es in die Stichwahl und kann dann die Unterschiede noch deutlicher machen, ist alles drin. Auch in Anbetracht der anderen Kandidaten ist es wichtig, den Menschen in Iserlohn ein alternatives Angebot zu machen.

Warum haben sich die Linken für Sie als Kandidaten entschieden?

Zunächst einmal: Ich bin offiziell der Bürgermeister-Kandidat, der vom Stadtverband der Linken aufgestellt wurde, aber ich führe die Partei nicht als Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Das macht Oliver Ruhnert, der auf dem ersten Platz der Reserveliste steht und auch weiter Fraktionsvorsitzender bleiben soll. Ich kandidiere als Manuel Huff für die Menschen in dieser Stadt und möchte dann als Bürgermeister Politik für alle Iserlohner machen. Meine Partei unterstützt mich dabei voll und ganz, weil sie findet, dass ich in den vergangenen mehr als zehn Jahren die besten Voraussetzungen dafür erlangt und wohl auch einen guten Job gemacht habe.

Was qualifiziert Sie denn als Fraktionsgeschäftsführer für das Amt des Bürgermeisters?

Als Fraktionsgeschäftsführer habe ich seit 2009 an der Schnittstelle von Politik und Verwaltung die Strukturen im Rathaus bestens kennengelernt. Ich bin viel im Gespräch mit den Mitarbeitern, denn ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, Informationen heranzuholen, weil wir eben nicht ständig einen Beigeordneten in unserer Fraktionssitzung haben, der uns mal das eine oder andere sagt und uns dadurch einen Informationsvorsprung verschafft. Und da lernt man über die Jahre vieles kennen und merkt vor allem auch, wo es hakt und was nicht funktioniert.

Wo zum Beispiel?

Im Moment stimmen viele Abläufe nicht, wir brauchen in Iserlohn eine Verwaltungsstrukturreform. Wir haben in der Verwaltungsspitze zu viele Ressortleiter, und es braucht eine klarere Steuerung, was Personal und finanzielle Ausstattung anbelangt. Oder nehmen wir das Beispiel Verkehr: Wir fassen in dem Fachausschuss ganz viele Beschlüsse, die dann einfach nicht umgesetzt werden. Auch die Kommunikation nach außen ist deutlich verbesserungswürdig. Es wird fast immer nur reagiert. Erst wenn alle schon mal bei Facebook das städtischen Handeln niedergeschrieben haben, wird versucht, die eigene Arbeit richtig dazustellen. Anstatt proaktiv vorzugehen und auch mal zu sagen, was man macht. Es gibt auch in Iserlohn einiges, was gut läuft. Zum Beispiel, dass Familien bis zu einem Einkommen von 3500 Euro im Monat keine Gebühren für Kita und Offenen Ganztag zahlen. Keine andere Stadt in Nordrhein-Westfalen hat eine solch hohe Freigrenze. Als wir von der Linksfraktion das Thema vor vielen Jahren angestoßen haben, mussten Familien bereits ab 1500 Euro im Monat zahlen. Oder dass man den Schlieper-Block und die Obere Mühle hinbekommen hat. So etwas kann man viel deutlicher herausstellen. Es gibt viele Stellschrauben hier im Haus, an denen man drehen kann.

Ärgert Sie das mit den beiden zuletzt genannten Beispielen, weil Sie auch persönlich daran Anteil hatten?

Es ärgert mich generell. Das sind gute Beispiele für Dinge, die sich realisieren lassen, wenn auch mal um die Ecke gedacht wird. Beispielsweise war ich damals der einzige im IGW-Aufsichtsrat, der gegen den Abriss des Schlieper-Blocks gestimmt hat. Damals wurde man dafür belächelt, und heute haben wir da ein Projekt stehen, von dem alle sagen: „Mensch, ist das super!“ Und jetzt stellen sich auch die, die damals abreißen wollten, hin und sagen: „Guckt mal, was wir hier Tolles haben mit der Bauhaus-Siedlung Schlieper.“ Oder an der Oberen Mühle. Da haben ich ganz klar gesagt: Wir sollten das als Stadt übernehmen. Und die Linksfraktion hat dann die entsprechenden Anträge gestellt und trotz großer Vorbehalte bei anderen Fraktionen am Ende eine Mehrheit gefunden. Das war auch ein Beispiel dafür, Projekte mal anders zu denken. Nicht 08/15. Und nicht von vornherein sagen, dass das nicht funktionieren kann. Gerade da ging es bei den Bewohnern darum, dass sie nicht wussten, wo sie sonst hin sollten. Und es hat ja auch funktioniert, ohne dass die Stadt dabei arm wird. Das ist eine ganz solide Lösung. Ich halte solche Dinge für die eigentlichen, die wahren Leuchttürme, etwas auf das man wirklich stolz sein kann.

Was steht noch auf Ihrer Agenda für den Wahlkampf und damit eine mögliche Amtszeit als Bürgermeister?

Das Thema Innenstadtentwicklung. Das ist aus meiner Sicht ein ganz zentraler Punkt, weil es eben bei uns noch ein städtisches Leben gibt, wo wir aber eben auch aufpassen müssen, dass das nicht kippt. Wir müssen etwas gegen die Leerstände unternehmen, zum Beispiel ein Leerstandskataster erstellen und den Aufbau eines Leerstandsmanagements.

Wenn in der Stadt etwas los sein soll, dann geht es immer erst mal darum, dass da auch Menschen in der Innenstadt wohnen können und zwar auch aus allen Einkommensgruppen. Es wurden ja viele Projekte realisiert für Leute, die es sich leisten können. Ich habe immer dafür gekämpft, dass alle berücksichtigt werden. Auf dem ehemaligen Hänsel-Textil-Gelände soll es jetzt erstmals ungesetzt werden. 25 Prozent Sozialwohnungen sollen vorgesehen werden. Auch beim Baugebiet Genna habe ich mich schon dafür eingesetzt, aber leider war es von den anderen Fraktion noch nicht gewollt.

Ich glaube, dass das ein wichtiger Aspekt ist. Da haben wir jetzt viele Projekte vor der Brust, so auch von der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft im Mühlentor oder auch am Fritz-Kühn-Platz. Denn machen wir uns nichts vor: Aus Hennen kommt keiner für eine Tasse Kaffee nach Iserlohn. Das passiert einfach nicht. Also wird die Stadt in erster Linie von denen belebt, die ohnehin da sind, und dann ist es vielleicht auch für andere aus den umliegenden Ortsteilen interessant, mal nach Iserlohn zu kommen, weil es dort ein Angebot gibt. Deswegen müssen wir auch dafür sorgen, dass das Rathaus und Stadtbücherei zentral bleiben. Wer meint, hinten am ehemaligen Güterbahnhof wäre die Innenstadt, der hat unsere Stadtstruktur nicht verstanden. Da kommt im Grunde noch der Friedhof, und dann die Autobahn.

Generell ist es mir wichtig, alle Menschen in unserer Stadt mitzunehmen, um die Zukunft Iserlohns zu gestalten. Die jungen Menschen bei „Fridays for Future“, deren Aktivitäten vor Ort ich von Beginn an unterstütze, ebenso wie die älteren Menschen, die sich regelmäßig zum Boulespielen am Seilersee treffen. Wir dürfen keine Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen. Wir müssen zusammen arbeiten, wenn wir die vor uns liegenden Herausforderungen meistern wollen. Das gilt für die Innenstadtentwicklung genauso wie für eine klimafreundliche Stadt mit gutem öffentlichen Nahverkehr und erneuerbaren Energien und den Erhalt unseres Status als „Sportstadt“ mit unserem vielfältigen Vereinsleben.

Für all die Ideen braucht man aber Mehrheiten im Rat.

Das ist klar. Die Politik in Iserlohn habe ich allerdings in den letzten Jahren als sehr sachorientiert kennengelernt. Man kann auch jenseits der Mehrheit einer eigenen Fraktion mit den Gegebenheiten erfolgreich arbeiten und Lösungen finden. Ich bin es in meiner bisherigen Funktion bereits seit vielen Jahren gewohnt, wechselnde Mehrheiten zu suchen, wenn es für die Stadt sinnvoll ist. Und dabei ist mein Austausch mit den anderen Fraktionen natürlich immer wichtig gewesen. Das ist eine Stärke, die dann wirklich zum Tragen kommen würde: Dass man eben in der Lage ist, auch Mehrheiten zu organisieren.

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